Den Lehrkräften in Belgien drohen Pensionsverluste in Höhe von mehreren zehntausend Euro, wenn die im Zuge der Regierungsbildung vorgeschlagenen Sparmaßnahmen in die Tat umgesetzt werden. Nach Berechnungen der christlichen Unterrichtsgewerkschaft COC könnte ein Lehrer bis zu 116.000 € an Rentenanspruch verlieren. Bei Schulleitern könnte sich dieser Verlust nach 20 Jahren Laufbahn bis zu 217.000 € belaufen.
"Lehrer riskieren Einbußen von bis zu 116.000 €" - Belgiens Gewerkschaften kritisieren die Rentenreform im Bildungswesen
Die Verhandlungsführer von N-VA, Vooruit, CD&V, MR und Les Engagés setzen ihre Gespräche zur Bildung einer neuen Bundesregierung unvermindert fort. Es sickern nur wenige Informationen durch. Doch jetzt kamen Details zur Frage der Rentenreform zutage, genauer um die Anpassung der Pensionen im Bildungswesen in Belgien.
Generalsekretär Koen Van Kerkhoven von der christlichen Unterrichtsgewerkschaft COC sagte dazu am Dienstag gegenüber VRT NWS und der flämischen Wirtschaftszeitung De Tijd, dass diese Sparpläne für Unsicherheit bei den Lehrkräften sorge.
Es gebe keine konkreten Informationen von Seiten der regierungsbildenden Parteien, „aber sie haben auch alle die Supernote (das Grundlagenpapier von Regierungsbildner Bart De Wever (N-VA), Red.) gelesen. Ich habe auch noch nicht gehört, dass das in irgendeiner Weise in Frage gestellt wird“.
Was hat es damit auf sich?
„Ein durchschnittlicher Lehrer mit einer vollen Karriere von 40 Jahren, der im April 2025 in den Ruhestand gehen würde, würde mit diesen Maßnahmen 15 bis 16 % der Nettopension verlieren“, so Koen Van Kerkhoven gegenüber VRT NWS: „Wenn dieser Lehrer dann weitere 20 Jahre lebt, würde er bis zu 96.000 € Nettopension verlieren, wenn er ein Bachelor wäre, und bis zu 116.000 € als Master.“
„Für einen Schuldirektor - in diesem Fall ein Master, der 20 Jahre von insgesamt 40 Berufsjahren Direktor war - beträgt der Nettoverlust bis zu 23 %. Wenn er nach seinem Eintritt in den Ruhestand noch 20 Jahre lebt, verliert er mit diesen Maßnahmen insgesamt über 217.000 € an Rente.“
Die Berechnungen der Gewerkschaft gehen von einer Situation aus, in der die vorgeschlagenen Maßnahmen sofort umgesetzt werden. „Sollte es Übergangsmaßnahmen geben, werden die Auswirkungen geringer sein“, räumt van Kerkhoven ein: „Aber die Frage wird sein: Wie groß sind diese Übergangsmaßnahmen? Wir befürchten, dass es sehr schnell gehen könnte. Die Übergangsmaßnahmen werden also nicht so groß sein, dass alle, die sich bereits in der Ausbildung befinden, diesen Eingriffen entkommen können.“
Bleibt der Lehrerjob so noch attraktiv?
Im Moment ist die ganze Situation noch unter Vorbehalt zu nehmen. Die Verhandlungspartner der Arizona-Parteien haben die Rentenreform noch nicht verabschiedet. Aber die vorliegenden Berechnungen bereiten der christlichen Lehrergewerkschaft dennoch große Sorgen, sagt Van Kerkhoven.
„Die Pension ist ein aufgeschobenes Gehalt für Beamte. In einer Studie aus dem Jahr 2003 wurde festgestellt, dass das Lehrergehalt auf dem Arbeitsmarkt wettbewerbsfähig ist, aber nur mit allen Parametern wie der vollen Pension, die wir heute haben. Die höhere Pension, die di Lehrer erhalten, wird in der Privatwirtschaft durch die Zusatzrente ausgeglichen. Wenn unsere Rente sinkt, droht ein riesiges Problem für die Attraktivität eines Arbeitsplatzes im Bildungswesen.“
Laut Van Kerkhoven ist die COC auch m Gespräch mit anderen Gewerkschaften und Mitspielen aus dem Bildungswesen: „Die Dachverbände sind ebenfalls besorgt, denn das Gehalt - und die Rente ist ein Teil davon - ist sehr wichtig, um auch in Zukunft Menschen für den Bildungsbereich zu gewinnen.“ Auch die flämische Bildungsministerin Zuhal Demir (N-VA) ist bezüglich der Bedenken der Lehrergewerkschaften bereits informiert: „Die Ministerin hat dies ebenfalls zur Kenntnis genommen. Und wir werden auch ein rechtzeitiges Signal an die Verhandlungsparteien auf föderaler Ebene senden, damit sie sich besinnen, wenn eine föderale Regierung zustande kommt."
