In der Region Brüssel-Hauptstadt wurden Ende letzten Jahres 9.777 obdach- oder wohnungslose Personen gezählt. Das sind ein Viertel mehr als im Jahr 2022, wie aus einer Zählung von Bruss'Help hervorgeht, die die Zahlen in einem Bericht zusammenfasst. „Dieser Bericht dient als Hilfsmittel für politische Entscheidungsträger, um strukturelle Lösungen zu entwickeln und so den Anstieg der Obdachlosigkeit zu bremsen.“
In der Nacht vom 6. auf den 7. November 2024 wurden insgesamt 9.777 obdach- oder wohnungslose Personen in der Region Brüssel-Hauptstadt gezählt. Das ist ein Viertel mehr als im Jahr 2022, als die letzte Zählung stattfand. Die Zahlen sind im neuesten Bericht von Bruss'Help zu lesen, einer Organisation, die alle zwei Jahre mit Hilfe von Freiwilligen die Zahl der Obdachlosen erfasst.
Am Abend der Zählung hielten sich fast 4.000 dieser Personen entweder in Notunterkünften oder in sogenannten temporären Besetzungen auf. Bei Letzterem bewohnen Menschen ein leerstehendes Gebäude mit Zustimmung des Eigentümers (der meist eine Vereinigung ist).
Es kommt auch vor, dass Gebäude ohne Zustimmung des Eigentümers bewohnt werden. Solche Hausbesetzungen sind jedoch rückläufig. Bei der Zählung Ende letzten Jahres lebten 683 Menschen in einem solchen Gebäude – ein Rückgang um 26 Prozent. Das liegt vor allem an der Schließung eines großen besetzten Gebäudes in der Paleizenstraat.
Darüber hinaus hielten sich weitere 513 obdach- und wohnungslose Personen in nicht anerkannten Unterkünften auf. Das ist ein Anstieg um 30 Prozent. Nicht anerkannte Unterkünfte sind solche, die von einer Vereinigung oder auf andere Weise organisiert werden, aber nicht von der Regierung anerkannt sind.
Fast 1.000 Menschen auf der Straße
Außerdem schliefen 992 Menschen einfach auf der Straße – etwa 10 Prozent der Gesamtzahl. Diese Menschen verbringen die Nacht zum Beispiel in einer (U-Bahn-)Station, einem Auto oder an anderen Orten im öffentlichen Raum. Diese Zahl ist seit 2022 um fast 23 Prozent gestiegen, vor allem in der Nähe von Bahnhöfen.
Von diesen 992 obdach- und wohnungslosen Personen, die auf der Straße schlafen, befinden sich 613 in den Randgemeinden der Region Brüssel-Hauptstadt. Das ist die Hälfte mehr als bei der Zählung 2022, was darauf hinweist, dass sich das Problem räumlich ausbreitet.
Mögliche Lösungen
Verschiedene Organisationen setzen sich seit Jahren dafür ein, Obdachlosigkeit zu bekämpfen – sowohl in Aufnahmezentren als auch auf der Straße. So wird fast 60 Prozent der gezählten Personen über diese Unterstützungsstrukturen begleitet. Auf diese Weise versuchen die Organisationen, ihre Situation zu stabilisieren, etwa durch die Suche nach einem festen Wohnsitz. Dennoch steht für 4 von 10 Obdach- und Wohnungslosekurzfristig keine konkrete Lösung zur Verfügung, um ihre wirtschaftliche und soziale Lage zu verbessern.
Bruss'Help betont, dass all diese Unterstützung den Anstieg der Obdach- und Wohnungslosigkeit eindeutig nicht aufhalten kann, und stellt fest, dass das Ausmaß des Problems alle einzelnen Initiativen übersteigt. „Die Zahlen dienen daher als Instrument für politische Entscheidungsträger, um effektivere, strukturelle und menschenwürdige öffentliche Maßnahmen zu entwickeln“, schreibt die Organisation in ihrer Pressemitteilung.
