Ab dem nächsten Studienjahr in Belgien (Herbst 2025) werden die angehenden Ärztinnen und Ärzte an den Unis besser auf den Umgang mit Kriegsopfern vorbereitet sein. „Natürlich hoffe ich, dass es nie so weit kommt, aber wir dürfen auch nicht den Kopf in den Sand stecken“, sagte Piet Hoebeke, Dekan der Fakultät für Medizin und Gesundheitswissenschaften an der Universität von Gent (UGent), gegenüber der britischen Tageszeitung The Guardian.
Belgiens Universitäten bereiten Medizinstudenten auf Kriegssituationen vor: „Wir können den Kopf nicht in den Sand stecken"
Bessere Vorbereitung der Studierenden im Gesundheitswesen auf potenzielle Konfliktsituationen: Das ist ein Appell der Bundesministerien für Verteidigung und Gesundheit an die Universitäten in Belgien. Die Dekane der flämischen medizinischen Fakultäten sind bereits dabei, diesen Appell zu beherzigen. „Für eine widerstandsfähige Bevölkerung brauchen wir sowohl das Gesundheitswesen als auch das Militär. Wir wollen sicherstellen, dass die Studierenden wissen, was schief gehen kann und wie man am besten darauf reagiert“, sagt Piet Hoebeke, Dekan der Fakultät für Medizin und Gesundheitswissenschaften in UGent in The Guardian.
Auf Kriegsverletzungen vorbereiten
Konkret wird eine Expertengruppe mehr militärische Aspekte in die medizinische Ausbildung integrieren. Dies könnte zum Beispiel von einem Wahlfach bis hin zu einem zusätzlichen Masterstudiengang reichen. Das Thema Resilienz kann auch in anderen Ausbildungsgängen behandelt werden, zum Beispiel bei Physiotherapeuten oder Krankenschwestern. Die Anpassungen in der Ausbildung werden im nächsten Jahr beginnen. „Wir können nicht lange darauf warten. Wenn wir jetzt anfangen, werden wir das Ergebnis erst in sechs Jahren sehen, wenn die angehenden Ärztinnen und Ärzte ihren Abschluss gemacht haben“, ergänzt Filip Lardon, Dekan an der Fakultät für Medizin und Gesundheitswissenschaften an der Universität Antwerpen (UAntwerpen) gegenüber VRT NWS.
„Krieg ist eine ganz besondere Situation, die viel mehr Fachwissen in Bereichen wie Traumamedizin, Notfallmedizin und orthopädische Chirurgie erfordert. Natürlich haben wir in diesen Bereichen bereits sehr gut ausgebildete Ärzte, aber das Handeln in Konfliktsituationen ist von einem anderen Kaliber und erfordert zusätzliche Erklärungen für die Studierenden“, so Professor Lardon.
Die Verteilung von Patienten in einem kollektiven Trauma, der Transport von Verwundeten, die Versorgung von Schusswunden... all diese Dinge müssen wir bedenken“
Piet Hoebeke, Dekan der Medizinischen Fakultät UGent
„Die Studierenden sind - um es klar zu sagen - schon jetzt gut zu verschiedenen Arten von Katastrophen ausgebildet, aber wir wollen die Militärmedizin eindeutig vereinheitlichen“, sagte Dekan Hoebeke beim Guardian: „Wir wollen alles andere als Panik erzeugen, aber gleichzeitig dürfen wir nicht den Kopf in den Sand stecken.“ Das 21. Jahrhundert bringt neue Möglichkeiten der Kriegsführung mit sich. Man denke nur an neue Technologien oder biologische Waffen. Auch dem tragen die Experten Rechnung.
„Gerade in der Ukraine gibt es viele Erfahrungen mit Kriegsverletzungen“, so Professor Hoebeke weiter: „Die Wunden nach einem Drohnenangriff sind völlig anders als die Traumata, die wir aus dem Zweiten Weltkrieg kennen. Aus dieser militärischen Perspektive kann also noch viel Wissen übertragen werden. Heute müssen wir auch mit biologischen, chemischen und bakteriellen Katastrophen rechnen. Mediziner müssen auf all diese Situationen vorbereitet werden…“
