Vor knapp 70 Jahren starb der Physiker Albert Einstein (* 14. März 1879 in Ulm; † 18. April 1955 in Princeton, New Jersey). Bevor er im September 1933 endgültig in die Vereinigten Staaten reiste, verbrachte Albert Einstein seinen letzten Sommer auf europäischem Boden in De Haan an der belgischen Küste. In der idyllischen Ruhe des dortigen Villenviertels „Concessie“ kappte der berühmte Wissenschaftler seine letzten Bande mit der deutschen Wissenschaftswelt.
Albert Einstein lebte 1933 sechs Monate lang in De Haan an der belgischen Nordseeküste
Der Antisemitismus in Deutschland vertrieb Albert Einstein aus seinem Heimatland und seine Freundschaft mit dem belgischen Königspaar öffnete ihm die Türen der Villa Savoyarde in De Haan. Einstein wurde 1879 in Ulm geboren. Im Jahr 1905 veröffentlichte er die Relativitätstheorie und promovierte an der Universität Zürich mit einer Arbeit über die Bestimmung der molekularen Dimensionen von Molekülen. Er wurde dort Professor und 1914 zog die Familie nach Berlin, wo Einstein zum Mitglied der Akademie der Wissenschaften gewählt wurde. Später wurde er dort Professor für Physik. Im Jahr 1921 erhielt er den Nobelpreis für Physik für seine Studien über den photoelektrischen Effekt.
Als Hitler am 30. Januar 1933 in Deutschland zum Reichskanzler ernannt wurde, befand sich Albert Einstein zusammen mit seiner Frau Elsa auf dem Rückweg aus den Vereinigten Staaten, wo er in Pasadena eine Reihe von Gastvorträgen gehalten hatte. Auf dem Dampfer „Belgenland“ der Antwerpener Reederei Red Star Line erfuhr er, dass die Nazis alle seine Besitztümer beschlagnahmt und eine regelrechte Hexenjagd auf die Juden veranstaltet hatten. Der Ozeandampfer legte am Dienstag, den 28. März 1933, in Antwerpen an, wo das Ehepaar Einstein von der Stadtverwaltung, von mehreren Professoren, einigen flämischen Freunden sowie Journalisten aus dem In- und Ausland begrüßt wurde. Im Century Hotel gab er seine Entscheidung bekannt, nicht nach Deutschland weiterzureisen.
Die ersten Tage in Belgien
Einstein und seine Frau wohnten zunächst auf Schloss Cantecroy im Ortsteil Oude God in Mortsel bei Antwerpen bei Professor Arthur De Groodt. Dessen Frau reiste später nach De Haan, um zwei Villen an der Shakespeare Avenue im Villenviertel „Concessie“ zu mieten: Die Savoyarde für die Einsteins und La Maisonnette für ihre eigene Familie. Von Antwerpen aus fuhr Einstein mit dem Zug nach Ostende und von dort mit der Küstenstraßenbahn weiter nach De Haan.
(Lesen Sie bitte unter den Fotos weiter)
All der Rummel um seine Person hinderte Einstein nicht daran, einige Vorträge in Brüssel, Oxford (im Juli) und in Ostende für den Rotary-Club zu halten, eine Seereise mit dem Küstenschiff „Zinnia“ zu unternehmen, ein Geigenkonzert im Kursaal von Ostende zu geben und Freunde wie die Maler James Ensor, Felix Labisse, Alfons Blomme und den Schriftsteller Aldous Huxley zu empfangen.
Bewachung für die Einsteins
Die Gendarmeriebrigade von de Haan wurde am 12. April 1933 mit der schwierigen Aufgabe betraut, diskret für die Sicherheit des Gelehrten zu sorgen. Die akute Bedrohung durch die Veröffentlichung des „Braunbuchs“ der Nazis und das auf Einstein ausgesetzte Kopfgeld konnten Einstein und sein Umfeld nicht länger ignorieren.
Am Abend des 8. September 1933 verließ Albert De Haan in Richtung England. Er blieb einige Zeit im Vereinigten Königreich, bevor er sich endgültig in Princeton, USA, niederließ, wo er am 18. April 1955 starb. Später war De Haan Drehort in mehreren Dokumentarfilmen und einem ostdeutschen Spielfilm (1988) über diesen Physiker. Ende 2006 wurde in der Normandie-Allee eine Einstein-Statue aufgestellt. Diese befindet sich in der Nähe der Villa De Cœur Volant, wo Einstein seinerzeit unter anderem Ensor traf.
Warum hielt sich Einstein im Frühjahr und Sommer 1933 ausgerechnet in De Haan auf?
War es die Ruhe der idyllischen belgischen Küste - eine Idylle, die in einigen Orten wie De Haan bis heute einigermaßen erhalten geblieben ist - oder doch die Geschichte des Villenviertels „Concessie“? König Leopold II. hatte Anfang des 20. Jahrhunderts den deutschen Stadtplaner Joseph Stübben nach De Haan geholt, um hinter dem Strand ein grünes Villenviertel anzulegen, mit nur kurvenreichen Straßen (um zum Spazierengehen anzuregen) und mit strengen Auflagen für den Hausbau (nicht höher als 11 Meter, keine Reihenhäuser, mehr Grün als Stein).
Durch diese urbane Anordnung hatten der belgische Staat und das belgische Königshaus übrigens auch lange Zeit eine gewisse Kontrolle über das Geschehen in De Haan.
