Die Gewerkschaften ACV (christlich) und ABVV (sozialistisch) haben für heute/Montag zum Generalstreik gegen die Pläne der Regierung De Wever im Bereich Arbeit und Renten aufgerufen. Die liberale Gewerkschaft nimmt nicht daran teil, doch die Auswirkungen sind erheblich. Gestreikt wird in erster Linie gegen die Sozial- und Rentenpläne der Regierung um Premier De Wever (N-VA).
Generalstreik in Belgien: Sozialistische und christliche Gewerkschaft protestieren gegen die Sozial- und Rentenpläne der Regierung
Mobilität
Traditionell macht sich ein solcher Streik im öffentlichen Verkehr bemerkbar: bei der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB sowie bei den regionalen ÖPNV-Gesellschaften De Lijn (Flandern), MIVB/ STIB (Brüssel) und TEC (Wallonie) legt ein Teil des Personals die Arbeit nieder, was zu einem ausgedünnten Angebot an Fahrten führt.
Auch der Flugverkehr ist stark beeinträchtigt. Am Flughafen Brüssel wurden für diesen Montag alle abgehenden Passagierflüge und 60 % der ankommenden Flüge gestrichen. Der Flughafen Charleroi ist komplett geschlossen und alle Flüge wurden bereits im Vorfeld gestrichen. In Brüssel wird auch am Frachtflughafen Brucargo nicht gearbeitet.
Auch die Lotsen legen die Arbeit nieder, wodurch der Schiffsverkehr auf der Nordsee und an der Schelde gestört ist. Dutzende Frachtschiffe können weder ein-, noch auslaufen. Das betrifft die Seehäfen Gent, Antwerpen und Zeebrügge.
Da ein Großteil der belgischen Schleusen durch den Streik nicht funktioniert, hat der Generalstreik große Auswirkungen auf die Binnenschifffahrt. Die „Alle wichtigen Achsen sind blockiert“, heißt es von der Verwaltung der Wasserwege in Flandern. Der Albert-Kanal ist schon den ganzen Tag blockiert. Derzeit sind auch der Gent-Ostend-Kanal, der Brügge-Zeebrügge-Kanal, der Leuven-Dijle-Kanal, der Nieuwpoort-Plassendale-Kanal und der Brüssel-Schelde-See-Kanal blockiert. Probleme gibt es auch bei Evergem (Ringvaart Gent), an der Leie und der IJzer sowie in Zemst. Die einzigen Schleusen, die ordnungsgemäß funktionieren, sind Oberschelde und Lembeek.
Öffentlicher Dienst, Unterricht, Medien und Kultur
Der Streik macht sich auch in anderen öffentlichen Diensten bemerkbar. Der Verband der flämischen Städte und Gemeinden (VVSG) warnte vor minimalen Dienstleistungen bei der Müllabfuhr oder der Kinderbetreuung. Bei der Polizei und den Gefängnissen sowie bei der Post (bPost) wurden Streikankündigungen veröffentlicht, ebenso bei der Feuerwehr, z.B. in der Brüsseler Hauptstadtregion.
Im Unterrichtswesen soll etwa ein Fünftel der Lehrerinnen und Lehrer die Arbeit niederlegen. An verschiedenen Universitäten und Hochschulen streiken auch die Studierenden, denn sie sind der Ansicht, dass ihnen durch bestimmte Regierungsmaßnahmen Zukunftsmöglichkeiten im späteren Berufsleben genommen werden.
In unserem Haus, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk VRT in Flandern, werden Botschaften der Gewerkschaften vor den Nachrichtensendungen zu sehen und zu hören sein, aber die Programme werden nicht unterbrochen werden.
Der Kultursektor demonstrier am Muntplein in Brüssel und am Operaplein in Antwerpen. Im Non-Profit-Sektor sind hier und da kurze Arbeitsniederlegungen oder Informationsveranstaltungen geplant.
Privatwirtschaft
Ein Generalstreik hat auch Auswirkungen auf die Unternehmen. Überall im Land werden die Gewerkschaften Streikposten einrichten. Eine Reihe von Unternehmen wird an diesem Montag definitiv schließen, wie z.B. das Stahlunternehmen Aperam in Genk, ArcelorMittal in Gent oder das Nike-Vertriebszentrum in Laakdal. Andere Unternehmen werden sich für eine alternative Form des Protests entscheiden, wie z. B. das Verteilen von Kakteen beim Arzneimittelhersteller Febelco in Sint-Niklaas. Bei Volvo in Gent liegt die Produktion weitgehend still, bei Bosch in Tienen und bei Exxon Mobile im Antwerpener Hafen ebebfalls.
In zahlreichen KMU (Kleine- und Mittelständische Unternehmen) wird ebenfalls gestreikt. In Verviers in der Provinz Lüttich versuchte ein Autofahrer mit einem Pick-up einen Streilposten zu durchbrechen. Dabei wurden zwei Personen verletzt. Der Autofahrer flüchtete zu Fuß. Die Polizei fahndet nach diesem Mann.
Auch eine Reihe von Supermärkten wird geschlossen bleiben. Mitglieder der Angestelltengewerkschaften blockierten am Montagmorgen die Eingänge zu Geschäften und Warenhäusern in der Einkaufsmeile Nieuwstraat in Brüssel und auch in anderen Städten in Belgien finden solche Aktionen statt.
