Zum Hauptinhalt springen
Inland
Justiz

Antwerpen: Prozess gegen 105 Personen - Fast die Hälfte von ihnen sind Mitglieder einer Familie

In Antwerpen hat ein großer Prozess gegen 105 Angeklagte begonnen. Fast die Hälfte der Verdächtigen gehört zur ein und derselben Familie. Es handelt sich dabei um Personen assyrisch-türkischer Herkunft. Sie sollen mehr als 60 Mio. € mit dem Schmuggel von Kokain über den Hafen von Antwerpen verdient haben. Aber es geht auch um andere mögliche Straftaten, wie Infiltrierung in kommunale Einrichtungen, in die Polizei und sogar in die Kirche. Der Prozess wird bis Anfang Mai dauern.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Eine ganze Familie steht vor Gericht, das ist schon bemerkenswert. Um wen handelt es sich bei den Angeklagten? In Antwerpen stehen in erster Linie Mitglieder einer Familie assyrisch-türkischer Herkunft - die Familie Y. Sie kommen aus der Grenzregion zwischen der Türkei, Syrien und dem Irak und haben in unserem Land Asyl bekommen, weil in der Region der syrische Bürgerkrieg mit all seinen Auswirkungen und Nebenschauplätzen wütete.

Aber laut Staatsanwaltschaft waren sie auch an der Einfuhr von Kokain nach Europa über den Antwerpener Hafen beteiligt. Eines der Familienmitglieder hatte eine leitende Position in dem Unternehmen inne, das den Kai 1700 im Hafen von Antwerpen betreibt. 

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft kontrollierte der Clan dank dieses Mannes den gesamten Kokainschmuggel, der über diesen Kai nach Antwerpen gelangte. Auf diese Weise soll der Clan mehr als 60 Mio. € verdient haben. Irgendwann ging die Sache jedoch schief. Der Mann, der bei der Hafenbehörde arbeitete, wurde 2017 auf offener Straße erschossen. Seit dem liefen die Ermittlungen. 

Verschiedenste Anklagepunkte

In dem Prozess geht es um Drogengewalt und Drohungen sowie um Geldwäsche und Waffenhandel. Aber es geht auch um andere mögliche Straftaten, wie Infiltrierung in kommunale Einrichtungen, in die Polizei und sogar in die Kirche. 

Neben den 47 Familienmitgliedern sind auch zwei Polizisten angeklagt, die sich  angeblich bestechen ließen. Aber auch ein Beamter, der Dokumente gefälscht haben soll und einige Bankangestellte, die angeblich Hilfsdienste geleistet haben sollen, gehören zu den Angeklagten. 

Der Prozess wird mindestens bis Anfang Mai dauern. Die Antwerpener Staatsanwaltschaft fordert 15 Jahre Haft für den Hauptangeklagten. Dessen Anwalt will hingegen einen Freispruch erreichen. 

Meistgelesen

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5