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Brügge war eine wichtige mittelalterliche Handelsstadt – Das beweist auch ein Parasit aus einer 500 Jahre alten Sickergrube

In den Überresten einer mittelalterlichen Sickergrube in Brügge wurde das Ei eines Parasiten gefunden, der normalerweise nur in Afrika vorkommt. Der Parasit beweist unter anderem, dass Brügge 500 Jahre lang ein wichtiger Knotenpunkt für den internationalen Handel war. Möglicherweise kam der Parasit über spanische Kaufleute nach Brügge, die dort Gold, Elfenbein und Gewürze verkauften.  

Andreas Kockartz
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Der Parasit „Schistosoma mansoni“ ist ein ziemlich schmutziges kleines Viech. Es handelt sich um eine Wurmart, die als Larve über verunreinigtes Wasser in unsere Haut eindringen kann. Von dort aus wandert der Parasit unter anderem in unseren Darm. Er befällt auch andere Organe, was manchmal zum Tod führt. In Afrika kommt die Bilharziose häufiger vor. Nach Malaria ist sie dort die zweittödlichste parasitäre Krankheit. In Europa ist der Parasit viel seltener.

Dass ein Ei von „Schistosoma mansoni“ in einer 500 Jahre alten Sickergrube in Brügge gefunden wurde, ist daher bemerkenswert. Die Grube selbst wurde vor fast 30 Jahren bei Ausgrabungen in der Spanjaardstraat entdeckt. Aber erst vor kurzem wurden die Fundstücke mit neuen Techniken weiter untersucht. Dies geschah im Rahmen einer Zusammenarbeit zwischen der Universität Gent (UGent) und einer kanadischen Universität. An der Universität Gent läuft ein Projekt über die verschwundenen Zwin-Häfen, das unter anderem die Lebensweise ausländischer Kaufleute in diesem Gebiet bei Brügge, untersucht.

Jauchegrube für spanische Kaufleute

Die Forschungen der Genter Uni zeigen, dass die Jauchegrube im Mittelalter wahrscheinlich für spanische Händler bestimmt war. Es wird daher vermutet, dass der Darmparasit über sie nach Brügge gelangte. Die Spanier verkauften in Brügge Produkte, die sie aus Afrika mitbrachten, wie Gewürze, Gold und Elfenbein. Es ist aber auch nicht auszuschließen, dass jemand afrikanischer Abstammung den Parasiten mitgebracht hat. Die erste Erwähnung eines Afrikaners in Brügge stammt nämlich aus dem Jahr 1440. 

Organische Überreste bieten überraschende Einblicke

Die Erforschung organischer Überreste ist in der Geschichtsforschung noch relativ neu, wird aber in Zukunft an Bedeutung gewinnen. „Während man sich früher auf Keramik und Metallgegenstände konzentrierte, untersuchen wir jetzt auch organisches Material, um mehr über die Ernährung, Gesundheit, Hygiene und Mobilität früherer Bevölkerungen zu erfahren“, sagt UGent-Professor Koen Deforce.

Der Archäologe Maxime Poulain fügt hinzu: „Die Entdeckung dieses Parasiteneis in Brügge gibt nicht nur neue Einblicke in das tägliche Leben der damaligen Bevölkerung, sondern zeigt auch, wie Brügge als internationale Drehscheibe für Menschen, Waren und Ideen auch für die Verbreitung von Krankheiten sorgte“. Eine kanadische Wissenschaftlerin wird jetzt die Genetik des Parasiten weiter erforschen. In Europa ist der Parasit viel seltener.

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