In der Regentschapsstraat in Brüssel, in der Nähe der Kleinen Zavel, sind etwa 30 menschliche Skelette bei Bauarbeiten entdeckt worden. Dies berichtet das Kabinett von Ans Persoons (Vooruit), der scheidenden Brüsseler Staatssekretärin für das Kulturerbe. Experten zufolge deuten die Knochen auf einen mittelalterlichen Friedhof hin, wie die Nachrichtenplattformen BRUZZ und Belga berichten.
Brüssel: 30 Skelette aus dem Mittelalter bei Arbeiten an der Kleinen Zavel entdeckt
„Menschliche Knochen wurden am 19. März zufällig in der Regentschapsstraat zwischen Onze-Lieve-Vrouw-ter-Zavelkerk und der Kleinen Zavel entdeckt. Dies geschah während der Arbeiten von Vivaqua zur Erneuerung der Wasserleitungen und der (Nahverkehrsgesellschaft, Red.) MIVB/STIB zum Austausch der Straßenbahnschienen“, teilte das Kabinett mit: „Urban.brussels hat daraufhin ein Archäologen-Team des Königlichen Museums für Kunst und Geschichte an den Fundort geschickt, um dort Ausgrabungen vorzunehmen.“
Bei diesen Ausgrabungen wurden mehrere vollständige Gräber von Erwachsenen sowie ein Massengrab mit mehreren Kindern entdeckt. Die Leichen wurden oft in übereinander gestapelten Särgen gefunden. „Unter dem Kopfsteinpflaster der Regentschapsstraat und des Zavel-Parks, einige Zentimeter tief, taucht heute ein Stück Geschichte unserer Stadt wieder auf“, so Staatssekretärin Persoons. Die Zavel war vor der Bebauung ein Feuchtgebiet mit Graslandschaft und Wasserläufen.
Armenfriedhof
Das Gelände war zwischen 1295 und 1704 ein wichtiger Friedhof für die Brüsseler Bürger, direkt außerhalb der damaligen mittelalterlichen Stadtmauern. Das Gelände war Teil des damaligen Sint-Jans-Hospitals am Großen Markt und wurde zunächst hauptsächlich für die Ärmsten der Armen, Findelkinder, Waisen und die schwächsten Brüsseler aus der damaligen Zeit genutzt. Erst im Laufe der Jahrhunderte - mit der Ausdehnung der Stadt und der Umwandlung des Ortes in ein wohlhabendes Stadtviertel - wurden auch reichere Einwohner hier beigesetzt.
Der Friedhof umfasste damals fast das gesamte Gebiet, auf dem heute die Kleine Zavel und die Zavel liegen. Zur Zeit des Friedhofs beklagten sich wohlhabendere Anwohner zunehmend über Belästigungen wie Gestank, das Geräusch von menschlichen Leichen, die angekarrt wurden und über das Bellen von Hunden, die sich über die Leichen hermachten. Aus diesem Grund beschloss die Stadt Brüssel 1704, den Friedhof zu verlegen.
Wichtige Ausgrabungen
„Diese Ausgrabungen sind für die Geschichte Brüssels von großer Bedeutung. Sie liefern nicht nur detaillierte Kenntnisse über einen Teil der Bevölkerung und ihre Lebensweise, sondern ermöglichen auch ein besseres Verständnis der sozialen Struktur der damaligen Zeit. Im Gegensatz zu anderen Funden auf Gemeindefriedhöfen (neben Kirchen) handelt es sich hier um den Friedhof eines Krankenhauses. Dies ermöglicht den Archäologen, eine andere Bevölkerungsgruppe zu untersuchen. Durch die Analyse der Knochen und verschiedener Proben ist es möglich, sich ein Bild von den Lebensbedingungen der dort begrabenen Bevölkerung im Laufe der Jahrhunderte zu machen“, so urban.brussels, die Brüsseler Regionalbehörde für Städtebau und Kulturerbe.
Die Archäologen werden in den kommenden Wochen gemeinsam mit ihren Kollegen vom Institut für Naturwissenschaften, der Société Royale d'Archéologie de Bruxelles (SRAB) und dem Museum für Kunst und Geschichte sowie mit Hilfe von Studenten der ULB (die frankophone Freie Universität Brüssel) ihre Arbeit fortsetzen, um diese Funde zu sichern und zu analysieren. In der Zwischenzeit setzt das Team der regionalen Brüsseler Wassergesellschaft Vivaqua seine Arbeit in dem Abschnitt zwischen der Kleinen Zavel und dem Koningsplein fort. Auch diese Stätten werden von dem Archäologen-Team für mögliche Rettungsgrabungen genau überwacht“, so das Kabinett Persoons.
