Der belgisch-kongolesische Militärexperte Jean-Jacques Wondo ist von der Regierung der Demokratischen Republik Kongo (RDC) freigelassen worden. Das meldet die frankophone Tageszeitung La Libre Belgique am Dienstag. Diese Nachricht wurde VRT NWS gegenüber bestätigt. Wondo wurde verdächtigt, „Drahtzieher“ eines gescheiterten Putsches zu sein. Er selbst hat stets seine Unschuld beteuert. Jean-Jacques Wondo ist am Mittwochnachmittag nach Belgien zurückgekehrt und in Brüssel angekommen.
Im Kongo zum Tode verurteilter Belgier Jean-Jacques Wondo wurde freigelassen und ist wieder in Belgien
Wondo war bereits im September 2024 zum Tode verurteilt worden. Er legte Berufung ein, doch dabei wurde das Todesurteil bestätigt. Das Auswärtige Amt in Brüssel erklärte damals, man sei „überrascht“ angesichts der „begrenzten Elemente, die während des Prozesses präsentiert wurden“. Die Familie von Jean-Jacques Wondo in Belgien erklärte, sie sei fassungslos und schockiert. Sie nannten das Berufungsurteil „unerwartet“. „Diese Ungerechtigkeit wird uns nicht brechen, sondern uns darin bestärken, unseren Kampf fortzusetzen“, hieß es in einer Pressemitteilung. Die Familie rief unser Land und die EU dazu auf, Jean-Jacques Wondo nicht seinen Gegnern zu überlassen und Druck auszuüben, um seine Freilassung zu erreichen.
Die belgische Regierung war mit dem Urteil des Berufungsgerichts nicht einverstanden und berief den belgischen Botschafter im Kongo ab: „Wir rufen unverzüglich unseren Botschafter in Kinshasa vorübergehend zu Konsultationen zurück und rufen den Botschafter der Demokratischen Republik Kongo dazu auf, um unsere tiefste Besorgnis zum Ausdruck zu bringen.“
Schlechter Gesundheitszustand
Daneben hatten rund 1.000 Menschen, darunter Juristen, Akademiker und Vertreter der soziokulturellen Welt einen offenen Brief unterzeichnet, der die belgische Regierung dazu aufrief, dafür zu sorgen, dass Wondo die passende medizinische Versorgung zuteilwird.
Kurz danach wurde er auch tatsächlich von einem Arzt untersucht und es folgte eine mehr oder weniger adäquate Behandlung. Derweil hatte das Europäische Parlament einer Resolution zugestimmt, nach der gegenüber der kongolesischen Regierung die sofortige Freilassung Wondos gefordert wurde.
Ob dies letztendlich alles dazu geführt hat, dass der belgisch-kongolesische Diplomat aus der Todeszelle entlassen wurde, sei dahingestellt. Noch am Dienstag konnte er in Richtung Europa ausreisen. Am Mittwochnachmittag kam er in Brüssel an, wo es ein emotionales Wiedersehen mit Familie und Freunden gab.
Hintergrund
Wondo führte zum Zeitpunkt eines misslungenen Staatsstreichs im Kongo - das war der 19. Mai 2024 - als Berater und Experte für militärische Angelegenheiten einen Auftrag für das belgische Justizministerium im Kongo durch. Im Zuge dessen arbeitete er auch für den Sicherheitsdienst ANR in der RDC durch.
Der Putsch wurde seinerzeit von den Oppositionspolitiker Christan Malanga geleitet, der dabei erschossen wurde. Ein altes Foto aus dem Jahr 2016 - in Brüssel aufgenommen - zeigt Malanga und Wondo. Für die Richter in Kinshasa reichte das offenbar für ein Todesurteil aus, denn die beiden waren ja offensichtlich miteinander bekannt…
