Zum Hauptinhalt springen
Können hier KI-gesteuerte Kameras für Sicherheit sorgen?

Antwerpen untersucht, ob die Sicherheit in den jüdischen Vierteln mit KI-gesteuerten Überwachungskameras gewährt werden kann

Die Polizei von Antwerpen übernimmt die Koordination eines europäischen Projekts, um die jüdischen Gemeinschaften besser zu schützen. Dabei wird auch untersucht, ob „intelligente“ Kameras mit Künstlicher Intelligenz (KI) dabei helfen könnte, mögliche Gewalt zu vermeiden. Das mit 1,5 Mio. € aus EU-Mitteln finanzierte Projekt ist nicht unumstritten.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Mit „intelligenten“ Kameras, die mit KI-Unterstützung arbeiten, soll die Sicherheit in den jüdischen Vierteln in Antwerpen besser gewährt werden. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz soll mögliche Gewalt schneller detektiert werden können. KI könnte z.B. bestimmte Verhaltensmuster als Aggression detektieren und lokalisieren. Die Antwerpener Polizei legt in diesem Zusammenhang Wert auf die Feststellung, dass es sich dabei nicht um Gesichtserkennung handele und dass der Schutz des Privatlebens und der Privatsphäre gesichert blieben.

„Das bedeutet jetzt nicht, dass ab dem 1. Januar solche Kameras in den jüdischen Vierteln hängen“, sagte Antwerpens Polizeisprecher Wouter Bruyns: „Wir werden 2 Jahre lang untersuchen, was uns dabei helfen kann, die Sicherheit der jüdischen Gemeinschaft zu gewährleisten. Kameras mit KI sind nur ein Teil davon, aber auch spezielles Training für die Polizei und Dialoge mit der Gemeinschaft.“

Das Vorhaben findet im Rahmen des EU-Projekts AEGIS statt, mit dem die jüdischen Gemeinschaften in Europa besser geschützt werden sollen. Die Polizeizone Antwerpen koordiniert das Projekt in Belgien und auch in Rumänien und in Spanien sollen gleichartige Untersuchungen durchgeführt werden. In der flämischen Hafenmetropole wird dabei mit Juden und mit jüdischen Verbänden gearbeitet werden.

Nicht unumstritten

Das Projekt ist nicht unumstritten und Experten in Sachen Privacy und Sicherheit beobachten das Ganze mit kritischem Blick. „Kriminalität voraussagen klingt gut, doch in der Praxis ist das komplizierter als gedacht“, nuanciert Privacy-Expertin Sofie Royer von der Uni Löwen KU Leuven): „Es besteht das Risiko, dass man bestimmte Personen oder Viertel anvisiert mit einer Form von self fulfilling prophecy als Folge.“ Dabei könne auch die Gefahr der Diskriminierung „um die Ecke lauern.“

Royer erinnert auch daran, dass die KI-Regeln in Belgien sehr streng sind: „Der AI-Act, der im Juni 2024 angenommen wurde, belegt die Systeme, in denen die Polizei mit KI arbeitet, mit strengen Auflagen.“ Gerade KI-Systeme, die mit der Voraussage von Kriminalität arbeiten, seien an eine ganze Reihe von Verpflichtungen gebunden, so die Löwener Sicherheitsexpertin: „Es ist verboten, Kriminalität vorauszusagen, in dem man Persönlichkeitsmerkmale wie Geburtsort und Nationalität als Basis nimmt.“

„Es ist auch ein Missverständnis, dass sich Pilotprojekte nicht an Gesetze halten müssen. Das Kontrollorgan für polizeiliche Information, COC, hat in der Vergangenheit schon Pilotprojekte gestoppt, weil sie zu weit gingen. Ich denke dabei an ein Projekt mit Gesichtserkennung am Flughafen von Zaventem“, so Sofie Royer.   

Lesen Sie mehr über

Meistgelesen

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5