Zum Hauptinhalt springen
Virologe Steven Van Gucht

5 Jahre nach Corona - Virologe Steven Van Gucht: „Belgien ist besser vorbereitet“

Der Virologe Steven Van Gucht (Foto) beriet die Politik bei den Lockdowns nicht zuletzt als Leiter der staatlichen wissenschaftlichen Gesundheitsbehörde Sciensano. Fünf Jahre danach erinnerte er sich gegenüber der Brüsseler Nachrichtenplattform BRUZZ an die Geschehnisse von damals: „Der erste Covid-Tote war eine sehr alte Dame aus Brüssel. Das konnte auch bei einer normalen Grippe passieren, so dass ich mir erst richtig Sorgen machte, als die Krankenhäuser junge, sportliche Patienten sahen, die um Sauerstoff rangen.“

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

„Covid war viel mehr als eine Pandemie. Aufgrund der Dauer und der großen Auswirkungen waren alle Bereiche und sozialen Schichten der Gesellschaft betroffen. Besonders in Brüssel war die Kommunikation entscheidend. Wie kann eine Regierung eine vielfältige Bevölkerung mit einer klaren, einheitlichen Botschaft erreichen? Und zwar so, dass die Menschen ihr vertrauen? Die Kommunikation der Regierung ist per Definition langweilig und punktuell, während die Desinformation in den sozialen Medien ständig schwankt. Brüssel hat erfolgreich Vertraute in den Vierteln gefunden, aber man muss dieses Netzwerk auch in ‚Friedenszeiten‘ aufrechterhalten.“

Der Jo-Jo-Effekt von verschärften und gelockerten Maßnahmen gab den Menschen das Gefühl, dass kein Ende in Sicht war. Die Politiker hatten nicht viele Alternativen, außer die Menschen aufzufordern, ihre Kontakte einzuschränken, so Van Gucht bei BRUZZ: „Im Nachhinein gab es viel Kritik, aber ich habe selten eine praktikable Alternative gehört. Ich glaube, wir haben sehr wenig gelernt, denn in den öffentlichen Verkehrsmitteln sieht man kaum noch jemanden mit einer Maske.“

Covid war weit mehr als eine Pandemie. Aufgrund der Dauer und der starken Auswirkungen waren alle Bereiche und sozialen Schichten der Gesellschaft betroffen“

Virologe Steven Van Gucht

Heute macht sich der Virologe keine großen Sorgen mehr, denn Belgien zeigt sich mittlerweile gewappnet: „Eine Pandemie ist immer schmerzhaft, aber Belgien ist heute mit Plänen und Vorräten besser vorbereitet. Wir müssen definitiv besser über die Sterbephase nachdenken. Palliativpatienten, die allein gestorben sind, oder abgesagte Beerdigungen, das können wir nicht wiedergutmachen. Ich würde nie wieder Parks oder Spielplätze schließen oder Mundschutz im Freien vorschreiben.“

„Nur sind wir nicht gut darin, uns an Pandemien zu erinnern. Die Spanische Grippe hat 30 Millionen Menschen getötet, mehr als der Erste Weltkrieg und trotzdem findet man nirgends ein Denkmal, das daran erinnert. Anthropologen nennen das Pandemie-Amnesie. Ich selbst möchte an die enorme Solidarität und Widerstandsfähigkeit junger Menschen erinnern.“

Lesen Sie mehr über

Meistgelesen

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5