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Der Justizpalast von Antwerpen: Unruhe auf den Fluren
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Antwerpener Ermittlungsrichter lebt nach Drohung aus der Drogenszene untergetaucht: "Sie zielen auf unser Privatleben"

Ein Antwerpener Untersuchungsrichter ist nach Drohungen aus dem Drogenmilieu seit mehreren Wochen untergetaucht. Das melden die Zeitungen des flämischen Verlags Mediahuis. Die Antwerpener Staatsanwaltschaft bestätigte diese Meldungen gegenüber VRT NWS. „Wir fühlen uns in unserer Arbeit unsicher“, sagt Philippe Van Linthout von der Vereinigung der Ermittlungsrichter.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Seit mehreren Wochen lebt ein Antwerpener Ermittlungsrichter notgedrungen in einem Safehouse. Der Ermittlungsrichter soll ernstzunehmende Drohungen aus dem Drogenmilieu erhalten haben. Das ist das erste Mal, dass so etwas in unserem Land vorkommt. Zuvor standen allerdings auch schon Richter und Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft unter Polizeischutz.

Die Vereinigung der Ermittlungsrichter schlägt Alarm. „Die Verrohung der organisierten Kriminalität ist das Gesprächsthema auf den Fluren“, sagt Philippe Van Linthout, Präsident der Vereinigung der Untersuchungsrichter.

Drogenkriminelle schicken sich gegenseitig per SMS die Nummernschilder von Ermittlungsrichtern zu.“

Philippe Van Linthout, Ermittlungsrichter

„Die Kollegen fühlen sich in ihren eigenen Büros unsicher. Sie sehen, dass ihre Namen in Drogenakten auftauchen, denn in den Handys von Kriminellen finden wir die Nummernschilder von Untersuchungsrichtern und andere private Dinge“, so Van Linthout.

Die Ermittlungsrichter fordern von der zukünftigen belgischen Bundesregierung Maßnahmen und Budgets. „Unsere eigenen Gebäude sind eine Katastrophe. Sie sind alt und nicht richtig gesichert. Außerdem sind die Gefängnisse überfüllt, so dass wir nicht die Leute einsperren können, die dort hingehören. Sie sind auch undicht wie ein Sieb, wenn man sieht, wie viele Handys im Umlauf sind. Von der Zelle aus können die Insassen kriminell aktiv bleiben und so auch uns bedrohen“, sagt Van Linthout.

„Unser Beruf ist eine Berufung. Als Ermittlungsrichter sind wir Tag und Nacht erreichbar. Deshalb müssen wir besser gerüstet sein, ohne Angst um uns und unsere Familien. Sonst untergraben wir die Justiz“, warnt Van Linthout abschließend.

Die Aggression gegen Richter und Staatsanwälte nimmt zu, es ist 5 nach 12 für einen besseren Schutz.“

Franky De Keyzer, Staatsanwalt

Inzwischen hat sich auch der Antwerpener Staatsanwalt Franky De Keyzer zu Wort gemeldet. Er unterstützt den Appell der Ermittlungsrichter. „Es ist höchste Zeit, dass wir in unserem Land daran arbeiten, unsere Richterinnen und Richter besser zu sichern und zu schützen. Sie setzen sich jeden Tag für die Sicherheit unserer Gesellschaft ein, und das tun sie natürlich nicht ohne Risiko“, sagte er.

Polizeischutz für fast 200 Personen in Belgien

197 Personen, die ein öffentliches Amt bekleiden, wie Richter oder Politiker, erhalten derzeit Polizeischutz. Das sagt das Nationale Krisenzentrum. Ein Safehouse ist eine außergewöhnliche Schutzmaßnahme.

Drohungen gegen Richter, Polizisten oder Gefängniswärter sind kein neues Phänomen. Das sagt Paul Dauwe, bis Anfang dieses Jahres Direktor des Gefängnisses von Hasselt. Von diesem Gefängnis aus soll ein Häftling Drohungen gegen den Antwerpener Untersuchungsrichter ausgesprochen haben.

Dauwe zufolge hat es immer Drohungen gegeben, aber es sind mehr als früher und sie sind auch ernster.

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