Zum Hauptinhalt springen
Inland
Justiz

Niederländischer Fischereiverband verklagt den Chemiekonzern 3M in Belgien

Der niederländische Fischereiverband verklagt den Chemieriesen 3M wegen „schwerwiegender PFOS-Verschmutzung der Westerschelde“, die durch Einleitungen von Schadstoffen aus seinem Werk in Zwijndrecht bei Antwerpen verursacht wurde. Dies gab der Verband diese Woche bekannt.

Andreas Kockartz Belga
Veröffentlicht:

Die Klage richtet sich gegen 3M Belgien und seinen US-Mutterkonzern 3M Company vor dem Gericht in Middelburg, Zeeland. Der Fischereiverband spricht von einem „Testfall im Namen eines betroffenen Fischereiunternehmens“, in dem sie das Gericht auffordern wird, „festzustellen, dass 3M für die Schäden haftbar ist, die durch PFOS-Einleitungen aus dem Werk in Zwijndrecht entstanden sind“.

Der niederländische Fischereiverband hat den östlichen Teil der Westerschelde aus Sicherheitsgründen für die Fischerei gesperrt, eine Maßnahme, die die lokalen Fischereibetriebe hart getroffen hat, so der Verband: „Der wirtschaftliche Schaden ist erheblich und wirkt sich direkt auf die Lebensfähigkeit der betroffenen Unternehmen aus.“

Mit der Klage gegen 3M strebt der Verband eine Entschädigung für die niederländische Fischereiwirtschaft an. Die Klage folgt auf ein Jahr ergebnisloser gegenseitiger Konsultationen mit dem Chemieunternehmen, heißt es von Seiten der Fischer: „3M leugnet die Verantwortung, verweigert eine konstruktive Zusammenarbeit und hält wesentliche Informationen zurück, die für eine vollständige Bewertung des Ausmaßes des Problems erforderlich sind.“

Zur Vorgeschichte

Nach ersten Vermutungen im April explodierte die Bombe im PFOS-Skandal im Juni 2021, als bei den Oosterweel-Bauarbeiten Abraum abgegraben wurde, der hochgradig mit dem chemischen Produkt PFOS verseucht war.

Die kontaminierte Erde kam aus dem US-Chemiewerk 3M in Zwijndrecht und war dort mehr schlecht als recht abgelagert worden. PFOS ist ein Nebenprodukt, das zur PFAS-Familie gehört. Dies ist eine Bezeichnung für chemische Produkte bzw. Kunststoffe, die sich in der Natur nicht auflösen und die deshalb auch „forever chemicals“ genannt werden.

In den Wochen und Monaten danach wurde immer deutlicher, dass die Behörden und die flämische Landesregierung bereits seit etwa 2017 wussten, dass sich in Zwijndrecht hochgradig verseuchter Abraum befand, doch dazu wurde jede Kommunikation verhindert. Inzwischen wurden schon mehrmals Arbeiten an Oosterweel-Baustellen wegen PFOS unterbrochen und an einigen Stellen wurde bereits mit der Bodensanierung begonnen.

Bei Anwohnern des Werks wurden auch in weiterer Umgebung hohe und bisweilen sehr hohe PFOS-Werte im Blut festgestellt. In diesem Fall sind mehrere Klagen sowohl gegen 3M, als auch gegen die flämische Landesregierung anhängig.

Das 3M-Management wurde bereits einige Male vor den parlamentarischen Untersuchungsausschuss zitiert und steht auch bei der flämischen Landesregierung schwer in der Kritik. 3M will 150 Mio. € in die Sanierung der verseuchten Böden in der Antwerpener Region stecken, doch nach Ansicht der flämischen Landesregierung könne das nur ein Anfang sein.

Lesen Sie mehr über

Meistgelesen

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5