Auch Brüssel hatte während des Zweiten Weltkriegs Opfer zu beklagen. Die Brüsseler Nachrichtenplattform BRUZZ ging in ihrer Reihe BIG CITY der Frage nach, wie es im September 1943 zum schwersten Bombenangriff auf die belgische Hauptstadt kam.
September 1943: Die schwerste Bombardierung Brüssels während des Zweiten Weltkriegs
Dienstag, der 7. September 1943, war ein düsterer Tag in der Brüsseler Kriegsgeschichte. Was als heroische Aktion der Alliierten gedacht war, wurde für die Brüsseler Bürger zu einer Tragödie. Die belgische Hauptstadt war zu diesem Zeitpunkt von der deutschen Armee besetzt und die Alliierten bereiteten eine große Gegenoffensiven vor. Die US-Armee griff von Großbritannien aus häufig strategische deutsche Ziele an.
Am frühen Morgen jenes Septembertages wurden etwa 250 Bomber zu drei Zielen geschickt: Zu Flugplatz Leeuwarden in den Niederlanden, zu einer geheimen deutschen Raketenabschussbasis in Nordfrankreich und zum Militärflugplatz im Brüsseler Stadtteil Evere. In unmittelbarer Nähe dieses Flugplatzes – im Ortsteil Haren - reparierten die Deutschen in großen Hangars Kampfflugzeuge und Bomber. Dort befindet sich heute die NATO-Basis.
Bombenalarm
Auf dem Weg nach Evere ging jedoch etwas schief. Auf der gleichen Höhe wie der Militärflughafen in Evere befand sich der Truppenübungsplatz von Elsene an der Grenze zu Etterbeek, wo sich heute die flämische Brüsseler Uni VUB befindet. Beide Standorte lagen auf der gleichen Linie, außerdem sahen sie damals aus 7.000 Metern Flughöhe sehr ähnlich aus.
Zudem war der 7. September 1943 ein bewölkter Tag. All diese Umständen führte zu einem katastrophalen Fehler, bei dem die Bomber das falsche Ziel trafen. Der Bombenalarm wurde zwar ausgelöst, aber die Brüsseler hatten nach 3 Jahren Krieg viel weniger Angst und viele reagierten deshalb nicht schnell genug.
282 Tote
282 Menschen wurden getötet und mehr als 260 weitere schwer verletzt. 1.200 Häuser wurden beschädigt. Erschwerend kam hinzu, dass die Rettungsdienste Schwierigkeiten hatten, zum Ort des Geschehens zu gelangen, da der Straßenbelag stark beschädigt war. Schließlich flogen die Bomber zu ihrem eigentlichen Ziel in Evere weiter. Dort wurden weitere 19 Menschen bei dem Angriff getötet. Drei Tage nach der Tragödie fand in der Kirche des Heiligen Kreuzes in Elsene eine Gedenkfeier für 120 Opfer statt. Viele Menschen nahmen an dieser Gedenkfeier teil.
Propagandakampagne
Hunderte unschuldige zivile Opfer, die durch eine Luftoffensive der US-Armee getötet wurden, waren für die Deutschen eine traumhafte Gelegenheit, eine heftige Propagandakampagne zu starten. Sie druckten riesige Plakate mit den Bildern der Opfer, die sie auch in Brüssel aufhängten.
Die eigensinnigen Brüsseler waren jedoch nicht so empfänglich für diese Art Rhetorik. Ein Jahr später, im September 1944, befreiten die Alliierten die Hauptstadt. Es war eine Reihe von Missverständnissen, die die US-Armee irrtümlich dazu veranlassten, den Truppenübungsplatz in Etterbeek statt des Militärflughafens in Evere zu bombardieren, was zum tödlichsten Bombenangriff im Brüssel im Zweiten Weltkrieg führte.
