Die Hälfte der Anwohner des 3M-Werks in Zwijndrecht hat erhöhte Konzentrationen von PFAS im Blut. Dies geht aus Blutproben von fast 9.000 Menschen hervor, die in einem Umkreis von 5 km um das Chemiewerk des US-Konzerns leben. PFAS sind Chemikalien, die in der Industrie verwendet werden. Die flämische Landesgesundheitsbehörde stellte die Ergebnisse der Untersuchung jetzt vor.
Antwerpen: Anwohner rund um die 3M-Chemiefabrik in Zwijndrecht haben immer noch hohe PFAS-Werte im Blut
Jeder zweite untersuchte Erwachsene hat erhöhte PFAS-Konzentrationen im Blut- vor allem vom in Zwijndrecht häufig gefundenen PFOS, eine PFAS-Unterart. Bei Kindern betrifft das jedes Fünfte. Die, die näher am 3M-Werk wohnen, haben im Durchschnitt mehr PFAS im Blut als die, die etwas weiter weg davon wohnen.
Menschen mit hohen PFAS-Werten können häufiger anBeschwerden an der Schilddrüse oder der Leber leiden. Die Pflege- und Gesundheitsbehörde als flämische Landeseinrichtung hält die Werte für zu hoch und ist besorgt, will aber nicht dramatisieren.
Immerhin seien die europäischen Normen für PFAS sehr streng. Es seien jedoch weitere Untersuchungen erforderlich, so die Ansicht der Wissenschaftler. Die bereits ergriffenen Maßnahmen und Empfehlungen bleiben bestehen: Keine Eier aus der Region essen, öfter die Hände waschen und Kinder nicht auf unbedecktem Boden spielen lassen…
PFAS/PFOS - Was ist das?
Perfluoroctansulfon-Säure (Anion Perfluoroctansulfonat oder kurz PFOS) ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS). Das Produkt wurde hauptsächlich dazu verwendet, um Materialien wie Textilien, Teppiche und Papier fett-, öl- und wasserfest zu imprägnieren.
Daneben wurde es bei der Verchromung, für die Imprägnierung von Kochgeräten (z.B. Pfannen), in der Analogfotografie, in älteren Feuerlöschschäumen (AFFF), in Kosmetikprodukten und in Hydraulikflüssigkeiten für die Luft- und Raumfahrt verwendet.
Das EU-Parlament hat im Oktober 2006 beschlossen, die Verwendung von PFOS auf wenige Einsatzbereiche einzuschränken. Im Stockholmer Übereinkommen wurde 2009 entschieden, PFOS in die Konvention für eingeschränkte Stoffe aufzunehmen. Das größte Problem mit diesem Produkt ist die Tatsache, dass es sich nicht auf natürliche Weise abbaut - was für alle PFAS-Stoffe gilt (das sind sognannte „forever chemicals“).
Das bedeutet, dass sich mehr und mehr PFOS bzw. PFAS in der Umwelt und in den Wasserläufen befindet. PFAS gibt es in der Chemie in rund 6.000 verschiedenen Formen und Verbindungen.
