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Inland
Politik

Wäre das Audi-Gelände in Brüssel ein geeigneter Standort für eine Rüstungsfabrik?

Der neue belgische Verteidigungsminister Theo Francken (N-VA, Foto) hat letzte Woche die Idee lanciert, das Audi-Werksgelände im Brüsseler Stadtteil Vorst in eine Rüstungsfabrik umzuwandeln. Der Militärexperte Wally Struys begrüßte den Vorschlag gegenüber der Brüsseler Nachrichtenplattform BRUZZ: „Es gibt noch viele Fragezeichen, aber Bedarf ist zumindest da.“

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Bundesverteidigungsminister Theo Francken (N-VA) scheint es ernst zu meinen mit seinem Vorschlag, den Audi-Standort in Vorst, der Ende Februar geschlossen wird, in eine Rüstungsfabrik umzuwandeln. Gegenüber der frankophonen Tageszeitung „La Dernière Heure“ lancierte er diese Idee vor einigen Tagen: „Wir müssen dort Munition und andere Dinge produzieren. Alles, was für diese Produktion notwendig ist, ist auf dem Audi-Gelände vorhanden. Ich werde mich mit diesem Dossier befassen.“

Der Zeitpunkt des Vorschlags ist nicht zufällig gewählt. Angesichts des bevorstehenden Aus von Audi in Brüssel muss die Zukunft des Standorts früher oder später Gestalt annehmen. Außerdem plant die neue belgische Bundesregierung umfangreiche Investitionen in die Verteidigung: Von neuer Ausrüstung über mehr Betriebsmittel bis hin zu zusätzlichem Personal.

Nicht zuletzt ist auch die aktuelle geopolitische Lage bekannt. Erst diese Woche haben dänische Nachrichtendienste enthüllt, dass das russische Militär eine so ausgeprägte Kriegswirtschaft betreibt, dass es in der Lage wäre, in fünf Jahren einen NATO-Mitgliedstaat anzugreifen. Diese Bedrohung hängt allerdings nicht zuletzt vom Verlauf des Krieges in der Ukraine ab.

Wir müssen dringend europäischer denken“

Wally Struys, emeritierter Professor an der Königlichen Militärakademie

Für Wally Struys, emeritierter Professor an der Königlichen Militärakademie in Brüssel, besteht kein Zweifel daran, dass Belgien Ressourcen in die Verteidigung investieren muss. „Wir haben viel zu lange gezögert“, sagt er gegenüber BRUZZ: „Russland befindet sich tatsächlich in einer Kriegswirtschaft. Die russische Aggression hat seit den späten 1990er Jahren stetig zugenommen. In unserem Land dagegen entfallen 1,78 % der Staatsausgaben auf die Verteidigung.“ Franckens Idee passt also in die Investitionslogik der neuen belgischen Regierung. „Das ist positiv, denn wir haben mit einem Mangel an Produktionskapazitäten zu kämpfen - überall in Europa“, weiß Struys. 

Die europäische Verbindung spielt übrigens eine Hauptrolle in den Äußerungen des Militärexperten und auch des Verteidigungsministers. Francken besuchte u.a. die Münchner Sicherheitskonferenz, wo er, wie er sagt, seine Idee mit „einigen der weltbesten Führungskräfte und Unternehmern der Verteidigungsindustrie“ geteilt habe.

Struys hört das gerne. „Eine neue Rüstungsfabrik auf belgischem Boden klingt gut, aber man muss vor allem dafür sorgen, dass man auf europäischer Ebene gemeinsam produziert und so die Kosten senkt. Diese Zusammenarbeit ist wichtig, man muss Ausrüstungen schaffen, die innerhalb der logistischen Lieferketten größerer Unternehmen geliefert werden können, die sie dann überall in Umlauf bringen können“, sagt der Verteidigungsexperte: „Wir denken immer noch zu souverän über Verteidigung nach. Wir müssen dringend europäischer denken.“ 

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