Im Jahr 2024 wurden in Flandern keine Wolfswelpen geboren. Das teilte die Organisation Welkom Wolf mit. Es gibt aber Hoffnung für die Provinz Limburg, und das dank der Wölfe Maurice und Noëlla. Maurice kam zu spät in Flandern an für das vorige Paarungssaison, doch nun wird das Duo oft zusammen gesichtet. „Aber alles hängt an einem seidenen Faden: Wenn einer der erwachsenen Wölfe überfahren wird, schrumpfen die Chancen auf Welpen enorm“, warnt Jan Loos von Welkom Wolf.
Keine Wolfswelpen in Flandern im Jahr 2024: „Hoffnung für 2025 ist groß“
Insgesamt gibt es drei Wölfe in Flandern, aber in diesem Jahr haben sie nicht für Nachkommen gesorgt. Das steht im großen Gegensatz zur Lage in der Wallonie, wo etwa 11 Welpen geboren wurden. Doch selbst das ist laut der Organisation Welkom Wolf, die die Wolfspopulation überwacht, sehr wenig. „Das ist absurd wenig, wenn man bedenkt, dass der Süden Belgiens besser für Wölfe geeignet ist als ganz Holland und Flandern zusammen“, meint Jan Loos von Welkom Wolf. In den Niederlanden wurden in diesem Jahr 55 Welpen geboren.
Die Wölfe in Flandern leben in Limburg und Antwerpen: Noëlla und Maurice befinden sich in den limburgischen Wäldern, während die Wolfsdame Emma – die Tochter von Noëlla und ihrem früheren Partner August – seit März 2023 in Antwerpen lebt. Sie ist eines der wenigen überlebenden Nachkommen von Noëlla. „Von den 28 Nachkommen von Noëlla und August starben 9 als Verkehrsopfer innerhalb des Geburtsgebiets, 16 andere wurden außerhalb des Elterngebiets gesichtet. Von diesen 16 sind mindestens 9 mit Sicherheit im Verkehr gestorben, während sie als Welpen oder junge Wölfe in Flandern, den Niederlanden oder Deutschland umherzogen“, erklärt Loos.
„Wer denkt, dass sich Wölfe ‚wie die Kaninchen vermehren‘ sollte sich diese Zahlen genau anschauen: 28 Junge hätten die limburgischen Wölfe bekommen müssen, um vielleicht ein ‚Enkelkind‘ zu bekommen, das irgendwann in der Fortpflanzung erfolgreich sein könnte“, erklärt Loos.
Alle Hoffnung ruht auf Noëlla und Maurice
Doch Noëlla ist nicht länger allein: Im Juni wurde Wolf Maurice erstmals in Hechtel-Eksel (Limburg) gesichtet. Er scheint gut mit Noëlla auszukommen. Welkom Wolf hofft, dass das Pärchen aus Limburg im nächsten Jahr für neue Welpen sorgen wird.
„Maurice kam leider zu spät nach Limburg, die Paarungszeit war schon vorbei. Aber wenn alles gut geht, können wir im April wieder Welpen in Limburg erwarten. Noëlla und Maurice sind jetzt auffällig oft zusammen unterwegs, was ein sehr gutes Zeichen ist. Aber alles hängt an einem seidenen Faden, wenn einer der erwachsenen Wölfe überfahren wird, sinken die Chancen auf Welpen drastisch“, warnt Loos.
Sichere Verkehrsinfrastruktur
Um die Wölfe vor dem gefährlichen Verkehr zu schützen, fordert Welkom Wolf eine sichere Verkehrsinfrastruktur. „Wir wissen, wo die Wölfe sind, wo sie oft die Straße überqueren. Wir sind seit Jahren für Ökobrücken, ökologische Täler oder Zäune an gefährlichen Stellen, aber es passiert einfach nichts“, sagt Loos. „Ich hoffe jetzt, dass die neue Ministerin (Flanderns Ministerin für Mobilität, Annick De Ridder, Anm. d. Red.) endlich etwas unternimmt.“
Ich hoffe, dass die neue Ministerin endlich etwas unternimmt
Jan Loos, Welkom Wolf
De Ridder betont, dass die Sicherheit der Wölfe keine Priorität sei. „Ich habe ganz viel Sympathie für die Wölfe, aber unser Fokus liegt momentan auf den Kernaufgaben im Bereich öffentliche Arbeiten: dafür zu sorgen, dass keine Schlaglöcher mehr in unseren Straßen sind, dass unsere Brücken und Tunnel gut gewartet werden und dass genügend neue Busse und Straßenbahnen fahren. Das ist meine Priorität, nicht der Bau zusätzlicher Ökobrücken und Wolfszäune.“
Illegale Jagd
Ein weiterer Grund für die niedrige Anzahl an Wölfen in Belgien ist laut der Organisation die illegale Jagd auf Wölfe. Diese soll vor allem auf Privatgelände stattfinden. „In der Wallonie gibt es sehr geeignete Gebiete für Wolfe, aber dort werden sie abgeknallt. Es gibt keine Aufsicht auf diesen Privatgeländen. Und die wallonische Regierung schaut einfach weg“, heißt es.
Die Organisation fordert alle, die einen Wolf sehen, dazu auf, mit dem Meldestelle von Welkom Wolf Kontakt aufzunehmen. „Nach sieben Jahren Wölfen in Limburg und zwei Jahren Wölfen in Antwerpen denken viele, dass Beobachtungen nicht mehr gemeldet werden müssen. Doch das ist nicht der Fall“, betont Jan Loos noch einmal.
