Spitzenvertreter der Gewerkschaften bei Audi Brüssel reisten am Montag in die Zentrale des Audi-Mutterkonzerns Volkswagen nach Wolfsburg in Deutschland. Dort trafen sie sich mit Audi-Chef Gernot Döllner und Kollegen der deutschen Gewerkschaft IG Metall, wie Jan Baetens, Schaftssekretär der christlichen Gewerkschaft ACV-Metea bei Audi Brüssel mitteilte.
Audi-Gewerkschaften tagen in Wolfsburg mit Management und deutschen Kollegen
Laut Baetens war das Gespräch mit den deutschen Gewerkschaftskollegen „nützlich, um die gewerkschaftliche Solidarität zu stärken“. Die belgischen Gewerkschafter klärten in Deutschland auch über die Ereignisse vom 13. November auf, als die Leitung der Fabrik in der Brüsseler Gemeinde Vorst von der Polizei aus einem Sitzungssaal begleitet werden musste. Vor dem Werkstor sorgten erboste Mitarbeiter für Randale. „Schließlich kursierten in Deutschland die wildesten Geschichten über diesen Vorfall“, so Baetens.
Audi-Chef Döllner teilte den Gewerkschaften am Montag mit, dass Audi keine Alternative mehr für die Fabrik in Brüssel sieht. „Im Rahmen eines Sozialplans haben wir dann der Konzernspitze unsere Vorstellungen zu bestimmten Dingen mitgeteilt“, sagte Baetens. „Der Plan, der jetzt auf dem Tisch liegt, ist nicht so gut wie der von 2007“, als Volkswagen das Werk in Vorst schloss, bevor es anschließend von Audi übernommen wurde. „Das Treffen an sich war positiv, aber es hat deutlich gemacht, dass wir eine harte Verhandlungsphase vor uns haben“, sagte der Gewerkschaftssekretär.
Am Dienstag trafen sich die Gewerkschaften und das Management von Audi Brüssel erneut Gesprächen zur Informations- und Konsultationsphase des sogenannten „Renault-Gesetzes“ - ein belgisches Sozialverfahren bei Massenentlassungen. Am Mittwoch werden sie sich über den Sozialplan für die Arbeitnehmer beraten. Laut Baetens sind sich beide Seiten einig, dass sie den Sozialplan „innerhalb von zehn Tagen“ abschließen können.
Management und Gewerkschaften wollen Konsultationsphase abschließen, sobald ein Sozialplan vereinbart wurde
Der Informations- und Konsultationsprozess des Renault-Gesetzes wird bei Audi Brüssel formell abgeschlossen, sobald sich die Unternehmensleitung und die Gewerkschaften des Automobilwerks auf einen Sozialplan geeinigt haben. Dies erfuhr die Nachrichtenagentur Belga am Dienstag von der Unternehmensleitung und den Gewerkschaften nach dem Ende eines Sonderbetriebsrats. Beide Parteien wollen den Sozialplan so schnell wie möglich an Land ziehen.
„Während des Sonderbetriebsrats am 26. November wurden die letzten offenen Fragen der Sozialpartner im Rahmen des Informations- und Konsultationsprozesses beantwortet“, sagte Peter D'hoore, Sprecher von Audi Brüssel. „Dazu gehörten Fragen zu alternativen Geschäftsmodellen, die Koordination des I&C-Prozesses (Information und Konsultation) und Fragen zu einem möglichen zukünftigen Nutzungskonzept für den Standort.“
Der I&C-Prozess ist noch nicht formell abgeschlossen, wird es aber sein, sobald sich beide Parteien auf einen Sozialplan geeinigt haben. „Die Geschäftsführung von Audi Brüssel beabsichtigt, beide Themen in naher Zukunft abzuschließen und Klarheit für alle Beteiligten zu schaffen“, so D'hoore.
Der Gewerkschafter Ronny Liedts (ACV Metea) wies am Dienstagnachmittag darauf hin, dass die Gewerkschaften die Verhandlungen über den Sozialplan so schnell wie möglich abschließen wollen, „damit für die Arbeitnehmer, die in einem Referendum ebenfalls über diesen Plan abstimmen werden, Klarheit herrscht“. Am Mittwoch werden sich Unternehmensleitung und Gewerkschaften über den Sozialplan für die Beschäftigten an einen Tisch setzen. Dieser beinhaltet Schließungsprämien und Vorruhestandsregelungen für die rund 3.000 Beschäftigten von Audi Brüssel, wo die Produktion Ende Februar eingestellt werden sollte.
