Zum Hauptinhalt springen

Einwohner von Voeren gründen nach den Überschwemmungen im Mai ihr eigenes Freiwilligen-Netzwerk

In Voeren in der flämischen Provinz Limburg haben einige Einwohner nach den Überschwemmungen im Mai dieses Jahres die Dinge selbst in die Hand genommen. Sie haben ein Freiwilligennetzwerk gegründet, das bei künftigen Katastrophen Hilfe leisten soll. Die Mitglieder geben auch Tipps, um besser auf Notfälle vorbereitet zu sein.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Das neue Netzwerk hat den Namen „Voeren Volunteers Equipe de Bénévoles Fourons“ (VVEBF), was so viel heißt wie „Voren Freiwiligen Mannschaft“. Die Bewegung ist eine Initiative von Evert Bopp, der seit mehreren Jahren in den Voeren lebt und selbst 14 Jahre Erfahrung im Aufbau von Nothilfe nach internationalen Katastrophen hat. 

Die Initiative wurde nach den schweren Überschwemmungen im Mai dieses Jahres ins Leben gerufen. VRT NWS berichtete noch in der vergangenen Woche, dass viele Bewohner auch 7 Monate später noch täglich mit den Folgen dieses letzten Hochwassers leben müssen und noch stets auf behördliche Hilfe warten.

Drittes Hochwasser in kurzer Zeit 

„Das waren die 3. schweren Überschwemmungen. Während der Hilfsmaßnahmen und danach hat sich herausgestellt, dass es in der Bevölkerung bestimmte Fragen und Bedürfnisse gibt, für die die reguläre Hilfe nicht die Kapazitäten hat“, erklärte Bopp: „Das ist keine Kritik an der Gemeinde oder am Katastrophenschutz, aber auch sie müssen mit dem auskommen, was sie haben.“

Mit dem Netz will Bopp vor allem vorausplanen: „So kann man schneller, effizienter und besser reagieren. In erster Linie bereiten wir uns auf Überschwemmungen vor, aber es kann genauso gut eine andere Krise oder Katastrophe sein. Wir wollen auf alle Arten von Bedürfnissen reagieren. Dabei konzentriert sich die VVEBF auf die sechs Ortschafen der Gemeinde Voeren, bezieht aber auch die Einwohner der umliegenden Regionen wie das Herver Land und das niederländische Südlimburg mit ein. „Wir wollen dies als Gemeinschaft angehen“, sagt er.

Netzwerk als erster Schwerpunkt

Bopps Hauptaugenmerk liegt darauf, zunächst das Gerüst des Netzwerks aufzubauen. „Man muss wissen, wer helfen kann und in welcher Rolle. In Voeren wird jede Gemeinde einen Hauptkoordinator haben, der von einem Koordinator für Erste Hilfe und einem weiteren für Kommunikation und Information unterstützt wird. Darüber hinaus wird eine Datenbank für alle Freiwilligen eingerichtet. 

Wenn man weiß, was man in einer Krisensituation zu tun hat, sind die psychologischen Auswirkungen der Katastrophe viel geringer.“

Evert Bopp, Initiator VVEBF

Sobald dieses Netz Gestalt annimmt, werden sie auch eine Schulung erhalten: „Auf diese Weise weiß jeder, was bei der nächsten Flut zu tun ist. Die Ausbildung wird Erste Hilfe, Logistik und Krisenkommunikation umfassen. Denken Sie nur daran, wie man Informationen richtig über ein Funkgerät weitergibt. Wenn die Menschen wissen, wie sie reagieren müssen, sind sie widerstandsfähiger und die psychologischen Auswirkungen sind geringer.“ 

Darüber hinaus stehen Bopp und seine Mitstreiter bereits in Kontakt mit den Gemeinden, dem Katastrophenschutz, den Rettungsdiensten und den umliegenden Krankenhäusern. „Auf diese Weise werden wir Teil des großen Hilfspakets“, sagen sie. 

Mehr Eigenverantwortung

Diese Woche wurde auch bekannt, dass das Nationale Krisenzentrum im nächsten Jahr eine Kampagne starten wird, um die Belgier in Krisensituationen widerstandsfähiger zu machen. Eine gute Initiative, findet Bopp: „Die Leute beschweren sich regelmäßig über die Regierung. Als Bürger kann man selbst etwas tun. Wenn Sie ein Problem sehen und es selbst lösen können, sollten Sie das tun. Das kann man sowohl bei einem größeren Stromausfall als auch bei einem Unfall oder einer Überschwemmung tun.“ Der in den Voeren gebürtige Initiator warnt aber davor, sich zu sehr auf den individuellen Aspekt zu konzentrieren: „Das habe ich im Ausland oft genug erlebt. Man kann dafür sorgen, dass der eigene Haushalt oder die eigene Familie autark ist, aber wenn man dann der Einzige in der Gemeinde ist, geht trotzdem alles schief.“

Voeren: Dreimal Hochwasseralarm kurz hintereinander - Jetzt ist Selbsthilfe angesagt

Lesen Sie mehr über

Meistgelesen

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5