Die belgischen Bischöfe haben am Montag mit „großer Traurigkeit“ vom Tod des Papstes erfahren. Die Bischöfe drückten aber auch ihre Dankbarkeit aus: „Sein Pontifikat war geprägt von Einfachheit, der Nähe zu den Armen und einem starken Appell für Barmherzigkeit und soziale Gerechtigkeit.“ Inzwischen folgen weitere Reaktionen aus Belgien auf dem Tod von Papst Franziskus, u.a. von weiteren Kirchenvertretern, aus dem Königshaus und von Seiten der Politik.
Reaktionen zum Tod von Papst Franziskus aus Belgien: „Geprägt von Einfachheit und von der Nähe zu den Armen“
Für die belgischen Bischöfe sind auch die pastoralen Impulse von Franziskus für eine synodalere und integrativere Kirche ein wichtiges Vermächtnis seines Pontifikats. Darüber hinaus betonen die belgischen Bischöfe die Bedeutung der Enzykliken und anderer Veröffentlichungen von Papst Franziskus. „Laudato Si“ (2015) über die Zukunft des Planeten und „Fratelli tutti“ (2020), das zu Brüderlichkeit und Solidarität aufruft, wurden von der belgischen Bischofskonferenz als „bleibende Wegweiser für unsere Welt und Gesellschaft“ bezeichnet.
Papst Franziskus hatte Belgien erst im vergangenen September einen dreitägigen Besuch abgestattet. Die Bischöfe denken heute „dankbar“ an diesen Besuch zurück, „bei dem er den Mitarbeitern der Kirche in Belgien drei Schlüsselworte mit auf den Weg gegeben hat: Evangelisierung, Freude und Barmherzigkeit“.
Der Papst war „ständig mit Fragen zur sozialen und zur klimatischen Gerechtigkeit beschäftigt“
„Wir müssen anerkennen, dass Papst Franziskus ein Reformer der Kirchenleitung war, der sich ständig mit Fragen der sozialen und klimatischen Gerechtigkeit beschäftigte.“ So schreibt Belgiens Außenminister Maxime Prévot auf X nach dem Tod von Papst Franziskus: „Mit Respekt betrachte ich das Werk dieses Staatsoberhauptes und religiösen Führers, der für die christlichen Gemeinschaften und darüber hinaus Hoffnung auf Modernität verbreitete und ihre Lebensweise inspirierte.“
„Trotz der Differenzen, die nach den Empfindlichkeiten jedes Einzelnen bestanden haben mögen, müssen wir anerkennen, dass Papst Franziskus ein Reformer der kirchlichen Führung war, der sich ständig mit Fragen der sozialen und klimatischen Gerechtigkeit beschäftigte, ein inspirierender Seelsorger für viele und stets auf der Seite der Schwächsten.“ Laut Prévot „sollten wir auch nicht vergessen, dass er uns zu Recht dazu aufgerufen hat, die Ideale des Friedens, auf denen Europa gebaut wurde, und die Hoffnung, die dies weckt, zu bewahren“.
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Reaktion der königlichen Familie auf den Tod des Papstes: „Er war ein großer Mann“
„Wir teilen die Trauer aller Katholiken auf der ganzen Welt und aller, die ihn liebten und schätzten, und wir sind dankbar für die Ehre, die er uns mit seinem Besuch in unserem Land erwiesen hat“, schreibt das belgische Königspaar auf X. Unser Königshaus hat gute Beziehungen zum Vatikan. Es ist allgemein bekannt, dass König Philippe und Königin Mathilde tief religiös sind.
Im September 2024 trafen König Philippe und Königin Mathilde den Papst bei dessen Besuch in unserem Land (Foto oben). Franziskus war zu Gast im Schloss von Laeken und man besuchte auch gemeinsam die königliche Gruft.
