Seit fast zwanzig 20 Jahren zieht Belgien jährlich eine steigende Zahl von Grenzgängern an, die aus Richtung Frankreich, Luxemburg, den Niederlanden oder Deutschland herüberkommen, um hier zu arbeiten. Doch die Daten des LIKIV - das Landesinstitut für Kranken- und Invalidenversicherung - zeigen für das Jahr 2024 einen noch nie dagewesenen Rückgang, wie die frankophone Tageszeitung La Libre Belgique am Mittwoch meldet.
Die Zahl der Grenzgänger, die zum Arbeiten nach Belgien kommen, geht zum ersten Mal zurück
Im Jahr 2007, dem Jahr, in dem die diesbezüglichen Statistiken eingeführt wurden, wohnten 38.756 Grenzgänger, die in Belgien beschäftigt waren, im Ausland. Diese Zahl stieg von Jahr zu Jahr und erreichte 2023 eine Zahl von 52.815 Arbeitnehmer. Dieses Wachstum ist 2024 mit „nur“ noch 51.581 zum ersten Mal unterbrochen worden.
Die meisten Grenzgänger kommen nach wie vor aus Frankreich, aber deren Zahl ist leicht zurückgegangen und lag im letzten Jahr bei 39.252. Es folgen die Einwohner aus den Niederlanden, deren Zahl bereits seit 2022 rückläufig ist. Auch aus Deutschland oder Luxemburg kommen etwas weniger Grenzgänger zur Arbeit nach Belgien herüber.
Die Provinzen in Belgien, die die meisten Grenzgänger anziehen, sind Hennegau und Namür (Franzosen) sowie Ostflandern (Niederländer und Franzosen).
Grenzgänger aus Belgien
Auch die Zahl der Arbeitnehmer aus Belgien, die über die Grenzen in eines der Nachbarländer pendeln, ist in den letzten Jahren zurückgegangen. Diese Zahl war bis 2019 auf 91.296 gestiegen, bevor sie in den Folgejahren wieder zurückging. 2024 wurden 86.056 belgische Grenzgänger, die in einem der Nachbarländer einer Arbeit nachgehen, registriert.
Luxemburg zieht immer noch die größte Zahl von Arbeitnehmern aus Belgien an (48.703 im Jahr 2024), die Niederlande scheinen jedoch stark an Attraktivität für Belgier verloren zu haben (21.804 im Jahr 2024).
In die andere Richtung schickt die Provinz Luxemburg die meisten Arbeitnehmer ins Ausland (37.923, die es fast alle ins Großherzogtum Luxemburg zieht). Aus der Provinz Lüttich zieht es die meisten Grenzgänger - wohl zahlreiche deutschsprachige Ostbelgier - nach Deutschland oder Luxemburg. Flämische Limburger gehen nicht selten in Niederländisch-Limburg zur Arbeit.
Warum sind die Zahlen rückläufig?
Auf die Frage nach den Ursachen für diesen leichten Rückgang der Zahl der Grenzgänger führt Anick Perin, Beraterin für internationale Mobilität beim HR-Dienstleister Securex, gegenüber La Libre Belgique insbesondere eine Entwicklung des Steuersystems in eine „für Arbeitnehmer weniger günstige Richtung“ an.
Grundsätzlich ist festzustellen, so Perin, dass abgesehen von den Schwankungen von einem Jahr zum anderen deutlich mehr Arbeitnehmer aus Belgien in eines der Nachbarländer fahren, um zu arbeiten, als umgekehrt (86.000 gegenüber 51.000). Für Anick Perin ist dies ein Zeichen dafür, dass „unser Land nicht attraktiv genug ist, vor allem im Vergleich zu Luxemburg und Frankreich, wo ein deutlich günstigeres Steuersystem gehandhabt wird“.
