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Aller Jamais Retour. 1979

Theatrum Mundi – Eine Ulrike Ottinger-Retrospektive in Brüssel

Die feministische Filmikone prägte mit ihren subversiven und experimentellen Werken den Neuen Deutschen Film der 1980er Jahre. Ihr extravagantes Oeuvre leuchtet heute ganz besonders inmitten der Männerriege aus Filmemachern dieser Zeit. Goethe-Institut Brüssel und CINEMATEK präsentieren eine umfassende Retrospektive in Belgien.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Eine „Weltensammlerin“ wird die 1942 in Konstanz geborene Ulrike Ottinger vom Haus der Kulturen der Welt in Berlin genannt, als sie dort 2020 eine große Einzelausstellung parallel zu ihrem neuesten Film „Paris Calligrammes“ eröffnet. Die filmische Autobiographie feiert auf der Berlinale Weltpremiere und zeichnet Ottingers künstlerische Anfänge nach, deren Inspiration sie im Stadtbild der Metropole findet, in seiner Architektur, seinen Museen und öffentlichen Orten, sowie in den Menschen, die dort wohnen.

Es ist das Paris illustrer Zirkel der Surrealisten und Dadaisten, aber auch Setting der politischen Umwälzungen der Sechzigerjahre, des Algerienkrieges und des Mai '68, die das koloniale Europa entlarven und anprangern. Der dekoloniale Prozess wird für Ottingers späteres Schaffen prägend, ebenso wie die Arbeit von Persönlichkeiten wie dem französischen Dramaturgen Jean Genet oder dem ethnologischen Regisseur Jean Rouch und das Cinéma Verité.

Das Weltentheater der Ulrike Ottinger

Ob in Paris, London, New York, Stockholm, Warschau oder Toronto – das Goethe-Institut hat Ulrike Ottingers Werke weltweit gezeigt und damit zur Bekanntheit ihrer Arbeit beigetragen. Ottinger ist dieses Jahr 82 geworden und es beginnt sich eine retrospektive Werkschau an die nächste zu reihen, außerdem dreht sie weiter konzentriert Filme. Ab dem 06. Dezember 2024 zeigen Goethe-Institut Brüssel und CINEMATEK eine komplette filmische Retrospektive in Belgien.

Neben ihren Filmen besteht Ottingers Oeuvre aus einem weitgefächerten Werk von Theater- und Opernproduktionen, Ausstellungen, Fotografien, Malereien und Künstlerbuchpublikationen. Als Regisseurin und Kamerafrau produzierte sie fiktionale Filme, aber auch bis zu zwölf Stunden lange Dokumentationen wie etwa „Chamissos Schatten“ (2016). Dazu drehte sie Filme in Asien wie „Taiga“ (1991/92) oder „Exil Shanghai“ (1997), im osteuropäischen Raum, wie „Südostpassage“ (2002), aber auch Berliner Geschichte wird dokumentarisch festgehalten wie beispielsweise der Mauerfall in „Countdown“ (1990).

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Der Bote der Inquisition. 1981

Der Begriff Theatrum Mundi beschreibt ein Weltentheater – eine Globalmetapher mit einem schmunzelnden Unterton. Ottinger bezieht sich darauf im Kontext zu „Freak Orlando“, den sie 1981 dreht und der heute zum Kanon des deutschen Avantgardefilms zählt. „Freak Orlando“ ist Teil der Berlin Trilogie, eine Schaffensperiode, die geprägt ist von Ottingers langjähriger Zusammenarbeit mit feministischen Idolen wie Tabea Blumenschein, Punk-Ikone des Berliner Undergrounds, und der feministischen Kultfigur Delphine Seyrig.

Insbesondere mit Werken wie „Madame X – Eine absolute Herrscherin“ (1977), „Bildnis einer Trinkerin“ (1979) und „Dorian Gray im Spiegel der Boulevardpresse“ (1984) schaffen Ottinger und ihre „widerständigen Musen“ wichtige Beiträge zum subversiven, experimentellen deutschen Film der 1980er Jahre. Ihr extravagantes und unerhörtes Oeuvre leuchtet heute ganz besonders in der Männerriege des Neuen Deutschen Films mit Filmemachern wie Schroeter, Fassbinder und Schlöndorff.

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Ulrike Ottinger vor ihrem Bild „Allen Ginsberg“, Paris, 1966

Ulrike Ottinger in Belgien

Die belgische Retrospektive Theatrum Mundi zeigt neben Ottingers filmischen Werk eine begleitende Ausstellung, die in selektierte Filmprojekte und -prozesse der Künstlerin zoomt. Zum Anlass hat die CINEMATEK Ulrike Ottinger eingeladen, eine Carte Blanche zu kuratieren - über 10 Filme, die für ihr Schaffen wichtig sind, und die parallel zu sehen sein werden. Zudem werden belgische Filmakteur*innen sich mit dem Werk der Künstlerin auseinandersetzen, darunter Studierende der Brüsseler Film- und Theaterakademie RITCS sowie der Kunstakademie La Cambre. Es werden Zinepublikationen von jungen queeren Künstler*innen präsentiert und ein experimenteller Cabaret-Abend im Geiste Ottingers geboten. Das Eröffnungswochenende der Retrospektive wird in Anwesenheit der Künstlerin selbst gefeiert, anschließend sind ihre Filme für drei Monate in der CINEMATEK zu sehen.

Theatrum Mundi – Eine Ulrike Ottinger-Retrospektive, 06. Dezember 2024 – 28. Februar 2025, CINEMATEK, Rue Baron Horta 9, 1000 Brüssel – Info:  Theatrum Mundi - Goethe-Institut Belgien

Quelle: Pressemitteilung Goethe-Institut Brüssel

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