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Sabotage und Spionage: Wie sich VRT NWS undercover in pro-russischer Chatgruppe „rekrutieren“ ließ

Pro-russische Gruppen werben auch in Belgien Leute an, die Informationen liefern, Fakenews verbreiten oder Cyberattacken durchführen sollen. Solche Leute werden zumeist online angeworben, z.B. über Chatgruppen. Der Lohn für solche Aktionen? Krypto-Münzen. VRT NWS ließ sich anwerben und arbeitete dafür mit einer Recherchegruppe aus europäischen Medien zusammen.

Andreas Kockartz
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Ein Kollege aus der VRT NWS-Redaktion ist bereits seit einigen Monaten Mitglied einer pro-russischen Chatgruppe im sozialen Netzwerk Telegram. Vor einiger Zeit findet er diesen Aufruf: „Sammle die Mailadressen von 30 belgischen Journalisten.“ 

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Inzwischen gehört er undercover zu einer pro-russischen Hackergruppe mit rund 8.000 Mitgliedern. Das ist die Gruppe, die im Vorfeld der Kommunalwahlen in Belgien Webseiten von mehreren Gemeinden und Behörden lahmlegte. Diese Gruppe hat in erster Linie Partner und Unterstützer der Ukraine im Visier. 

Unser Kollege hat sich darin als pro-russischer Brüsseler mit nur bedingten digitalen Fähigkeiten vorgestellt. In einer Art Bewerbungsrunde wurde er zu seinen Ansichten gegenüber Russland befragt und bekam rasch seinen ersten Auftrag: „Klebe 10 Sticker im Europaviertel in Brüssel.“

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Er soll Aufkleber mit dem Spruch „Fuck NATO“ anbringen, was ihm 50 Dollar in einer Kryptowährung einbringen soll. Die Sticker werden in einem vorher abgesprochenen Briefkasten angelegt und der Absender weist auf ein chinesisches Unternehmen hin, das Aufkleber vertreibt. Obschon er die Sticker nicht klebt, folgen weitere Aufträge.

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Das war noch Harmlos…

Die Aufträge, die unser VRT NWS-Kollege bekam oder erkennen konnte, scheinen Harmlos. Doch einige Beispiele aus anderen EU-Ländern zeigen, dass hier auch Leute für weitaus heftigere Aufträge rekrutiert wurden und werden. 

Anfang 2024 wurden einem Ukrainer 4.000 Dollar versprochen, wenn er eine Fabrik in Polen in Brand steckt und in Deutschland wurde Bauschaum in den Auspuff von rund 200 Autos gesprüht. In Litauen wurde jemand gesucht, der eine Trinkwasser-Kläranlage sabotieren soll, mit Video als Sabotageanleitung… 

Die belgische Staatssicherheit und auch die NATO beobachten diese und andere Chatgruppen und pro-russische Hackergruppen nicht erst seit gestern und sie warnen eindringlich davor, obschon ihre Arbeit kaum nennenswerte Ergebnisse bringen.

„Die Aufträge gehen an Freelancer oder an kriminelle Vereinigungen und gehen von Sammlung von Informationen über Propaganda bis hin zu militärischer Beobachtung oder Sabotage. Sie wecken den Eindruck, dass sie überall aktiv sein können, während ihre Aktivitäten selten wirklich nachvollziehbar sind“, heißt es dazu. 

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Solche Sticker sind an vielen Stellen in Brüssel zu finden

Gefährlich

Der belgische militärische Nachrichtendienst (ADIV) macht sich Sorgen: „Die Leute wissen eigentlich überhaupt nicht, wer ihre Auftraggeber sind und warum sie gebeten werden, bestimmte Taten und Aktionen durchzuführen.“ Die Menschen brauchen ein Bewusstsein dazu, was das bedeutet, so der ADIV: „Es muss innerhalb der Bevölkerung  dagegen gewehrt werden. Die Leute müssen vorsichtig sein.“

Diese Untersuchung wurde mit der EBU-Gruppe „Investigative Journalist Network“ durchgeführt und daran waren die europäischen Rundfunkanstalten LRT (Litauen), Yle (Finnland), ERR (Estland), LTV (Lettland), SVT (Schweden), KRO-NCRV (Niederlande), RTVE (Spanien) und VRT (Belgien/Flandern) beteiligt.  

EU und NATO reagieren auf VRT NWS-Untersuchung: „Das Ende des Krieges in der Ukraine wird den hybriden Krieg nicht beenden"

„Ich bin absolut überzeugt, dass es auch nach dem Ende des Krieges in der Ukraine weiterhin hybride Angriffe geben wird“, sagte NATO-Vize James Appathurai in einem Interview mit VRT NWS. Auch die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas antwortet auf unsere Untersuchung: „Was wir sehen, ist staatlich gelenkter Terrorismus.“

Appathurai ist stellvertretender NATO-Generalsekretär für Innovation, Hybrid und Cyber. Er reagierte auf die Recherchen von VRT NWS: „Ich denke, es ist wichtig zu verstehen, wie die Russen das sehen“, sagte er: „Hybride Kriegsführung ist die Art und Weise, wie sie Krieg führen. Der militärische Bereich ist nur ein Teil davon. Außerdem haben sie viele dieser Aktivitäten schon vor dem Krieg in der Ukraine durchgeführt“, so Appathurai: “Sie werden auch danach weitergehen.“

Kaja Kallas, die EU-Außenbeauftragte, reagierte ebenfalls auf die Untersuchung von VRT NWS: „Das ist der Krieg, der im Verborgenen stattfindet. Und natürlich verwenden wir den Begriff 'hybride Bedrohungen'. (...) Aber auf diese Weise wirkt es, als sei es etwas Weiches und Nettes. Wir sollten aber sagen, was es wirklich ist. Es handelt sich um staatlich geförderten Terrorismus, den Russland und der Iran gegen Europa verüben.“

„Russland will uns wirklich glauben machen, dass sie auf der starken Seite stehen und wir der schwächere Partner sind“, fuhr Kallas fort: “Wir sind ganz sicher nicht schwach, denn wir haben viele Freunde und Partner auf der ganzen Welt und wir arbeiten zusammen. Wir sind immer stark, wenn es um unsere Wirtschaft geht. Also sollten wir diese Stärke nutzen und nicht auf russische Geschichten hereinfallen.“

James Appathurai (Nato) und Kaja Kallas (EU)

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