Zum Hauptinhalt springen

Vor genau 100 Jahren: Puccini, einer der größten Opernkomponisten aller Zeiten, verstirbt unerwartet in Brüssel

Am 29. November 1924 verstirbt der italienische Komponist Giacomo Puccini in Brüssel während der Arbeit an seiner Oper Turandot. Zu seinem Begräbnis kommen Tausende Menschen. Was machte Puccini überhaupt in Brüssel und kann man sein Grab hier besuchen? Kulturredakteur Joris Vergeyle hat sich auf Spurensuche begeben. 

Joris Vergeyle Martina Luxen
Veröffentlicht:

Sogar wer noch nie in der Oper war, dürfte die Arie Nessun dorma aus Turandot kennen, denn der italienische Tenor Luciano Pavarotti machte sie unsterblich. Weniger bekannt ist, dass der italienische Komponist Giacomo Puccini in Brüssel an Turandot arbeitete, als er vor 100 Jahren starb.  

Kehlkopfkrebs hatte den Komponisten 1924 gezwungen, vorübergehend nach Brüssel zu ziehen, wo er sich bei dem Brüsseler Arzt Ledoux einer experimentellen Behandlung mit Radium unterzog. 

Puccini war damals einer der bekanntesten Komponisten der Welt und das Publikum trug ihn auf Händen. Seine Opern wie La Bohème, Tosca und Madame Butterfly werden in der ganzen westlichen Welt aufgeführt.  

Giacomo Puccini war Anfang des 19. Jahrhunderts ein Weltstar.

Stadtpalast in der Koningstraat beim Botanique

Puccini kam in Begleitung seines Sohnes nach Brüssel und zog in einen Stadtpalast in der Rue Royale (Nummer 294, in der Nähe des Botanischen Gartens). Noch heute spricht man von dem Anwesen Hotel Puccini . Die Dekoration soll teilweise noch im Originalzustand erhalten sein, mit monumentaler Treppe und Kronleuchtern.

Puccini bleibt in der Stadt weitgehend inkognito. Als die Zeitung Le Soir am 18. November über seine Anwesenheit in der Hauptstadt berichtet, dementiert die italienische Botschaft zunächst. Der Überlieferung zufolge ist er in dieser Zeit auch bei einer Aufführung seiner Oper Madame Butterfly in der Königlichen Oper De Munt/La Monnaie anwesend. Allerdings muss er den Konzertsaal wegen seiner fortgeschrittenen Krankheit vorzeitig verlassen.

Medizintourismus in Brüssel

Die experimentelle Behandlung, die Puccini zur Behandlung seines Kehlkopfkrebses benötigte, wurde 1924 nur in zwei Städten in Europa durchgeführt: in Berlin und Brüssel. Puccini entschied sich für die Expertise von Dr. Ledoux in Elsene/Ixelles, einem damals bekannten Spezialisten.

Die Zeitung Le Soir durfte ihn noch wenige Tage vor seinem Tod interviewen. Der Komponist spricht offen über die Behandlung, der er sich unterziehen musste: „Brüssel kannte ich schon und ich liebe diese Stadt. Aber stellen Sie sich vor, wie sehr ich die Stadt lieben werde, wenn sie mir meine Gesundheit zurückgibt.“

Am 24. November muss er sich der entscheidenden Operation unterziehen. Puccini selbst ist auf das Schlimmste gefasst, wie er in Briefen an Kollegen verrät. Die Operation verläuft zunächst wie geplant, doch Komplikationen erweisen sich einen Tag später als tödlich für den Komponisten. Er stirbt am 29. November um 11.30 Uhr in der Privatklinik von Dr. Ledou an einem Herzinfarkt.

Puccini auf seinem Sterbebett

Die Privatklinik von Dr. Ledoux wurde inzwischen abgerissen. Heute steht an dieser Stelle ein Wohngebäude mit einer Gedenktafel: Giacomo Puccini est décédé ici le 29 novembre 1924“ (Hier starb Giacomo Puccini am 29. November 1924.).  

Die Begräbnisfeier wird in der Königlichen Kirche Saint-Maria in Schaarbeek gehalten, noch keine 300 Meter vom Stadtpalast entfernt, in dem Puccini mit seinem Sohn wohnte. Puccini bekam ein Staatsbegräbnis und die Prozession wird sogar gefilmt, um sie in europäischen Kinosälen zu zeigen.  

Der berühmte Dirigent Arturo Toscanini lässt bei der Beerdigung den Trauermarsch aus Puccinis Oper Edgar erklingen. Währenddessen versuchen Tausende von Menschen am Straßenrand einen Blick auf den Sarg zu erhaschen, der mit einer Kutsche durch die Stadt gefahren wird. 

Nach der Beerdigung wird der Sarg mit dem Leichnam mit dem Zug nach Mailand befördert, wo er vorübergehend beigesetzt wird. Sein Sohn lässt unterdessen in Puccinis Haus eine Kapelle errichten. Im Jahr 1926 wird Puccinis Leichnam dann an seine letzte Ruhestätte überführt, die heute im Museo Villa Puccini zu besichtigen ist. 

Puccini wäre drei Wochen nach seinem Tod 66 Jahre alt geworden. Die Oper Turandot bliebt zunächst unvollendet, bis sich der italienische Komponist Franco Alfano ihrer annahm.

Lesen Sie mehr über

Meistgelesen

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5