Mehrere europäische Unternehmen haben ein Schreiben der US-Regierung erhalten, in dem sie gefragt werden, ob sie mit Antidiskriminierungsprogramme arbeiten. Wenn ja, könnte dies die Zusammenarbeit mit der US-Regierung beeinträchtigen, hieß es in diesem Schreiben. Die Minister Jambon (N-VA), Prévot (Les Engagés) und Beenders (Vooruit) weisen diesen Druck der USA zurück.
Belgiens Regierung weist US-Druck auf die Diversitätspolitik von Unternehmen zurück
Laut der französischen Zeitung Le Figaro bezieht sich das Dokument auf ein Dekret, das US-Präsident Donald Trump an seinem ersten Tag im Weißen Haus unterzeichnete (Foto oben). Damit wurden Programme zur Förderung der Chancengleichheit innerhalb der US-Bundesregierung gestoppt. Dieses Dekret, so heißt es in dem Schreiben, gelte „zwingend auch für alle Lieferanten und Dienstleister der US-Regierung“. Frankreich reagierte verärgert. Das französische Handelsministerium sprach von einer „inakzeptablen Einmischung der USA“ und versicherte, dass „Frankreich und Europa ihre Unternehmen und ihre Verbraucher aber auch ihre Werte verteidigen werden“.
Belgien reagiert abweisend
Diese Haltung wird nun auch von belgischen Politikern eingenommen. Belgien nahm über Außenministerium sofort Kontakt mit der US-Botschaft auf, um das Thema anzusprechen und um seine Besorgnis unmissverständlich zum Ausdruck zu bringen. „Wir haben eine Kultur der Nichtdiskriminierung in Europa und wir müssen sie fortsetzen“, sagte Bundesfinanzminister Jan Jambon (N-VA) am Sonntag im französischsprachigen Fernsehsender RTL-TVi: „Wir brauchen keine Lektionen vom Boss in Amerika.“
Außenminister Maxime Prévot (Les Engagés) bedauerte in einer Pressemitteilung, dass die USA, „ein Land, dessen Regierung historisch ein Vorreiter bei der Förderung gemeinsamer Werte wie der Vielfalt war“, jetzt einen Schritt zurück setze: „Vielfalt und Integration sind keine Schlagworte, sondern die Grundlagen einer starken und dynamischen Gesellschaft. Sie stärken unsere Wirtschaft, fördern die Innovation und lassen Talente aufblühen. Aber eines muss klar sein: Belgien wird keinen Schritt zurück gehen.“
Vielfalt ist keine Bedrohung, sondern ein wesentlicher Vorteil für Wirtschaftswachstum, Wettbewerbsfähigkeit und sozialen Zusammenhalt“
Rob Beenders, Belgiens Minister für Chancengleichheit
Belgiens Minister für Chancengleichheit, Rob Beenders (Vooruit), ergänzte gegenüber der flämischen Tageszeitung Het Laatste Nieuws, dass „Vielfalt, Gleichheit und Integration nicht nur grundlegende Werte sind, sondern auch entscheidende Komponenten für das erfolgreiche Funktionieren moderner Organisationen. Unternehmen, die sich die Vielfalt zu eigen machen, profitieren von mehr Kreativität, Innovation und einer besseren Verbindung zu ihren Kunden“.
Die belgische Bundesregierung setzt sich für Chancengleichheit für alle ein und das ist so im Koalitionsvertrag verankert: „Die Untergrabung von Inklusionsprogrammen schadet nicht nur den Unternehmen selbst, sondern auch der breiteren Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten. Vielfalt ist keine Bedrohung, sondern ein wesentlicher Vorteil für Wirtschaftswachstum, Wettbewerbsfähigkeit und sozialen Zusammenhalt.“
