Noch nie war die Warteliste für Sozialwohnungen im belgischen Bundesland so lang: 199.085 Menschen warten auf eine günstige Wohnung. Das geht aus Zahlen der flämischen Ministerin für Wohnungswesen, Melissa Depraetere (Vooruit), hervor. Etwa die Hälfte der Wohnungssuchenden in diesem Bereich sind Singles. „In jeder Gemeinde in jeder Provinz warten Menschen auf eine Wohnung“, so die sozialistische Ministerin.
Noch nie standen in Flandern so viele Menschen auf der Warteliste für Sozialwohnungen
Seit März 2025 können sich neue Mietinteressenten beim Zentralen Amt für Registrierung für Sozialwohnungen (CIR) anmelden. Dabei handelt es sich um einen Online-Schalter, an dem sowohl neue Mieter ihre Anträge einreichen können, als auch bestehende Bewerber ihre Registrierung bestätigen können.
Die flämische Ministerin für Wohnungswesen, Melissa Depraetere, wollte auf diese Weise einen besseren Überblick über die Zahl der Menschen bekommen, die auf eine Sozialwohnung warten. 52.322 neue Bewerber haben sich seit dem registrieren lassen, so dass die Gesamtzahl der Antragsteller für eine Sozialwohnung auf 199.085 gestiegen ist.
„Fast 200.000 Familien sind auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum“, so Depraetere gegenüber VRT NWS: „Es ist gut, dass wir jetzt eine aktualisierte Warteliste haben. So können wir besser einschätzen, wer wo eine Wohnung braucht. In der Zwischenzeit sind die Betroffenen dazu gezwungen, auf dem privaten Markt zu mieten, was aber ihre Kaufkraft unter Druck setzt. Das müssen wir unbedingt vermeiden.“
Singles aus Antwerpen
Etwas mehr als die Hälfte der Mietinteressenten sind alleinstehend. Und diese Gruppe wird immer größer, da der Anteil der älteren Menschen und der Singles in unserer Gesellschaft weiter zunimmt. „Singles mit einem begrenzten Budget haben es auf dem Mietmarkt schwer, weil sie nicht mit Hunderten von anderen Bewerbern konkurrieren können“, so die Ministerin: „Eine Sozialmietwohnung ist dann die ideale Möglichkeit für sie, trotzdem bezahlbar zu wohnen, aber viele Wohnungen sind für Singles nicht geeignet. Größere Familien bleiben ebenfalls auf der Strecke“.
Die Zahlen zeigen auch, dass die Wartelisten je nach Region sehr unterschiedlich sind. Etwa ein Drittel der Mietinteressenten (67.325) sucht in der Provinz Antwerpen eine Sozialwohnung, während die Zahl der Suchenden in Limburg (22.953) am niedrigsten ist. In Ostflandern warten 46.620 Menschen auf eine Sozialwohnung, in Flämisch-Brabant 22.834 und in Westflandern 34.248.
Bauen und Renovieren
Europa hat Flandern kürzlich für seine schlechte Wohnungspolitik gerügt.Die EU erzwingt keine Maßnahmen, sondern will Flandern zum Handeln bewegen.Genau das will Depraetere tun: Sie will in den kommenden Jahren bezahlbare Wohnungen bauen und renovieren lassen, um den Mangel zu beheben: „In den letzten Jahren wurden wirklich zu wenig Sozialwohnungen gebaut. Wir werden 6 Mia. € investieren, um das Ruder herumzureißen, weil wir das wirklich brauchen.“
Hier müssen alle Städte und Gemeinden ihre Verantwortung übernehmen, so Depraetere. Zu diesem Zweck wird ab 2026 ein neues verbindliches soziales Ziel in Kraft treten. Dieses schreibt den Bau von weiteren Sozialwohnungen vor, um die langen Wartelisten zu verkürzen.
„In den letzten Jahren war die Politik zu nachlässig gegenüber den Städten und Gemeinden, die ihren Beitrag nicht geleistet haben und ihre Bürger damit im Stich gelassen haben. Das muss sich ändern. Kommunen, die ihren Beitrag nicht leisten, müssen sich an der Mietprämie für die beteiligen, die auf eine Sozialwohnung warten“, erklärte Depraetere: „Auf diese Weise erhalten die Leute, die auf eine Wohnung warten, eine direkte Unterstützung. Das ist nur logisch.“
