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Auch in Belgien sind Alleinerziehende oft sozial benachteiligt und rutschen schneller in die Armut ab

Alleinerziehende und neu zusammengesetzte Familien haben es in finanzieller Hinsicht schwerer als andere. Das geht aus dem Jahrbuch über Armut der Universität Antwerpen hervor. Und alleinerziehende Mütter haben es schwerer als alleinerziehende Väter, über die Runden zu kommen. Sie sind sogar häufiger mit der Betreuung von Kindern beschäftigt. Für neu zusammengesetzte Familien dauert es etwa acht Jahre, bis sie die gleiche finanzielle Sicherheit wie intakte Familien wiedererlangen. Das belgische Bundesland Flandern reagiert darauf mit entsprechenden Investitionen. 

Andreas Kockartz
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Die Politik muss Alleinerziehende und zusammengesetzte Familien besser unterstützen, sagt die Sozialforscherin Kristien Nys von der Odisee-Hochschule, die an dieser Studie mitgewirkt hat: „Alleinerziehende Mütter haben eher ein geringeres Einkommen als alleinerziehende Väter. Etwa 37 % der alleinerziehenden Mütter müssen mit einem Einkommen von weniger als 2.000 Euro pro Monat auskommen, verglichen mit 30,6 % der alleinerziehenden Väter.“

Mieke ist eine geschiedene Mutter, die mit wenigen Mitteln drei Kinder großziehen muss.  Und das ist nicht einfach: „Wohnkosten, Schulbücher, Schulgebühren, die Kleidung, aus der sie ständig herauswachsen. Alles, was damit zu tun hat, ist eine Herausforderung für mich.“

"Hartes Los"

Mieke ist mit ihrer Situation nicht allein. 6 von 10 alleinerziehenden Müttern müssen eine Familie mit einem Einkommen von weniger als 3.000 € brutto monatlich ernähren. Und für die meisten ist das ein hartes Los. Christine Nys sagt weiter dazu: „Wenn wir uns diese Gruppe genauer ansehen, stellen wir fest, dass mehr als 72 % der Betroffenen nur schwer über die Runden kommt und dass mehr als die Hälfte von ihnen zum Beispiel nicht jedes Jahr mal in Urlaub fahren kann.“

Für Nys muss der Staat diese Gruppe daher zusätzlich unterstützen: „Ich denke an die Stärkung der Teilhabe von Eltern am Arbeitsmarkt und dann geht es indirekt auch um die Finanzierung von Kinderbetreuung sowie um bestimmte Familienleistungen, die sicherstellen können, dass Gruppen, die mit einem sehr geringen Einkommen auskommen müssen, für das Nötigste sorgen können.“

Reaktionen der flämischen Landesregierung: „Investitionen in Kinderbetreuung und gesunde Mahlzeiten“

Flanderns Landesministerin für Armutsbekämpfung, Caroline Gennez (Vooruit, Foto unten), erklärt, dass die flämische Regierung die Armut weiterhin an allen Fronten bekämpfen will: „Deshalb investieren wir mit dieser Regierung stark in erschwingliche Betreuung, Bildung und Wohnen. Mit mehr als 6 Mia. € für den Bau und die Renovierung von Sozialwohnungen, niedrigeren Schulgebühren für praktische Schulen und gesunden Mahlzeiten in der Schule unternehmen wir wichtige Schritte, damit das Leben für viele Flamen bezahlbar bleibt.“

Die flämische Sozialistin sagte weiter, „Die Studie zeigt auch, dass alleinerziehende Mütter besonders von Armut bedroht sind. Ein Arbeitsplatz ist zwar immer noch die beste Garantie gegen Armut, aber Alleinerziehende können nicht immer auf ein umfangreiches Netzwerk zurückgreifen. Deshalb ist es so wichtig, dass wir in dieser Legislaturperiode zusätzlich 200 Mio.€ in die Kinderbetreuung investieren und dabei vor allem auf tausende zusätzliche einkommensabhängige und damit günstigere Kita-Plätze setzen.“

Caroline Gennez

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