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Immer mehr Unternehmen und auch die Medizin in Belgien lassen sich auf Künstliche Intelligenz ein

Künstliche Intelligenz (KI) ist inzwischen fast überall zu finden und mittlerweile lassen sich immer mehr Unternehmen, Dienstleister und Behörden in Belgien darauf ein. Doch auch in der Medizin findet KI Anwendung: „Dank KI kann ein Arzt seinen Patienten wirklich zuhören.“ 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

KI als administrative Hilfe in Hausarztpraxen

Dass die Medizin auch in Belgien auf KI zurückgreift, ist nach Ansicht von Fachleuten logisch. Der Sektor kämpft mit Personalnot und immer weniger Hausärzte behandeln immer mehr Patienten. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz bekommen diese Mediziner mehr Zeit, um sich wirklich mit ihren Patienten zu befassen. Dabei hilft ein Tool mit dem Namen „Cavell“.

Dieses Instrument nimmt die Konsultationen zwischen Arzt und Patient in eine Audiodatei auf und sorgt dafür, dass der Hausarzt nicht mehr so viel Verwaltungsaufwand hat. Louis Verdonckt, einer der Entwickler von „Cavell“, sagte gegenüber VRT NWS, dass dieses System die administrativen Aufgaben übernimmt: „Das Tool registriert die Audioaufnahme und pflegt die Information in die elektronische Patientenakte ein. Jetzt muss ein Arzt dies noch alles aufschreiben und das erfordert viel Zeit.“ 

Unser Ziel ist, dass wirklich dem Patienten zugehört werden kann“

Louis Verdonckt, Mitentwickler des medizinischen Tools „Cavell“

Jeder Patientenvorgang in der Medizin ist einmalig, so Verdonckt, doch darauf reagiert die KI von „Cavell“: „Ob eine Pflegekraft in der Notaufnahme, ein Neurologe während einer Konsultation oder ein Hausarzt in seiner Praxis, jeder Betroffene macht seinen Bericht auf seine Art und Weise. Darum haben wir dieses Tool so aufgebaut, dass es sich dem Ausführenden anpasst und nicht umgekehrt.“

Je öfter ein Arzt oder eine Pflegekraft dieses System nutzt, je mehr passt es sich diesem individuell an: „Wenn unser Tool vollständig operativ ist, kann der Arzt seinen Computer auf Seite schieben. Unser Ziel ist, dass wirklich dem Patienten zugehört werden kann, ohne eintippen zu müssen.“   

„Technologie beginnt zu oft aus einer Produktivitätslogik“

„Die Logik hinter der Einführung von Künstlicher Intelligenz am Arbeitsplatz geht bisher von Produktivität, Effektivität und Kosteneffizienz aus“, so Nicky Dries, Wissenschaftlerin an der Katholischen Universität Löwen (KU Leuven) und dort Leiterin des Future of Work Lab der Wirtschaftsfakultät: „Auf den Standpunkt der Beschäftigten angewendet klingt das eher wie mehr, schneller und billiger arbeiten.“

Dries stellt sich Fragen rund um die Themen Arbeitsqualität und -intensität: „Wenn Leute durch die Implementierung von KI-Tools wirklich produktiver und effizienter arbeiten, sollte dies logischerweise mit einer kürzeren Arbeitswoche einhergehen.“ Sonst, so die Wissenschaftlerin gegenüber VRT NWS, müssen sie mehr Arbeit in der selben Zeit verrichten, doch „wir wollen als Mensch doch nicht selbst zur Maschine werden.“

Wir wollen doch nicht selbst zur Maschine werden“

Nicky Dries, Wissenschaftlerin und Leiterin des Future of Work Lab an der KU Leuven

Laut Dries stellt sich die Frage, ob wirklich alle Routinearbeiten von KI übernommen werden sollen: „Vielleicht sorgt KI für Abwechslung und für Ruhemomente im Tagesablauf? Eigentlich ist das alles ein großes soziales Experiment.“

Überdies, so die Future of Work Lab-Leiterin, sollte sich Technologie an die Notwendigkeiten der Menschen anpassen und nicht umgekehrt, was leider noch zu selten geschehe: „Es werden oft Lösungen für Probleme angeboten, die noch nicht vorliegen und darum muss man sich angesichts der vorherrschenden Probleme die Frage stellen, ob die Welt darauf wartet. Es kann doch Geld verdient werden, zumindest für Investoren…“ Wissenschaftlerin Dries beobachtet Unternehmen, die KI nicht unbedingt aus einer kostensparenden Logik einsetzen, „doch leider geht das Einführen von solchen Tools langfristig meistens mit einer Verringerung der Zahl der Mitarbeiter einher.“  

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