Die flämischen Unternehmen sind sehr besorgt über die geopolitischen Spannungen und das wirtschaftliche Klima. Dies geht aus einer Umfrage des Arbeitgeberverbands Voka hervor. Viele Unternehmen sind der Meinung, dass Belgien kein interessantes Land mehr ist, um Geschäfte zu machen und zu investieren.
Trumps Zölle und hohe Energiepreise bereiten flämischen Unternehmern Sorgen
Für flämische Unternehmen, die in die Vereinigten Staaten exportieren, gab es gestern Abend eine schlechte Nachricht. US-Präsident Donald Trump kündigte an, er werde „sehr bald“ einen „allgemeinen“ Einfuhrzoll von 25 % auf europäische Waren erheben. Zuvor hatte er bereits die gleichen Zölle auf Stahl und Aluminium angekündigt. Einzelheiten zu den neuen Einfuhrzöllen sind noch nicht bekannt.
Bis zu 12 Mia. € Aufwand durch US-Zölle?
Laut dem Arbeitgeberverband Voka drohen die neuen Zölle flämische Unternehmen 6 bis 12 Mia. € pro Jahr zu kosten. „Vor allem die Pharma- und Chemiebranche wird einen Rückgang ihres Absatzmarktes erleben. Die Produkte, die sie exportieren wollen, werden um ein Viertel teurer und das bedeutet, dass amerikanische Unternehmen sie nicht mehr kaufen wollen“, sagt Hans Maertens, der Geschäftsführer von Voka dazu gegenüber VRT NWS.
Die Hälfte der Unternehmen erwartet eine geringere Nachfrage
Trumps Ankündigung schürt die Unsicherheit unter den Unternehmern. Und die ist bereits sehr hoch. Das geht aus einer Umfrage von Voka unter 750 flämischen Unternehmen hervor. 2 von 3 Unternehmen geben an, dass sie das Wirtschaftsklima negativ bis sehr negativ einschätzen. Geopolitische Spannungen und Ungewissheit sind eine der Hauptursachen für diesen Pessimismus. Die Unternehmen müssen ihre internationale Strategie überdenken, was Investitionsentscheidungen erschwert, heißt es.
Die internationale Unsicherheit setzt die Unternehmen unter Druck. Sind sie resistent gegen die sich schnell entwickelnde geopolitische Lage?
Hans Maertens, Voka-CEO
„Die internationale Unsicherheit übt auch Druck auf die Unternehmen aus. Können ihre Strategien der sich schnell entwickelnden geopolitischen Lage standhalten? Die Unternehmen müssen wachsam und beweglich sein. Auch von unseren Regierungen erwarten wir große Wachsamkeit und Beweglichkeit. Unsere Unternehmen setzen auf Schutz und Weitsicht“, so Voka-CEO Maertens weiter.
Auch das wirtschaftliche Klima in Belgien bereitet den Unternehmern Sorgen. Die Hälfte der Unternehmen stellt derzeit eine Auftragslage fest, die unter dem normalen Niveau liegt und die Zahl der Unternehmen, die eine Umstrukturierung in Erwägung ziehen, nimmt laut Umfrage zu.
Weniger Investitionen - wenig Hoffnung auf Besserung
Die Unternehmen geben an, dass Belgien als Investitionsstandort immer uninteressanter wird. Vor allem bei den so genannten energieintensiven Unternehmen, zum Beispiel in der Stahl- und Chemiebranche, wachsen die Zweifel. Nur ein Viertel der energieintensiven Unternehmen hält Belgien noch für ein interessantes Land, um Geschäfte zu machen und zu investieren.
Besonders hier ansässige internationale Konzerne scheinen sich zurückzuziehen bzw. erwägen dies. Jedes dritte hier anwesende internationale Unternehmen hält Belgien nicht mehr als Investitionsstandort interessant. Erst am Mittwoch hat der Stahlriese ArcelorMittal signalisiert, dass ohne konkrete Maßnahmen der EU eine angekündigte Großinvestition in seinem Werk in Gent nicht durchgeführt werden kann.
Die Unternehmer sehen kurzfristig kaum eine Verbesserung. Die Hälfte von ihnen glaubt, dass sich die Situation im kommenden Jahr verschlechtern wird. „Unsere Unternehmen haben Monat für Monat zu kämpfen“, so Maertens abschließend. Er appelliert an die belgische Bundesregierung, sie zu unterstützen: „Alle Regierungen, die europäische, die föderale und die flämische, müssen jetzt ihre Kräfte bündeln und Maßnahmen ergreifen, um unsere Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität kurzfristig wiederherzustellen.“
