In Tongeren in der flämischen Provinz Limburg beginnt an diesem Dienstag das Schwurgerichtsverfahren zur Entführung eines 13-Jährigen, der im April 2020 42 Tage lang festgehalten wurde, um von dessen Eltern Lösegeld zu erpressen. Ursprünglich forderten die Entführer 5 Mio. € Lösegeld, doch letztendlich gaben sie sich mit 330.000 € zufrieden. 8 Angeklagte stehen in Tongeren vor Gericht, von denen 2 unauffindbar sind.
13 Jahre alter Junge 42 Tage lang entführt: In Tongeren beginnt der Prozess gegen die Täter
Am 20. April 2020 stürmten 4 maskierte und bewaffnete Männer das Haus der kurdischen Familie im limburgischen Genk und nahmen den ältesten Sohn mit. 42 Tage lang wurde der damals 13-Jährige an 3 verschiedenen Orten festgehalten. Er konnte sich mit Netflix und Playstation beschäftigen und bekam immer etwas zu essen, wenn er das wollte. Allerdings beschränkte sich dies auf Pizza oder Fritten.
Vermutlich gingen die Täter davon aus, dass der Vater des Entführten viel Geld hatte, denn er hatte mit Drogenhandel zu tun. Zunächst forderten die Entführer 5 Mio. Lösegeld und drohten den Eltern, Finger oder die Hand ihres Kindes abzuschneiden, wenn kein Geld kam. Letztendlich ließen die den Jungen nach Zahlung eines Lösegeldes von 330.000 € am Pfingstmontag 2020 körperlich unversehrt laufen.
Die Täter waren der Justiz bekannt
Nur knapp eine Stunde, nach dem der Junge gefunden wurde, führte die Polizei mehrere Hausdurchsuchungen in den Provinzen Antwerpen und Limburg durch, wobei Geld, Gold und Schmuck gefunden wurde, das aus dem Lösegeld stammte. Mehrere Personen wurden festgenommen – die meisten von ihnen waren der belgischen Justiz nicht unbedingt unbekannt…
Der bekannteste Name unter den 8 Angeklagten ist der extremistische Islamist Khalid Bouloudo, gegen den bereits wegen der Rekrutierung von Jugendlichen für den Kampf in Syrien ermittelt wurde. Bouloudo und sein radikalislamistischer Kreis stehen zudem im Verdacht, Verbindungen zu einer Terrorgruppe gehabt zu haben, die u.a. einen Anschlag am 11. März 2004 in Madrid verübte.
Besonderes Schwurgerichtsverfahren
Der Prozess in Tongeren ist schon ein besonderes Verfahren. Zum einen handelt es sich hier um die längste Entführung, bei der Lösegeld bezahlt wurde, in der belgischen Justizgeschichte. Zum anderen wird der Entführte, der heute 18 Jahre alt ist, selbst vor Gericht aussagen.
Die Prozessdauert ist auf 3 bis 3 Wochen veranschlagt. Das Schwurgericht besteht aus 6 Frauen und 6 Männern, die hier über Schuld oder Unschuld entscheiden müssen. Mit Spannung wird erwartet, was die Angeklagten sagen werden. Bei den Verhören nach ihrer Verhaftungen sollen sie nur wenig von sich gegeben haben, heißt es aus Justizkreisen.
