Bahnpendler in Belgien müssen seit Freitagabend um 22 Uhr mit zum Teil großen Problemen rechnen. Dann begann ein mehrtägiger Streik einiger Eisenbahnergewerkschaften, der sich gegen die Sozial- und Rentenpläne der neuen belgischen Bundesregierung richtet bzw. gegen einige Vorhaben bei der Bahn. Womit ist zu rechnen?
Seit Freitagabend läuft der 9 Tage lange Bahnstreik in Belgien - Auswirkungen auf internationale Verbindungen
Die belgische Eisenbahngesellschaft NMBS/SNCB wird täglich einen Tag im Voraus auf ihrer Webseite oder ihrer App veröffentlichen, welche Züge fahren. Dabei rechnet die Bahn mit den Mitarbeitern, die sich nicht an den Streiks beteiligen. Und die streikenden Gewerkschaften (OVS und ASTB) arbeiten mit sich abwechselnden Mitgliedern.
Am Samstag rechnet die NMBS damit, dass etwa 3 von 5 Zügen auf dem belgischen Netz fahren werden. Die beiden kleinen und unabhängigen Eisenbahner- und Lokführergewerkschaften OVS und ASTB streiken „rotierend“ von Freitagabend, 22 Uhr, bis Sonntag, 2. März, 22 Uhr (Verlängerung bis Ende März durchaus möglich).
Damit nicht genug: Die großen Bahngewerkschaften ACOD Spoor (sozialistisch) und ACV Transcom (christlich) stehen hinter dem großen Streik, der am 31. März stattfindet und planen zudem wechselnde Streiktage bis… Juli.
Störung des internationalen Bahn- bzw. Hochgeschwindigkeitsverkehrs
Der neuntägige Streik betrifft auch den internationalen Zugverkehr. Am stärksten betroffen ist der Eurocity Direct zwischen Brüssel und der niederländischen Hauptstadt Amsterdam, der während des gesamten Zeitraums in Belgien nicht verkehren wird. Der langsamere EuroCity zwischen Brüssel und Rotterdam wird fahren, aber vier der 16 täglichen Hin- und Rückverbindungen wurden gestrichen.
Was die Hochgeschwindigkeitszüge betrifft, so werden am Sonntag zwei ICE-Verbindungen (zweimal Brüssel-Köln-Frankfurt und zurück) gestrichen.
Auch der Eurostar wird am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag betroffen sein, wobei jeweils sechs Züge zwischen Brüssel und Paris ausfallen. „An anderen Tagen und auf anderen Strecken (z.B. nach Dortmund, London oder Amsterdam) gibt es derzeit keine Auswirkungen“, heißt es bei Eurost
Warum wird gestreikt?
Hauptgrund für den Streik sind die Pläne der Regierung, das Rentenalter auf 67 Jahre zu erhöhen. Beim Fahrpersonal der belgischen Bahn – Lokführer und Zugbegleiter – liegt das Rentenalter aktuell bei 55 Jahren.
Daneben soll auch die NMBS von Einsparungen betroffen sein. So ist die Rede davon, HR Rail aufzulösen. Das wiederum ist der juristische Arbeitgeber der Personale der Bahn und deren Dienstleister, z.B. Infrastrukturdienstleister Infrabel. Es wird befürchtet, dass bei der Übernahme der Personalabteilungen durch NMBS und Infrabel einige erworbene soziale Rechte verlorengehen.
Dies alles erfahren die belgischen Eisenbahner als „Frontalangriff“ und sind der Ansicht, dass dagegen mit aller Kraft vorgegangen werden müsse.
