Der weltweite Weinkonsum ist auf dem niedrigsten Stand seit 1961. Im vergangenen Jahr sank er um 3,3 Prozent. In Belgien ging der Verbrauch sogar um 10 Prozent zurück. Warum verzichten wir plötzlich auf ein erfrischendes Glas Chardonnay oder einen leckeren Merlot?
In Belgien ist der Weinkonsum auf den niedrigsten Stand seit 60 Jahren gesunken
Nicht nur die Weinproduktion geht drastisch zurück, sondern auch die Verbrauchszahlen färben sich weltweit dunkelrot. Das geht aus dem Jahresbericht der Internationalen Organisation für Rebe und Wein (OIV) hervor. Im vergangenen Jahr sank die Zahl um 3,3 Prozent auf 214,2 Millionen Hektoliter, den niedrigsten Stand seit mehr als 60 Jahren.
„Wir stellen überall rückläufige Zahlen fest: im Handel, bei den Importen und den Verkäufen“, bestätigt Kris Lismont, Präsident der belgischen Sommeliersgilde. Auch für die Zukunft sieht es nicht gut aus.
Qualität vor Quantität
Erstens spielt der Weinpreis eine große Rolle. Er ist seit der Corona-Pandemie von Jahr zu Jahr stark gestiegen und ds schreckt die Konsumenten ab.
Die Liebhaber eins guten Glases Wein entscheiden sich auch zunehmend für Qualitätsweine: Weniger, aber besserer Wein, mit anderen Worten. „Die Betonung liegt mehr und mehr auf Qualität als auf Quantität. Wir entscheiden uns eindeutig für einen etwas besseren Wein zum richtigen Preis“.
Größeres Problembewusstsein für Alkohol
„Auch das Bewusstsein der Gesundheitsrisiken des Alkohols wächst. Die Kampagnen rund um den Alkohol zeigen eindeutig ihre Wirkung, und das natürlich zu Recht", betont Lismont. Die Menschen trinken zwar immer noch, aber mit mehr Augenmaß.
Unser Lebensstil und unsere gesellschaftlichen Gewohnheiten haben sich in den letzten Jahren in Bezug auf den Alkoholkonsum stark verändert. Man denke nur an das klassische Geschäftsessen, sagt der Sommelier. „Früher haben wir unsere Geschäfte mit einem Glas Champagner, einer guten Flasche Wein und sogar mit einem Kaffee plus Cognac besiegelt. Das ist heute nicht mehr denkbar", fährt Lismont fort. "Wir bestellen bei einem Geschäftsessen keine Flasche, sondern oft nicht einmal mehr ein Glas Wein. Ich denke, wir müssen vor allem unseren gesunden Menschenverstand bemühen".
Alkoholfreier Wein als Lösung?
Dieses Bewusstsein bedeutet auch, dass alkoholfreie Alternativen ein florierendes Geschäft sind. Man denke nur an die alkoholfreien Biere, die in immer mehr Kneipen, Restaurants und Supermärkten angeboten werden.
Die Weinindustrie ist in dieser Hinsicht viel weniger fortschrittlich nach einer Qualitätsalternative muss der Interessent lange suchen. „Es ist eigentlich ganz einfach: Die Definition von Wein ist ‚vergorener Traubensaft‘. Der Alkohol macht das Produkt also schmackhaft. Nimmt man den weg, ist der Geschmack ein ganz anderer", erklärt Lismont.
Noch stärkere Einbrüche absehbar
"Bis 2030 sagen wir eine Halbierung der aktuellen Zahlen voraus, sie werden also noch drastischer sinken", prophezeit Lismont.
"Junge Leute stehen ganz anders zu Wein und Alkohol. Sie suchen eher nach trendigeren Getränken wie Cocktails, Mocktails und alkoholfreien Alternativen. Darauf müssen wir reagieren."
"Wir müssen andere Produkte auf den Markt bringen. Zum Teil tun wir das bereits. Auch in Europa wird überlegt, wie man die Erzeuger unterstützen kann, die Dinge sind also bereits in Bewegung", so Lismont abschließend.
