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V1-Einschlag am Museum für Schöne Künste

80 Jahre nach der letzten V2-Bombe der Nazis: Die Spuren der deutschen V-Bomben in Flandern

Ende März war es genau 80 Jahre her, dass die letzte tödliche V2-Bombe in der Provinz Antwerpen fiel. Mit der V1 und der V2 wollten die Deutschen am Ende des Zweiten Weltkriegs den Hafen treffen, doch ihr Ziel war nicht genau festgelegt und wurde oft verfehlt - mit den entsprechenden Folgen für die Zivilbevölkerung. In der weiten Region wurden Tausende von Menschen in Dörfern und Städten weit weg von der Schelde getötet. 

Andreas Kockartz
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Die V1 und V2 waren „Vergeltungswaffen“ der deutschen Luftwaffe. Es handelte sich um unbemannte High-Tech-Flugzeuge (V1) und ballistische Raketen (V2) mit Sprengstoff. Mit ihnen wollten die Deutschen den Hafen von Antwerpen angreifen. Doch die Genauigkeit der Waffen ließ zu wünschen übrig.

Schäden nach V-Bomben in Antwerpen (Felixarchief)

Die tödlichen Verwüstungen, die eine Bombe auf das Kino Rex im Herzen Antwerpens anrichtete, sind Teil des kollektiven Gedächtnisses. Aber auch weit von der Stadt entfernte Dörfer und Familien wurden getroffen. Zwischen Oktober 1944 und März 1945 töteten deutsche Bomben täglich Menschen in der weiteren Region. „Antwerpen war am Ende des Zweiten Weltkriegs nach London das Hauptziel der Deutschen“, sagt der Historiker Pieter Serrien. Er dokumentiert seit Jahren alle Einschläge von deutschen V-Bomben in der Antwerpener Region.

„Ziel der Nazis war, ständig Terror zu verbreiten. ‚Jeden Tag Angst‘ ist nicht zufällig der Titel meines Buches über den Terror der V-Bomben in und um Antwerpen“, erzählte Serrien gegenüber VRT NWS. Die Auswirkungen und das Ausmaß der Bombenkampagne waren immens, so Serrien:„In ganz Belgien fielen 9.000 V-Bomben. Mehr als 8.000 Menschen wurden dabei getötet. Der materielle Schaden war oft enorm.“

V1, ausgestellt auf dem Groenplaats, Ende 1944, Anfang 1945

Vorläufer der Kriegsdrohne

Laut Serrien können die V-Bomben mit dem heutigen Einsatz von Drohnen an der Front in der Ukraine verglichen werden. Ziel war, Tod und Zerstörung aus der Ferne und ohne menschliche Anwesenheit zu verursachen: „Die V1 war eigentlich ein unbemanntes Flugzeug und wurde von einer Rampe aus gestartet. Im Inneren befand sich ein Kilometerzähler, der auf eine bestimmte Entfernung eingestellt war. Wenn der Zähler auf 0 stand, fiel die Bombe. Und das war dann 'in der Nähe' des Ziels.“

Start einer V2-Rakete

Die V1 wurde von den Einwohnern Antwerpens schnell als „die fliegende Bombe“ bezeichnet. Man konnte das Summen des Motors hören, bis er zu stottern begann und sich abschaltete. In diesem Moment wussten die Menschen auf dem Boden, dass die Bombe irgendwo in ihrer Nähe niedergehen würde.

„Eine V2-Bombe war viel ausgefeilter“, so Pieter Serrien: „Das war eine präzisere ballistische Rakete, die vom Norden der Niederlande aus gestartet wurde.In vier Minuten konnte eine solche V2-Bombe Antwerpen erreichen.“ 

Spürbare Narben

In Wintam (Bornem) forderte eine V1-Bombe am 8. März 1945 18 Menschenleben. Im Antwerpener Stadtteil Ekeren wurde der Kristus-Koningplein nach dem schweren Einschlag einer solchen Bombe erbaut. Der Hof, der dort davor stand, wurde derart schwer zerstört, dass man ihn nicht mehr aufbaute.

Die Kalmthoutse Heide wiederum beherbergte eine Batterie von Flugabwehrkanonen der Verteidiger von Antwerpen. Auf dem Gelände sind noch heute etwa 10 Krater von dort eingeschlagenen V1- und V2-Bomben zu sehen. Die Gruben sind heute mit Wasser gefüllt und erweisen sich als Segen für Fauna und Flora. Die Krater sind sogar tiefer als die Moore im Naturschutzgebiet. In den immer heißer werdenden Sommern finden die Tiere in den Bombenlöchern immer noch Wasser, während die Niedermoore ausgetrocknet sind.

In der Kalmthoutse Heide sorgen heute noch Bombetrichter aus dem Zweiten Weltkrieg für Tümpel, von denen Flora und Fauna profitieren

Letzte V-Bomben in Mortsel und Essen

Der letzte tödliche V2-Einschlag erfolgte am 8. März 1945 in Mortsel. Sie fiel auf einen Bunker, den die Nachbarschaft als Reaktion auf die US-Bombardierung von Mortsel am 5. April 1943 errichtet hatte. Mit 936 Toten war dies der schwerste Einschlag in Belgien während des Zweiten Weltkriegs. Wie jede Nacht gingen die Menschen dort in den Luftschutzkeller zum Schlafen. Wären sie damals einfach in ihren Häusern geblieben, hätten sie den Einschlag von Ende März 1945 überlebt. 18 Menschen wurden damals getötet... 

Am Samstag, dem 29. März 1945, fiel in Blokskenshoeve in Essen-Hoek, einem Weiler, der während des Krieges noch zu Kalmthout gehörte, die letzte V-Bombe in Belgien, die Todesopfer forderte. D as waren die britischen Soldaten Jim Wolstenholme und William Robert Hicks…

Am 16. Dezember 1944, fiel eine deutsche V2-Bombe auf das vollbesetzte „Cinema Rex“ in Antwerpen - Dabei kamen 567 auf einen Schlag ums Leben

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