Auch die flämischen Christdemokraten der CD&V reagieren: „Wir setzen seine Reise fort“
„Gestern hat er uns seine Osterbotschaft des Friedens überbracht, heute ist unser Papst zu seiner letzten Reise als Pilger der Hoffnung aufgebrochen“, postete Belgiens Justizministerin Annelies Verlinden (CD&V) auf Instagram: „Wir setzen seine Reise fort.“
Auch Flanderns Landesinnenministerin Hilde Crevits (CD&V) hob den Papst als „nüchternen Diener“ hervor. Der flämische Landesminister für Umwelt und Landwirtschaft, Jo Brouns (CD&V,) spricht von einem „Leben in Einfachheit, Nähe und Barmherzigkeit“. CD&V-Parteipräsident Sammy Mahdi reagierte kurz und bescheiden: „Ruhe in Frieden“.
Antwerpens Bischof Johan Bonny blickt mit Wehmut auf das Pontifikat von Franziskus zurück
Bischof Bonny hat den Papst mehrmals getroffen und sich von ihm unterstützt gefühlt. Franziskus hat ihm viel bedeutet: „Sehr, sehr viel. Ich glaube, für mich und für sehr viele in der Kirche war es eine Erleichterung, als er gewählt wurde und den Namen Franziskus wählte. Entweder, er meinte es ernst oder er meinte es nicht ernst mit diesem Namen. Aber wenn man den Namen Franziskus wählt, dann ist das ein Programm. Ein Programm der Einfachheit, des Einsatzes für die Armen, der Aufrichtigkeit. Ein Reformwille auch für die Kirche.“
„Dieser Name Franziskus steht für ein ganzes Paket. Nun, wenn wir so viele Jahre zurückblicken, kann man sicher sagen: Er hat sich diesen Namen und diese Identität des Franziskus zu eigen gemacht,“ so der Antwerpener Bischof.
Premier De Wever reagiert auf Latein
Belgiens Premierminister Bart De Wever von den flämischen Nationaldemokraten N-VA verfasste eine lateinische Botschaft, die sich übersetzt wie folgt liest: „Gib ihm ewige Ruhe, Herr, und lass ewiges Licht auf ihn scheinen. Friede und Güte.“
Erzbischof Terlinden: „Guter Hirte mit einem großen Herz für alle“
Erzbischof Luc Terlinden nannte Papst Franziskus einen „guten Hirten mit einem großen Herz für alle“. Er lobte Franziskus für sein großes Engagement für den Frieden und für die Kirche: „Er war sich der großen Herausforderungen bewusst, vor denen die Kirche in dieser säkularen Welt steht.“
„Ich bin froh, dass ich die Gelegenheit hatte, ihn bei seinem Besuch in unserem Land im September zu treffen“, fügte Terlinden hinzu: „Er war ein sehr liebenswürdiger Mann, ein bisschen wie ein Großvater am Ende seines Lebens. Er hatte viel Humor und sagte dann zu mir: ‚Du bist noch so jung, hast du schon deine Erstkommunion gemacht?‘ Ich bin daher sehr bewegt und emotional durch seinen Tod. Laut Terlinden hat Franziskus einen besonderen Tag für seinen Tod gewählt. „Am Ostermontag feiern wir die Auferstehung Jesu, ich sehe seinen Tod heute als ein Zeichen der Hoffnung.“
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Kirchenrechtler Rik Torfs zieht durchwachsene Bilanz des Pontifikats von Papst Franziskus
Der flämische Kirchenrechtler und frühere Rektor der Katholischen Universität Löwen (KULeuven), Rik Torfs, zieht eine durchwachsene Bilanz des Pontifikats des Papstes. Franziskus habe zwar Reformen in Bezug auf die Offenheit der katholischen Kirche gegenüber Homosexualität und gegenüber der Rolle der Frau durchgeführt. Er habe es aber nicht geschafft, die entsprechenden Regeln grundlegend zu verändern.
Homosexuelle Paare dürften noch nicht immer kirchlich heiraten und Frauen dürfen weiterhin nicht als Diakonin oder Priesterin tätig werden. Nach außen sei der Papst offen gewesen, innerhalb der Kurie habe er aber auch Gegner gehabt. Torfs hält die Aussagen des Papstes zu Themen wie Klimawandel und Migration für positiv.
