Das Sozialamt der Brüsseler Gemeinde Anderlecht hat nicht nur bei der Vergabe von Sozialhilfe nachlässig gehandelt, sondern auch bei der Vergabe von Energiebeihilfen. Aus hunderten von anonymisierten Akten, die die Pano-Redaktion einsehen konnte, geht hervor, dass eine im Ausland lebende Frau, vier Obdachlose und sogar eine Verstorbene zu den Begünstigten gehören.
ÖSHZ Anderlecht schlampte auch bei der Vergabe von Energiebeihilfen
Insgesamt haben mehr als 5.000 Personen ohne ersichtlichen Grund und ohne gründliche Untersuchung Unterstützung erhalten. Fünf Mitarbeitende des ÖSHZ stellen nun auch die Gewährung von Energiebeihilfen in Frage. Das ÖSHZ von Anderlecht hat diese Beihilfen „systematisch“ verteilt, „ohne zu prüfen, ob die betreffenden Personen Anspruch darauf hatten.”
Dass das ÖSHZ von Anderlecht Menschen finanzielle Unterstützung gewährt, die keinen Anspruch darauf haben, deckte das Reportagemagazin Pano der öffentlich-rechtlichen Medienanstalt VRT vor 2 Wochen auf. Zwei Redaktionsmitglieder erhielten Sozialhilfe der Gemeinde, obwohl sie nicht in Anderlecht wohnen und keine finanziellen Probleme haben.
Zur Untermauerung ihrer Behauptung über die unkontrollierte Vergabe von Energiebeihilfen legen die Mitarbeitenden des ÖSHZ anonymisierte Akten vor.
So gewährt das ÖSHZ von Anderlecht vier Männern, die obdachlos sind, Geld für Energierechnungen, obwohl sie keinen festen Wohnsitz haben.
Auch eine Frau, die Anfang Dezember 2023 verstarb, bekam zwar keine Unterhaltsbeihilfe mehr, wohl aber noch eine Energiebeihilfe zugewiesen.
Eine weitere Frau erhält im Januar Geld für ihre Energierechnung. Später stellt sich heraus, dass sie bereits im November letzten Jahres nach Ruanda umgezogen war.
Gleiche Akten und Vordatierung
Zwischen Januar und April 2024 hat das ÖSHZ in Anderlecht 1.621 Leistungsempfängern Energiebeihilfen ausgezahlt. Zwischen Juli und November war dies bei weiteren 3 447 Personen der Fall. Die Beträge, um die es geht, sind gering und reichen von 70 Euro für Einzelpersonen bis zu 160 Euro für Familien.
Auffällig ist, dass der Inhalt der Akten identisch ist. Nur der Name und der Betrag werden jedes Mal geändert, ebenso wie der Energieversorger, an den das Geld gezahlt werden soll. Es scheint auch keinen Antrag für die Energiebeihilfe gegeben zu haben.
Und es gibt noch eine weitere Besonderheit. Obwohl die erste Reihe von Akten zwischen Januar und April 2024 in die ÖSHZ-Systeme eingegeben wurde, sind die Entscheidungen auf den 7. Dezember 2023 vordatiert worden.
Der Vorsitzende des ÖSHZ von Anderlecht, Lotfi Mostefa (frankophone Sozialisten, PS, Foto oben) und der Verantwortliche für die Energiebeihilfen haben nicht auf Fragen der Pano-Redaktion reagiert.
Die Sozialassistenten der Gemeinde haben ihre eigene Erklärung. „Das sind Subventionen, die um jeden Preis ausgegeben werden müssen, um im nächsten Jahr mindestens den gleichen Betrag zu bekommen. Das ÖSHZ hat einfach zu viel Geld für Energiesubventionen bekommen.“
