Die Antwerpener Krankenhausgruppe ZAS verzeichnet einen alarmierenden Anstieg der Zahl der an Masern erkrankten Kinder. Die Krankheit kann tödlich verlaufen. „Dies ist auf eine immer niedrigere Impfrate bei Kindern in der Stadt Antwerpen zurückzuführen“, sagt der Kinder-Infektiologe Daan Van Brusselen.
Antwerpener Krankenhäuser warnen vor „beispiellosem“ Masernausbruch: „Die Impfrate wird immer niedriger"
In den letzten Wochen hat das Krankenhaus am Stroom (ZAS) bei 15 Kindern Masern diagnostiziert. 2 von ihnen wurden in die Intensivstation eingeliefert. Nach Angaben der Krankenhausgruppe sind die Masern auf dem Vormarsch. In den vergangenen 3 Monaten war die Zahl der Kinder mit Masern im ZAS bereits höher als im gesamten Jahr 2024. „Letzte Nacht wurden 4 Kinder mit Masern eingeliefert, so etwas haben wir noch nie erlebt“, sagt Daan Van Brusselen, pädiatrischer Infektiologe am ZAS und an der Universität von Antwerpen (UAntwerpen).
Von den 47 bestätigten Fällen von Masern in Flandern stammen 40 Prozent aus der Provinz Antwerpen. „Wir glauben, dass dies auf die sehr niedrige Durchimpfungsrate zurückzuführen ist. Wir wissen das, weil die Patienten, die wir im Zentrum Antwerpens sehen, kleine Kinder sind, die nicht ausreichend geschützt sind. Im übrigen Flandern betrifft es alle Altersgruppen.“ Aus diesem Grund betonen die Ärzte, wie wichtig es ist, dass Kinder geimpft werden.
Herdenschutz?
Man kann sich mit Masern anstecken, wenn man noch keine Masern hatte und wenn man nicht oder nur unvollständig gegen Masern geimpft wurde. Die, die zweimal geimpft wurden, sind nicht gefährdet. In Flandern wird allen Kindern im Alter von einem Jahr eine Masernimpfung und im Alter von 7 bis 9 Jahren eine Wiederholungsimpfung angeboten. Personen zwischen 30 und 45 Jahren wird empfohlen, ihren Impfstatus zu überprüfen. Diese Altersgruppe hat als Kind oft nur eine Impfung erhalten. Der Gruppenschutz ist von entscheidender Bedeutung, auch wenn hier der Schuh drückt.
„Wir sehen eine wachsende Gruppe von Kindern, die sich nicht gegen Masern impfen lassen oder die keine zweite Impfung erhalten“, sagt Van Brusselen:„Aber das ist gefährlich. Auf diese Weise können Masern in Kindergärten zirkulieren und die ganz Kleinen befallen, die noch zu jung für eine Impfung sind.“
Äußerst ansteckend und mitunter tödlich
„Masern sind sehr ansteckend“, warnt der Spezialist Van Brusselen: “Jeder Masernpatient steckt 12 bis 18 ungeimpfte Personen an.Im Vergleich dazu waren es bei Covid nur 1 bis 1,5.Masern sind so ziemlich die ansteckendste Krankheit, die wir kennen.
Die ersten Symptome von Masern sind hohes Fieber, Husten und rote, entzündete Augen. 3 bis 7 Tage nach dem Auftreten der ersten Symptome erscheint ein rauer Ausschlag hinter den Ohren und breitet sich über den Körper aus. Danach kann es zu Komplikationen wie Lungenentzündung, Durchfall oder sogar Hirnhautentzündung kommen.
Im schlimmsten Fall kann man an der Krankheit sterben, sogar in Belgien, so warnen die Antwerpener Ärzte: „Kürzlich starben in den Vereinigten Staaten zwei Kinder im Alter von 6 und 8 Jahren, die nicht geimpft waren. Wenn man das Pech hat, sich eine Hirnhautinfektion einzufangen, kann man auch neurologische Schäden davontragen.“
„Antwerpener, lasst euch gegen Masern impfen!": Bürgermeisterin Els Van Doesburg reagiert auf den Ausbruch von Masern in ihrer Stadt
Die Stadtverwaltung von Antwerpen ist besorgt über den Masernausbruch in der Stadt und ruft die Einwohner dazu auf, sich impfen zu lassen. „Wir werden gezielt Gruppen und Stadtteile ansprechen, die wir sonst nur schwer erreichen würden. Wir stellen fest, dass sich die Menschen dann auch impfen lassen“, sagte Bürgermeisterin Els Van Doesburg (N-VA) gegenüber VRT NWS.
Van Doesburg sagte weiter: „Wir stellen fest, dass die Impfrate in der Stadt sinkt. Dank der Nachbarschaftsteams und unserer Grundversorgungsdienste beobachten wir diesen Zustand genau.“ Nach dem Ausbruch der Krankheit will die Stadt mit allen Mitteln deutlich machen, dass eine Impfung notwendig ist. „Große Kampagnen funktionieren nicht. Wir setzen auf eine „knock-on“-Politik, speziell in bestimmten Vierteln oder bei Gruppen, die wir aus religiösen oder ideologischen Gründen nur schwer erreichen können.“
