Mehr als 60.000 Demonstranten sind in die Hauptstadt gereist, um gegen die Spar- und Rentenpläne der Regierung De Wever zu protestieren. Vor den Parteizentralen der Regierungsparteien Les Engagés und MR kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei. Auch Wasserwerfer wurden eingesetzt. Am Aktionstag gibt es mittlerweile viel Kritik von Arbeitgeberverbänden. „Indem die Gewerkschaften unser Land mit Aktionen in Geiselhaft nehmen, verschärfen sie das Problem nur noch", sagt der Verband der Belgischen Unternehmen (VBO).
60.000 demonstrieren in Brüssel gegen die Spar- und Rentenpläne der Föderalregierung - Kritik am Aktionstag von Arbeitgeberverbänden
Am Donnerstagnachmittag berichtete die Brüsseler Polizei, dass mehr als 60.000 Menschen nach Brüssel gekommen seien, um an dem Protestzug durch die Hauptstadt teilzunehmen. Zunächst verlief alles ruhig. Demonstranten aus der Armee, der Feuerwehr, der Post und dem Gesundheitssektor berichteten gegenüber VRT NWS, dass sie es nicht hinnehmen werden, länger arbeiten und weniger verdienen zu müssen. Die Unklarheit und Besorgnis hätten sie nach Brüssel gebracht, hieß es.
Die Frustrationen einiger Demonstranten eskalierten. Gegen Mittag wurde die Parteizentrale der frankophonen zentristischen Regierungspartei Les Engagés von einigen Demonstranten ins Visier genommen. Einige versuchten, bis zum Gebäude zu gelangen, um dort ihren Unmut zu äußern. Dort wurden sie von einer starken Polizeipräsenz aufgehalten. Polizei und Gebäude wurden mit Farbe, Äpfeln, Zitronen, Pflastersteinen und Glasflaschen beworfen, so berichteten Polizeibeamte vor Ort.
Die Beamten setzten Tränengas ein und konnten die Demonstranten zurückdrängen, woraufhin sich die Lage schnell beruhigte.
Auch an der Polizeisperre vor dem Hauptquartier der liberalen Regierungspartei MR wurde die Stimmung zeitweise aggressiver. Die zahlreich anwesende Bereitschaftspolizei wurde mit Feuerwerkskörpern und Flaschen beworfen. Die Demonstranten skandierten Slogans gegen den MR-Vorsitzenden George-Louis Bouchez.
Am späten Donnerstagnachmittag teilte die Brüsseler Polizei auf der Plattform X mit, dass es mehrere Festnahmen gegeben habe.
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Kritik von Arbeitgeberverbänden
Aus verschiedenen Arbeitgeberverbänden kam Kritik an dem Aktionstag. „Indem die Gewerkschaften unser Land mit Aktionen in Geiselhaft nehmen, die Unternehmen und Bürger betreffen, verschärfen sie das Problem nur. Sie sägen an dem Ast, auf dem ihre eigenen Gewerkschaftsmitglieder sitzen“, hieß es beim Verband der Belgischen Unternehmen (VBO). „Ihr Appell für den Status quo bedeutet, dass sie die Rechnung an ihre Kinder und die nächste Generation weitergeben.“
Die flämische Arbeitgeberorganisation Voka bezeichnete die Haltung der Gewerkschaften als „unverständlich und verantwortungslos“. „Wieder einmal sind unsere Unternehmen die Opfer von Protestaktionen gegen die neue Regierung“, sagte sie. „Liebe Gewerkschaften, akzeptiert die Realität nach monatelangen politischen Verhandlungen.“
Angesichts einer Welle von Unternehmenspleiten und massivem Arbeitsplatzverlust seien die aktuellen Gewerkschaftsaktionen gegen die Reformpläne der Regierung De Wever nicht wünschenswert und sogar ein „Schuss ins eigene Knie“, so der Verband der Technologieunternehmen Agoria.
Auch die Union der Selbständigen (Unizo) bezeichnet die Gewerkschaftsaktionen gegen die Reformpläne der Regierung De Wever als „schädlich für unsere Wirtschaft und die Zukunft unseres Landes“. Die Organisation fordert zu sozialer Zusammenarbeit auf.
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N-VA-Fraktionsvorsitzender: "Mittelfinger gegenüber der Zukunft der Jugendlichen und Zwanzigjährigen"
Axel Ronse, Fraktionsvorsitzender der Regierungspartei N-VA, zeigte sich am Donnerstagmorgen im Gespräch mit VRT Radio 1 wenig verständnisvoll gegenüber den Protesten: „Ich frage mich wirklich, warum die Leute heute demonstrieren. Wir haben es zum Beispiel möglich gemacht, dass jemand mit 60 Jahren in Rente gehen kann, wenn er 42 Jahre gearbeitet hat. Eigentlich sollten die Gewerkschaften dafür applaudieren. Setzt sich die Gewerkschaft noch für die Arbeiter, Pflegekräfte und Lehrer ein, die arbeiten, oder für diejenigen, die nicht arbeiten wollen?"
Ronse verteidigte die angekündigten Sparmaßnahmen der Regierung. „Wir setzen uns für die Jugendlichen und Zwanzigjährigen von heute ein. Sie müssen auch eine ordentliche Rente bekommen, zu bezahlbaren Preisen zum Arzt gehen können und eine gute Bildung genießen“, sagte er. „Wenn wir jetzt nichts tun, wird das gesamte Sozialversicherungssystem zusammenbrechen. Eigentlich ist diese Demonstration ein Mittelfinger gegenüber der Zukunft der Jugendlichen und Zwanzigjährigen.“
„Für all die Menschen, die heute demonstrieren, gibt es Millionen, die heute arbeiten und denken: 'Warum demonstrieren diese Leute? Lasst uns jetzt endlich mit dieser Regierung weitermachen“, sagte er. „Ich sehe vor allem viel Vernunft und denke, dass die Vernunft bald zurückkehren wird.“

