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Julie Van Espen
Inland
Justiz

Mordfall Julie Van Espen: Der belgische Staat ist durch einen Justizfehler verantwortlich für den Tod der jungen Frau

Der belgische Staat ist verantwortlich für den Tod von Julie Van Espen (Foto), der jungen Frau, die vor fünf Jahren von Steve Bakelmans vergewaltigt und ermordet wurde. Das entschied ein Richter in Brüssel am Donnerstag. Wenn die Justiz ihre Arbeit richtig getan hätte, wäre die junge Frau noch am Leben. Damit hält die Argumentation der Kläger, die Familie der Getöteten, vor Gericht stand und führte zu diesem historisch einmaligen Urteil.

Andreas Kockartz
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Die Eltern und der Bruder von Julie Van Espen hatten den belgischen Staat verklagt, weil sie der Meinung sind, dass das Justizministerium Fehler gemacht hatte, indem es den Mörder ihrer Tochter auf freiem Fuß ließ, obwohl er zu diesem Zeitpunkt bereits im Gefängnis hätte sitzen müssen. Wären diese Fehler nicht gemacht worden, hätte Bakelmans nach Ansicht der Familie niemals zuschlagen können.

Am 4. Mai 2019 wurde Julie Van Espen, damals 23 Jahre alt, von Steve Bakelmans vergewaltigt und ermordet, einem Mann mit einer langen Liste von Verurteilungen wegen Straftaten, die von Diebstahl bis zu Bedrohungen reichen. Außerdem war er zweimal wegen Vergewaltigung verurteilt worden. Der Fall hat das ganze Land erschüttert. Im Jahr 2019 urteilte der Hohe Rat für Justiz, es sei unverständlich, dass es so lange gedauert habe, bis Steve Bakelmans verurteilt wurde.

1 € symbolischer Schadenersatz gefordert

Die Eltern von Julie Van Espen forderten 1 € symbolischen Schadenersatz, aber vor allem wollen sie, dass das Gericht feststellt, dass die Justiz Fehler gemacht hat - Fehler, die Julie das Leben gekostet haben. Ihr Mörder, Steve Bakelmans, hätte eigentlich wegen einer anderen Vergewaltigung im Gefängnis sitzen müssen, aber das Gericht, das angeblich nicht wusste, dass der Mann gefährlich war, hat ihn nicht sofort verhaftet.

Bakelmans legte Berufung gegen das Urteil ein und das Berufungsgericht vertagte seinen Fall, weil es zu viel Arbeit hatte. Infolgedessen blieb er auf freiem Fuß. Und so trägt auch die Justiz die Schuld an Julies Abwesenheit, glaubten ihre Eltern. Diese Annahme unterstreicht das Brüsseler Urteil jetzt. Der Anwalt der Familie, Stijn Verbist, sagte vor rund einem Jahr schon gegenüber VRT NWS: "Der Mann hätte am 4. Mai 2019 eigentlich inhaftiert sein müssen. Wenn die Behörden nicht versagt hätten, wäre Julie heute noch am Leben."

Justiz geht nicht in Berufung und schlägt mea culpa

„Dieses Urteil ist eine scharfe Kritik an der langjährigen Sparpolitik des belgischen Staates gegenüber der Justiz.“ Das sagt Stijn Verbist, der Anwalt der Familie von Julie Van Espen. 

Die Justiz wird keine Berufung gegen das Urteil einlegen, wie Belgiens scheidender Justizminister Van Tigchelt (Open VLD, Foto unten) entschied: „In einem langen Urteil hat der Richter Erwägungsgrund für Erwägungsgrund, Tatsache für Tatsache geprüft und schließlich zwei mögliche Fehler beibehalten, nämlich zum einen die Unterversorgung des Berufungsgerichts und zum anderen die Tatsache, dass das Berufungsgericht selbst die Akte des Täters nicht ausreichend weiterverfolgt hat. (...) Ich bin da sehr bescheiden. Wir erkennen die Fehler der Justiz an, wir erkennen das unermessliche Leid an, für das die Justiz mitverantwortlich ist.“

Laut Van Tigchelt wurden seit dem Mord in Absprache mit der Familie Van Espen wichtige Schritte im Kampf gegen sexuelle Gewalt unternommen. Dazu gehören ein neues Sexualstrafrecht mit härteren Strafen und mehr Betreuungszentren nach sexueller Gewalt. Auch der Rückstau beim Berufungsgericht in Antwerpen wurde abgebaut.

Justizminister Van Tigchelt

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