Pino Guarraci (69), der bekannte blinde Musiker und Produzent aus Genk, geht in den Ruhestand und verabschiedet sich von seinem Tonstudio Crescendo. Dies ist eines der besten und größten Aufnahmestudios in Belgien und genießt bis heute internationalen Ruhm. Guarraci begann seine professionelle Musikkarriere in den 1970er Jahren mit der Rockgruppe Clown. Seit seiner Kindheit träumte er davon, ein eigenes Aufnahmestudio zu leiten.
Blinder Tonmeister: Pino Guarraci verkauft das legendäre Studio Crescendo in Genk
„Ich habe mich schon immer für Musik interessiert. Im Haus meiner Eltern haben wir dann eine Garage zu einem kleinen Studio umgebaut und ich habe mit begrenzter Ausrüstung angefangen. Das hat wirklich gut funktioniert und dann habe ich beschlossen, dieses Studio zu bauen“, erzählte Guarraci stolz gegenüber dem VRT-Sender Radio 2.
Pino eröffnete das Studio Crescendo 1992 in der Torenlaan in Zwartberg, einer Gemeinde von Genk in Limburg. Im Laufe der Jahre sind dort viele große Künstler vorbeigekommen. „Toots Thielemans, Jo Lemaire, Johan Verminnen, Stef Bos, Rocco Granata, Belle Perez, die amerikanischen Breckers Brothers und viele mehr. Es sind fast zu viele, um sie alle aufzuzählen“, lacht Pino.
Aufgrund seiner Sehbehinderung musiziert Pino hauptsächlich mit den Ohren. „Mein Gehör ist besser entwickelt als das anderer. So kann ich jedes Detail in der Musik hören“, erklärt er. Er entwickelte auch eine Braille-Technologie für sein Studio, die später sogar von Stevie Wonder übernommen wurde.
Eines der besten und größten Aufnahmestudios in Belgien
Das Studio Crescendo ist als eines der besten und größten Aufnahmestudios in Belgien bekannt und genießt internationales Renommee. Pino ist auch heute noch jeden Tag in der Cafeteria seines Studios anzutreffen: „Dieser Ort bedeutet mir sehr viel. Hier haben wir unsere Kunden empfangen und konnten wir uns zwischen den Aufnahmen ein wenig entspannen. Ich komme immer noch jeden Tag hierher, um meinen Kaffee zu trinken. Es ist mein Lieblingsplatz im ganzen Studio.“
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Aber alle großen Lieder haben ein Ende, auch für Pino. Nach einer Karriere von mehr als 40 Jahren beschoss er jetzt, das Studio zu verkaufen. „Ich gehe auf die 70 zu und habe das Gefühl, dass es an der Zeit ist, sich zurückzuziehen. Natürlich werde ich es vermissen. Ich habe hier viel Spaß gehabt. Wir hatten hier großartige Momente und vor allem haben wir hier schöne Aufnahmen gemacht. Auch die Dankbarkeit der Kunden werde ich nie vergessen. Ich werde jetzt meinen Ruhestand genießen. Ich werde noch viel unternehmen: In Urlaub fahren, mich amüsieren und Bier trinken“, sagt er mit einem breiten Lächeln.
Flügel an die Stadt Genk verkauft
Die zahlreichen Instrumente von Pino werden jetzt eingelagert und der gesamte Raum seines Ateliers wird geräumt. Sein Flügel befindet sich seit kurzem in der Bibliothek von Genk. Er ging Anfang dieses Jahres in den Besitz der Stadt Genk über und erhielt dort einen Ehrenplatz in. „Ich bin erleichtert, dass der Flügel in Genk bleiben kann“, sagt Pino: „Dieses Instrument ist emotional sehr wichtig für mich. Viele berühmte Musiker haben auf ihm gespielt. Deshalb bin ich froh, dass die Stadt Genk das Klavier gekauft hat. Es ist mein Baby. Ich werde es noch oft besuchen, um selbst darauf zu spielen.“
