Die belgische Bahngesellschaft NMBS/SNCB hat eine Beschwerde am Hals, weil ein Schaffner im Zug in Vilvoorde in Flämisch-Brabant unweit von Brüssel alle Fahrgäste mit „bonjour“ gegrüßt hatte. Offiziell darf dort in den Zügen kein Französisch gesprochen werden. Etwas weiter, in Brüssel, ist das allerdings wieder erlaubt. Die NMBS steht hinter ihrem Zugbegleiter und möchte, dass die Sprachgesetze flexibler werden.
"Goeiedag, bonjour" im Zug in Vilvoorde führt zu einer Beschwerde bei der belgischen Bahn
„Goeiedag, bonjour", mit diesen Worten begrüßte ein Schaffner die Fahrgäste im Zug in Vilvoorde. Damit traf er den Nerv eines Fahrgastes aus Flandern derart, dass dieser eine Beschwerde bei der Bahn einreichte.
„Der Vorfall ereignete sich, als der Zugbegleiter den Waggon betrat, um die Fahrkarten zu kontrollieren“, so Bahnsprecher Dimitri Temmerman gegenüber VRT NWS: „Um alle Fahrgäste zu begrüßen, sagte er dies in zwei Sprachen. Aber das gefiel einem der Fahrgäste nicht. Er hielt es für inakzeptabel, weil der Zug noch im Bahnhof Vilvoorde und damit noch in Flandern stand.“
Offiziell besagen die seit 1966 geltenden Sprachgesetze, dass in Flandern, wozu auch der Bahnhof Vilvoorde gehört, kein Französisch gesprochen werden darf. Genauso wie Niederländisch in den Bahnhöfen in Wallonien nicht erlaubt ist. In der Region Brüssel sind beide Sprachen erlaubt. Auf dem Weg zum oder vom Flughafen darf das Zugpersonal übrigens Niederländisch, Französisch, Englisch und Deutsch sprechen, damit die Touristen es verstehen können.“
Aber diese Sprachregelung ist viel zu streng, findet die NMBS. Temmerman: „Wir wollen diese Sprachregelungen immer respektieren, aber hier geht es um einen Schaffner, der alle Reisenden in seinem Zug herzlich willkommen heißen will. Das werden wir sicher nicht verurteilen, sondern nur loben. Wir unterstützen genau solche Zugbegleiter, die gute Botschafter der NMBS/SNCB sind.“
Keine Konsequenzen
Die NMBS/SNCB hat die Beschwerde erhalten, wird ihr aber nicht nachgehen, so der Bahnsprecher weiter: „Wie alle anderen Beschwerden werden wir sie analysieren und sehen, ob wir daraus Lehren ziehen können. Aber in diesem Fall ist es wirklich klar. Wenn unsere Zugbegleiter die Fahrgäste in anderen Sprachen grüßen wollen, ist das natürlich erlaubt. Wir setzen uns deshalb dafür ein, dass die Sprachengesetze viel flexibler gehandhabt werden.“
Durchsagen in Zügen:
Sie erfolgen in der Sprache der Region, in der sich der Zug befindet.
Fährt der Zug in Brüssel, erfolgen die Durchsagen sowohl auf Niederländisch als auch auf Französisch, beginnend mit der Muttersprache des Zugbegleiters.
Fährt der Zug durch eine Gemeinschaft von Einrichtungen, erfolgen die Durchsagen sowohl auf Niederländisch als auch auf Französisch, beginnend mit der Sprache der betreffenden Region.
In den Zügen zum und vom Flughafen Brüssel werden die Durchsagen in Niederländisch, Französisch, Deutsch und Englisch gemacht.
Im Falle einer Sicherheitssituation, z. B. bei einem Brand, kann der Zugbegleiter hiervon abweichen. In diesem Fall kann er die vorgesehene Ansage durch eine Ansage in einer Sprache ergänzen, die von den anderen Fahrgästen verstanden wird.
In der deutschsprachigen Gemeinschaft sind die Durchsagen in den Zügen zwischen Welkenraedt und Eupen in deutscher Sprache. Der Zugbegleiter ist nicht verpflichtet, sie auf Deutsch zu machen. In der Praxis bedeutet das, dass etwa die Hälfte der Ansagen auch auf Deutsch sind, je nachdem, woher der Zugbegleiter kommt und wie gut er oder sie Deutsch kann.
Durchsagen in Bahnhöfen:
Sie erfolgen in der Sprache der Region, in der sich der Bahnhof befindet.
In Brüssel geschieht dies sowohl auf Französisch als auch auf Niederländisch. „Um zu bestimmen, in welcher Sprache die Durchsagen zuerst erfolgen, verwenden wir ein System, das wir schon seit Jahrzehnten anwenden“, erklärt SNCB-Sprecher Dimitri Temmerman.
„In Brüssel-Nord werden die Durchsagen zuerst auf Niederländisch gemacht, in Brüssel-Süd zuerst auf Französisch. In Brüssel-Zentral ändert sich diese Reihenfolge jedes Jahr. In den 'geraden' Jahren werden die Ansagen zuerst auf Niederländisch gemacht, in den 'ungeraden' Jahren zuerst auf Französisch. Bei den anderen Bahnhöfen in Brüssel hängt die Reihenfolge von der genauen Lage des Bahnhofs ab.
Internationale Züge und Züge zum Flughafen Brüssel werden auf Niederländisch, Französisch, Englisch und Deutsch angekündigt.
In Eupen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft erfolgen die Ankündigungen in Deutsch und Französisch.
