Belgische Landwirte blockieren aus Protest gegen das europäische Handelsabkommen mit Südamerika, Mercosur, seit Mittwochabend mehrere Orte in der Wallonie. Auf ihren Traktoren versperren die Landwirte die Zufahrt zu Autobahnen an den Landesgrenzen, unter anderem in Eupen, in der Provinz Hennegau an der Grenze zu Frankreich und an der belgisch-niederländischen Grenze.
Belgische Landwirte protestieren an den Grenzübergängen gegen Mercosur
Etwa 70 Traktoren blockieren seit Mittwochabend 22 Uhr die E40 in Welkenraedt. Die E19 bei Hautrage ist ebenfalls gesperrt. Die öffentlich-rechtliche Medienanstalt RTBF berichtet außerdem von Filterblockaden am Flughafen Bierset bei Lüttich und bei Bouillon in der Provinz Luxemburg. Die Proteste sollen bis Donnerstagabend andauern.
Die Bilder erinnern an die Bauernproteste Anfang 2024, an denen sich Landwirte in ganz Europa aus Unzufriedenheit mit der Agrarpolitik beteiligten. In Belgien versperrten die Bauern unter anderem den Zugang zu den Häfen von Antwerpen und Zeebrügge. In Brüssel kam es zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die flämische, die wallonische und die föderale Regierung nahmen Konsultationen mit den Landwirten auf und versprachen, ihnen entgegenzukommen.
Nach Ansicht der Landwirte hat sich seither wenig geändert. „Im Februar haben uns die Politiker ein paar nette Versprechungen gemacht, aber die meisten davon wurden nicht eingehalten“, so ein junger Landwirt gegenüber der Nachrichtenagentur Belga.
Der Zeitpunkt der Proteste ist nicht zufällig gewählt. Donnerstag und Freitag halten die Mercosur-Länder (Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay) Gipfeltreffen zu ihrem Handelsabkommen mit der Europäischen Union ab.
Dieses Freihandelsabkommen, über das seit Jahren diskutiert wird, würde zu unlauterem Wettbewerb führen, befürchten die Landwirte. In Südamerika sind die Auflagen für Landwirte weniger streng.
Nach Angaben der Financial Times stehen die EU und die Mercosur-Länder kurz vor dem Abschluss des Handelsabkommens. Die Vorsitzende der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, wird möglicherweise noch diese Woche nach Uruguay fliegen, um das Abkommen zu unterzeichnen.
