Es wird keinen Prozess zur sogenannten „Operation Kelch“ geben, der großen Untersuchung zu sexuellem Missbrauch in der Katholischen Kirche in Belgien. Dies beschloss die Ratskammer in Brüssel. Im Rahmen der „Operation Kelch“ wurden rund 68 Akten von Geistlichen untersucht, die Minderjährige missbraucht haben sollen.
Verjährt oder verstorben: Kein Prozess zu sexuellem Missbrauch in der Kirche in Belgien
Es wird keinen Prozess zur „Operation Kelch“, der großen Untersuchung zu sexuellen Missbrauch in der Katholischen Kirche, geben. Das hat die Ratskammer in Brüssel beschlossen. Im Rahmen der entsprechenden Untersuchungen wurde gegen 68 Geistliche, darunter der frühere Bischoff von Brügge Roger Vangheluwe, ermittelt, die Minderjährige missbraucht haben sollen.
Doch viele der Verdächtigen sind entweder verstorben oder, die Straftaten sind verjährt, weil der Missbrauch zu lange zurückliegt. Die mutmaßlichen Täter können also nicht mehr vor Gericht gestellt werden. Eine logische Entscheidung, meint Fernand Keuleneer, der Anwalt der Erzbistums von Mechelen und Brüssel.
Enttäuschung
Lukas Vanden Berghe, einer der Kläger, der von einem Geistlichen sexuell missbraucht wurde, ist enttäuscht. Sein Peiniger wird sich nicht vor Gericht verantworten müssen. Die Bundesstaatsanwaltschaft war der Meinung, dass kein Prozess mehr möglich sei. Und die Ratskammer ist dem gefolgt, sagt Fernand Keuleneer, der Anwalt der Erzdiözese, der diese Entscheidung für logisch hält.
Die Opfer hofften, die Ratskammer würde zu Protokoll geben, dass bei den Ermittlungen Fehler gemacht wurden, aber auch das ist nicht geschehen, bedauert Opfer-Anwältin Christine Mussche. Priester Rik Devillé, der den Opfern beisteht, hofft, dass es dabei nicht bleibt.
Zur Vorgeschichte
Die Ermittlungen in Sachen Kindesmissbrauch in der Katholischen Kirche in Belgien begannen im Jahr 2010. Damals wurden Hausdurchsuchungen im Erzbischöflichen Palast in Mechelen (Prov. Antwerpen) und in der Amtswohnung des damaligen Kardinals Godfried Danneels durchgeführt.
Anlass dafür war der Fall des damaligen Bischofs von Brügge, Roger Vangheluwe. Dessen Neffe hatte diesen des jahrelangen Missbrauchs beschuldigt. Auch Erzbischof Danneels geriet damals in die Mühlen der Justiz, denn er soll von sexuellem Missbrauch durch Kirchenmänner gewusst haben, verzichtete jedoch darauf, einzugreifen.
