Der neue Stadtrat von Gent bittet die höheren politischen Instanzen, allen voran die Europäische Union darum, eine Milliarden-Investition für nachhaltige Stahlproduktion am ArcelorMittal-Standort im Hafen der Stadt abzusichern. Aktuell hegt der internationale Stahlriese bedenken darüber, ob er in „grünen Stahl“ aus Gent überhaupt investieren soll. Aktuell arbeiten rund 5.000 Menschen in diesem Werk.
Gent bittet die EU darum, eine Milliarden-Investition von ArcelorMittal abzusichern
Derzeit herrscht offenbar Unsicherheit darüber, wie, wann und ob ArcelorMittal überhaupt in die Produktion von „grünem Stahl“ in Europa investieren soll. Ursprünglich wollte der Konzern seinen CO2-Ausstoß bis 2030 in Europa um 35 % senken. Damit verbunden sollen Investitionen alleine in den Standort Gent über 1,1 Mia. € verbunden sein. CEO Aditya Mittal kam vor 3 Jahren selbst nach Gent, um eine dahingehende Absichtserklärung zu unterzeichnen (Foto unten).
Doch inzwischen spielt ArcelorMittal seine Standorte weltweit in dieser Frage gegeneinander aus. Das belgische Bundesland Flandern sagte 600 Mio. € Förderung zu und die belgische Bundesregierung versprach, dass der Konzern ausreichend und günstigen Ökostrom bekommen würde.
Wichtiger Arbeitgeber
In Gent will man nicht einsehen, dass ArcelorMittel - der Stahlriese verbuchte in den vergangenen 3 Jahren enorme Gewinne am belgischen Standort - die Investitionen in die nachhaltige Produktion von Stahl in die USA, nach Kanada oder nach Brasilien fließen lässt.
ArcelorMittal ist neben Volvo Cars und Volvo Trucks der wichtigste Arbeitgeber in der Genter Region bzw. in der Provinz Ostflandern. Direkt beschäftigt die Stahlgruppe 5.000 Menschen, doch indirekt hängen daran weitere rund 30.000 Jobs, wie die Stadt Gent analysiert.
Europa, Belgien und Flandern müssen sich rasch mit dieser Frage beschäftigen, so die Verantwortlichen der Stadt Gent. Sie bitten darum, für 3 wichtige Vorbedingungen zu sorgen:
Ausreichend und bezahlbare Energie,
Ein positives Investitionsklima,
Maßnahmen gegen den Import von Billigstahl von außerhalb der EU.
Nicht zuletzt würde die nachhaltige Stahlproduktion auch für eine Senkung des CO2-Ausstoßes in Flandern um 4 % sorgen, heißt es weiter dazu.
Konkurrenzfähigkeit
Auch ArcelorMittal drängt auf Eile und fordert von Seiten der EU ein Maßnahmenpaket, um den europäischen Stahlsektor gegenüber der Stahlproduktion im Rest der Welt konkurrenzfähig zu gestalten. Das sich ankündigende Drama bei Thyssenkrupp in Deutschland unterstreicht diese Notwendigkeit gerade in aller Deutlichkeit.
