Das Museum De Reede in Antwerpen stellt knapp 100 Grafiken des deutschen Künstlers Albrecht Dürer aus. „Ein Universalkünstler von der Größe eines Da Vinci oder Michelangelo“, sagt Kurator Joris Van Grieken. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts verbrachte Dürer einige Zeit in Antwerpen, wo er „wie ein Weltstar“ empfangen wurde.
"Albrecht Dürer in Antwerpen" - Außergewöhnliche und hochqualitative Ausstellung im Museum De Reede
Albrecht Dürer lebte von 1471 bis 1528. Seine Drucke sind also gut fünf Jahrhunderte alt und selbst nach so langer Zeit werden Ihre Augen an ihnen kleben bleiben. Mit einer Lupe (in der Ausstellung erhältlich) können Sie die kleinsten Details entdecken: Fabelhafte Tiere, Gesichtsausdrücke, fein gestreifte oder gepunktete Himmel, schöne Kontraste zwischen Hell und Dunkel. Außergewöhnliche Drucke eines außergewöhnlichen Künstlers, die jetzt im Museum De Reede in Antwerpen zu sehen sind.
Sie stammen aus der Königlichen Bibliothek (KBR) in Brüssel, die fast alles von Albrecht Dürer besitzt: Viele Hundert Werke, die nur selten zu sehen sind. Joris Van Grieken, Kurator des Kupferstichkabinetts der KBR, hat eine strenge Auswahl von über 90 Werken von außergewöhnlicher Qualität getroffen, „die fast alle zu Lebzeiten Dürers gedruckt wurden“.
Dürer steht in einer Reihe mit Da Vinci und Michelangelo.“
Kurator Joris Van Grieken
Was macht Albrecht Dürer so besonders? Joris Van Grieken spart nicht mit Superlativen: „Dürer ist definitiv ein Universalgenie. Er gehört in die Reihe der Großen: Da Vinci, Michelangelo, Raphael und Tizian.“ Er vermischt auf natürliche Weise die traditionelle nordeuropäische Bildsprache mit der Renaissance, die er auf seinen Reisen in Italien kennengelernt hat, unterstreicht Van Grieken.
Dürer malte auch, aber es sind vor allem seine Grafiken, die ihn zu einem Pionier machen. Seine Kupferstiche und Holzschnitte, die auf Papier gedruckt wurden, fanden weite Verbreitung. „Er war der erste, der sein grafisches Werk systematisch aufbaute. Dies war auch finanziell interessant, weil das mehr Geld einbrachte als Gemälde. Außerdem wurde Dürer dadurch zu einem unabhängigen Künstler, was zu dieser Zeit sehr ungewöhnlich war.“
Drucke als Konversationsobjekte
Dürers Kupferstiche fanden ihren Weg. Jeder, der ein gewisses Niveau hatte, kaufte sie, erklärt Joris Van Grieken: „Es waren Drucke, die man in seiner Bibliothek hatte und über die man dann mit Freunden und Gleichgesinnten diskutieren konnte. Sie waren echter Gesprächsstoff“.
Albrecht Dürer hatte ein breites Interesse, nicht nur an der Kunst, sondern auch an Wissenschaft und Religion. „Mit seiner umfassenden Sicht auf die Welt war er wirklich ein homo universale“, sagt Joris Van Grieken: „Er schrieb über Festungsbau, über perspektivisches Zeichnen, war aber auch mit den theologischen Debatten seiner Zeit vertraut.“
Während seines Aufenthalts in unseren Gefilden stand Dürer zum Beispiel in Kontakt mit dem großen Humanisten Erasmus, den er auch porträtiert. Aber es gab einen Knick. „Dürer war ein überzeugter Anhänger Luthers, Erasmus nicht.“ Schließlich wurde Dürer der Boden im katholischen Antwerpen zu heiß, und er kehrte nach Nürnberg zurück.
Albrecht Dürer wird in Antwerpen als Weltstar begrüßt.“
Kurator Joris Van Grieken
Dürers Aufenthalt in Antwerpen und seiner Umgebung war keineswegs unbemerkt geblieben. Er hatte im Vorfeld eine große Kiste mit Drucken geschickt und während seines Aufenthalts von 1520 bis 1521 verteilte er seine Werke auch als Werbegeschenke. „Er wurde wie ein Held empfangen, wie ein Weltstar“, sagt Joris Van Grieken. Es war auch ein kommerzieller Erfolg: Er konnte viele Werke verkaufen und erhielt auch einige Aufträge.
Antwerpen war um 1520 bereits ein Welthafen und für Dürer waren die Niederlande „ein Augenöffner“. Er kaufte exotische Gegenstände wie ein Narwalhorn und sah im kaiserlichen Zoo am Prinsenhof in Gent zum ersten Mal echte Löwen. Für einen gestrandeten Wal in Seeland kam er gerade zu spät. Dürer führte ein detailliertes Tagebuch über seine Reise.
Auch nach seinem Tod blieb das Werk Albrecht Dürers sehr populär und inspirierte andere Künstler. Noch heute noch bietet es immer wieder Überraschungen. Als Kurator Joris Van Grieken den berühmten Druck „Die Melancholie“ für die Ausstellung in De Reede stark vergrößerte, fand er eine Zeile, die dort eigentlich nicht hingehört, „ein kleiner Fehler, den Dürer nicht ganz beseitigt hat.“
Dürers Reise durch die Niederlande war in den letzten Jahren Gegenstand von Ausstellungen in Aachen und London. Dass nun so viele Werke Dürers gemeinsam in unserem Land zu sehen sind, ist ein Glücksfall.
Praktische Information: Die Ausstellung „Dürer in Antwerpen“ im Museum De Reede, Ernest Van Dijckkaai 7, 2000 Antwerpen , ist bis zum 31. März 2025 zu sehen. https://museum-dereede.com/de/
