Ab dem nächsten Schuljahr gilt im belgischen Bundesland Flandern in der Grundschule sowie in der ersten und zweiten Klasse der Sekundarstufe ein absolutes Smartphone-Verbot. Dies beschloss die flämische Regierung in der vergangenen Woche. In der dritten Stufe der Sekundarstufe dürfen die Schülerinnen und Schüler ihre Smartphones während der Pause nutzen, zumindest wenn die Schule dies erlaubt.
Flandern führt Smartphone-Verbot für Grundschulen und einen Großteil der Sekundarstufe ein
Mit dem Verbot geht die flämische Bildungsministerin Zuhal Demir (N-VA) einen Schritt weiter als in der Koalitionsvereinbarung vorgesehen. Dort war nur von einem Verbot in der Grundschule die Rede, doch Demir weitet das Verbot auch auf die weiterführenden Schulen aus.
„Dieses Verbot entspricht einfach nur gesundem Menschenverstand“, so Demir: „Es wird die Konzentration, die schulischen Resultate und das Wohlbefinden der Schüler verbessern. Wir sind uns alle einig, dass man beim Autofahren nicht fernsieht, auf Snapchat spielt oder auf TikTok sitzt. Man muss sich auf die Straße konzentrieren, sonst passieren Unfälle“, sagte Demir: „Das Gleiche gilt für die Schule. Man schaut nicht fern, spielt keine Spiele, ist nicht auf Snapchat oder TikTok, während man im Unterricht ist. Man muss sich auf den Lehrer konzentrieren, sonst passieren Unfälle.“
„Wir sehen einen Zusammenhang zwischen der Technologie und der steigenden Zahl von Depressionen, Selbstmorden, Selbstverletzungen, Angstzuständen und Essstörungen bei Kindern“, fügte die Ministerin hinzu. Sie will diesen schädlichen Trend stoppen. „Ein Smartphone-Verbot sorgt für ein sichereres und ruhigeres Schulumfeld“, sagte die Ministerin.
Einige Ausnahmen
Das Smartphone-Verbot in Flandern wird ab dem nächsten Schuljahr in Kraft treten. Es gilt auch für Geräte wie Smartwatches. Die frühe Ankündigung dieses Verbot gibt den Schulen Zeit, sich vorzubereiten, so die Bildungsministerin.
Allerdings gibt es einige Ausnahmen. Für bestimmte pädagogische Zwecke können mobile Geräte weiterhin genutzt werden, etwa im Medienkompetenzunterricht. Eine Ausnahme gilt auch für Schüler mit besonderen pädagogischen Bedürfnissen und für Schüler, die diese Geräte aus medizinischen Gründen benötigen.
Die Modalitäten für das Verbot werden von den Schulen festgelegt. So kann den Schülern beispielsweise untersagt werden, Handys mit in die Schule zu nehmen. Alternativ können die Schüler ihre Mobiltelefone mitbringen, sie aber vor dem Betreten des Klassenzimmers aushändigen.
Bildungsdachverbände sehen den Bedarf nicht wirklich
Das Katholische Schulwesen in Flandern sagt, dass man die Bedenken hinter der Entscheidung teilt und versteht. Man bezweifelt jedoch, dass die Schulen auf einen „Eingriff von oben“ warten.
Die Der Dachverband der flämischen Gemeinschaftsschulen GO! betont, dass fast alle Schulen bereits Maßnahmen zur Einschränkung der Smartphone-Nutzung ergriffen haben. So gebe es beispielsweise bereits überall Vereinbarungen über die Nutzung von Mobiltelefonen im Klassenzimmer. Daher fordere man hier keine allgemeine Regelung.
Der Schülerverband hält das Smartphone-Verbot für zu weitreichend
Gabriel Leka, Vorsitzender des flämischen Schülerdachverbandes, ist nicht wirklich glücklich: „Wir sind sehr überrascht, dass eine solche Entscheidung so plötzlich von der Ministerin getroffen wird. Wir hatten eigentlich auf mehr Konsultationen gehofft oder darauf, dass die Schulen mehr Autonomie erhalten, um selbst zu entscheiden.“
Tatsächlich hat der Schülerverband vor kurzem selbst eine Umfrage unter den Schülern durchgeführt. „90 % sind keine Fans eines Totalverbots in der Sekundarstufe“, sagt Leka: „Wir denken, dass ein solches Totalverbot in ganz Flandern ein bisschen zu weit geht.“
