Hunderttausende Westflamen müssen mit Trinkwasser leben, das zu viele Pestizidrückstände enthält. Die Norm wird regelmäßig überschritten und wurde deshalb von den flämischen Landesbehörden nach oben korrigiert. Betroffen sind rund 760.000 Einwohner der Provinz Westflandern, genauer der Westhoek, der westlichsten Region Flanderns.
Westflandern: Zu viele Pestizide im Trinkwasser? Die Lösung liegt in der Anhebung der Norm
Das Wasser, das aus ihrem Wasserhahn kommt, enthält zu viel 1,2,4-Triazol. Das ist ein Restprodukt von Pestiziden und Medikamenten. Bereits Ende 2023 wurden im Wasser mehrerer westflämischer Gemeinden zu hohe Werte festgestellt. Die regionale Wasserbehörde De Watergroep klärt dort Wasser, das an rund 760.000 Menschen in Westflandern geht.
Die Norm von 0,1 Mikrogramm pro Liter wurde in der Westhoek in einigen Fällen deutlich überschritten, fast um das Fünffache. Ende 2024 hatte Umweltminister Jo Brouns von den flämischen Christdemokraten CD&V die Norm auf 1 Mikrogramm pro Liter angehoben, zehnmal mehr als bisher und höher die EU-Norm erlaubt. Und das kann noch zwei Jahre so weitergehen.
Auswirkungen auf die Gesundheit?
Laut De Watergroep gibt es keine nachteiligen Auswirkungen auf die Gesundheit der betroffenen Verbraucher. Das Gesundheitsministerium hat sich zudem positiv zu der vorübergehenden Anhebung dieser Norm geäußert, meldeten einige flämische Medien letzte Woche.
„Das Kabinett Brouns betont, dass die auferlegte Norm bereits strenger ist als die der Weltgesundheitsorganisation“, so z.B. die flämische Tageszeitung Het Nieuwsblad dazu. Der flämische Umweltminister reagiert mit dieser Vorgehensweise nicht zuletzt auf einen drohenden Trinkwassermangel in der betroffenen Region.
Tatsächlich kein Problem für die Gesundheit?
Brouns stützt sich bei der Festlegung der Höchstkonzentration von Triazol auf 1 Mikrogramm pro Liter Trinkwasser unter anderem auf die Schlussfolgerungen des flämischen Instituts für technologische Forschung VITO. VITO kam zu dem Schluss, dass 4,5 Mikrogramm pro Liter „(sehr) sicher aus gesundheitlicher Sicht“ bleiben. Das ist 45-mal mehr als die EU-Norm und viermal mehr als in der Westhoek bisher gemessen wurde.
Die Gewinnung von Trinkwasser in der Westhoek muss ohnehin manchmal unterbrochen werden, weil die Pestizidwerte im Allgemeinen zu hoch sind. Erst im Oktober 2024 zeigten Untersuchungen, dass insbesondere die kleinste Art von PFAS, die Trifluoressigsäure (TFA), in dieser Region massenhaft auftritt. Das Herausfiltern von TFA und Triazolen aus dem Tinkwasser erfordert eine teure Methode.
