2024 kamen 12 % mehr Asylbewerber nach Belgien als im Jahr zuvor. Insgesamt wurden über 33.000 registriert. Dabei handelte sich um fast 100 verschiedene Nationalitäten. Die größte Gruppe waren Palästinenser aus dem Gazastreifen und Syrer. Mehr als die Hälfte (56 %) der Asylbewerber konnte nachweisen, dass sie aus einem Kriegsgebiet kommen oder wegen ihrer Ethnie, Religion, politischen oder sexuellen Präferenz von Verfolgung bedroht sind.
Nach eingehender Prüfung wird einem Teil von ihnen der Aufenthalt in Belgien gestattet. Die anderen werden aufgefordert, das Land zu verlassen. Asylbewerber müssen allerdings lange auf eine Entscheidung warten, da das Amt des Generalkommissars für Flüchtlinge und Staatenlose seit Jahren mit einem Rückstau an Akten zu kämpfen hat.
Seit drei Jahren in Folge kommen hier mehr Asylbewerber an als im Durchschnitt der letzten Jahre. Und das macht es für die Asylbehörden schwierig, den vorliegenden Aktenstau abzubauen, auch wenn man jetzt beschleunigte Verfahren und mehr Personal arbeiten kann.
Die Asylbewerber warten daher weiterhin lange auf eine Entscheidung in Asylunterkünften, doch auch hier liegt ein Problem vor. Es stehen zu wenig Betten zur Verfügung und der Platzmangel in den Aufnahmezentren wird knapper und nicht wirklich behoben.
Nicht alle Asylanträge werden geprüft
Fast die Hälfte der Asylbewerber, die im vergangenen Jahr nach Belgien kam, hatte bereits in einem anderen EU-Land Fingerabdrücke genommen. Dort sollten die Asylanträge eigentlich auch bearbeitet werden.
„Mit dem Europäischen Migrationspakt werden wir mehr Möglichkeiten haben, dieser Art von Sekundärmigration entgegenzuwirken“, sagte Belgiens scheidende Staatssekretärin für Asyl und Migration, Nicole de Moor (CD&V): „Die Zahl der Asylanträge in Belgien muss deutlich sinken. Wir müssen die Strukturreformen fortsetzen und ich hoffe, dass wir bald ein starkes Regierungsabkommen erreichen können.“
Auch die Zahl der anerkannten Flüchtlinge, die in Belgien erneut einen Asylantrag stellen, ist gestiegen und zwar auf 4.825. Dabei handelt es sich um Syrer und Palästinenser, die bereits in Ländern wie Griechenland oder Bulgarien Schutz genießen. De Moor will diesem Trend entgegenwirken: „Sie haben bereits Schutz in diesen Ländern und genießen dort einen legalen Aufenthalt und das Recht zu arbeiten.“
