Im Museum Kaserne Dossin in Mechelen ist ab dieser Woche die neue Wechselausstellung „Sport und Sportler im KL Auschwitz“ zu sehen. Sport wurde im Konzentrationslager eingeführt, um Disziplin zu erzwingen. Anhand von Fotos, Briefen und Zeitzeugenberichten werden die Geschichten der Deportierten erzählt.
Folter und Unterhaltung für die Nazis: Ausstellung in der Kaserne Dossin über Sport in Auschwitz
Sport ist nicht das Erste, woran man bei einem nationalsozialistischen Konzentrationslager denkt. „Dennoch spielte Sport eine äußerst wichtige Rolle in den Konzentrationslagern“, erklärt Tomas Baum, Direktor der Kaserne Dossin. „Mit dieser Ausstellung möchten wir das Leben der deportierten Sportler würdigen, aber auch die Geschichte von Auschwitz selbst erzählen.“
Die Ausstellung, die derzeit in Mechelen zu sehen ist, wurde vom Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau konzipiert und um einige belgische Aspekte ergänzt. Sie beleuchtet ein wenig bekanntes Kapitel der Lagergeschichte. „Sport und Sportler im KL Auschwitz“ zeigt die tragische Realität, betont aber auch die unglaubliche Stärke, Kreativität und den Durchhaltewillen der Deportierten.
Folter und Flucht aus der Realität
Sport wurde von den Lageraufsehern in erster Linie als Mittel zur Disziplinierung und Bestrafung eingesetzt. Häftlinge mussten oft stundenlang bestimmte Übungen absolvieren, kombiniert mit Drills und Gesang – eine Tortur.
Gleichzeitig bot Sport aber auch eine Möglichkeit, der grausamen Realität zu entkommen. „Die Gefangenen hielten ihren Körper stark“, erklärt Andrzej Kacorzyk, stellvertretender Direktor des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau. „Diese Ausstellung zeigt, wie Menschen durch Sport überleben konnten.“
Die SS organisierte Wettkämpfe zwischen bekannten Sportlern im Lager
Adriaan Baccaert, Koordinator der Ausstellung
In Auschwitz wurde Fußball gespielt, geschwommen, geboxt, Schach gespielt und gerungen. Es gab auch Wettkämpfe. „Doch sie waren nur einer privilegierten Gruppe vorbehalten“, sagt Adriaan Baccaert, Koordinator der Ausstellung.
„Für 99 Prozent der Häftlinge war Sport keine Option. Doch unter den SS-Offizieren im Lager gab es Sportliebhaber. Im Lager befanden sich Menschen aus ganz Europa, darunter auch berühmte Athleten – sogar Olympiasieger. Sie mussten gegeneinander antreten, oft im Austausch für eine zusätzliche Essensration.“
Fußballspieler aus Antwerpen
Die Ausstellung enthält Zeugnisse von Gefangenen aus ganz Europa. „Wir haben einige Geschichten hinzugefügt, die ihren Ursprung in der Kaserne Dossin während des Zweiten Weltkriegs haben“, erklärt Baccaert. Mehr als 25.000 Menschen wurden dort inhaftiert, bevor sie nach Auschwitz deportiert wurden – darunter auch zahlreiche Sportler. Ein Beispiel ist der Fußballer Sam Meljado, der für den Verein Beerschot (Antwerpen) spielte.
Die Ausstellung ist bis zum 10. Dezember zu sehen. Mehr Infos finden Sie auf der Website von Kaserne Dossin .
