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Galerie Bortier: Vom heimeligen Bücherparadies zur hippen "Galerie Gourmande"

Die umgestaltete altehrwürdige Bortier-Galerie in der Brüsseler Altstadt ist eröffnet worden. Zu den drei dort verbliebenen Antiquariaten gesellen sich acht hippe Gastronomiebetriebe. Die Stadt Brüssel erhofft sich dadurch mehr Dynamik für diesen vernachlässigten Standort in Innen- und Altstadtnähe. Doch unter den Buchhändlern und den Anwohnern gibt es Kritik, wie die Nachrichtenplattform BRUZZ dazu schreibt: „Die Galerie ist aus dem Gleichgewicht geraten.“

Andreas Kockartz
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In den letzten Monaten wurde das Innere der Galerie einer umfassenden Renovierung unterzogen. Alle möglichen neuen Unternehmen haben sich dort niedergelassen. Dazu gehören die Brauereien Brussels Beer Project und Brasserie de la Senne sowie weitere regionale Brauereien, die dort einen Schankraum und ein Literaturcafé eröffnen.

Die Metzgerei Dierendonck, der Spitzenkoch Yves Mattagne und der Tintenfischspezialist César Lewandowski haben dort ebenfalls jeweils Lokale eröffnet. Außerdem haben sich dort ein libanesischen Caterer, ein Käseladen und ein italienisches Feinkostgeschäft niedergelassen.

"Galerie Gourmande"

Die Geschäfte und Lokale werden wahrscheinlich ein ganz anderes Publikum anziehen als bisher. Jahrzehntelang war die Galerie Bortier der Treffpunkt für Bibliophile, die in Antiquariaten in aller Ruhe in alten und seltenen Büchern stöberten.

Die Galerie wurde 1847 von dem Architekten Jean-Pierre Cluysenaar erbaut, der auch die Galerien Royal Saint-Hubert entworfen hat. Zwischen der Magdalenastraat und der Sint-Jansstraat gelegen, bildete die Galerie den Durchgang zum großen überdachten Lebensmittelmarkt in der heutigen Magadalena-Halle, die inzwischen ein Konzert- und Veranstaltungssaal geworden ist. Schon damals beherbergte die Passage hauptsächlich Buchhandlungen.

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Es gibt in der Bortier-Galerie aber weiter alte Bücher

Brüssel wünschte sich mehr Dynamik

Jahrelang schien die Galerie ein wenig zu schlummern, vor allem in den Augen der Stadt Brüssel, die sich mehr Leben für diese ihrer Ansicht nach zu ruhige Galerie bringen wollte. Vor drei Jahren rief die kommunale Gebäudeverwaltung, der die Galerie gehört, zu einem Projekt auf. Die anwesenden Buchhändler reichten alle möglichen Vorschläge ein, erhielten aber nach eigenen Angaben keine Antwort.

Bis sie letztes Jahr plötzlich erfuhren, dass der Betrieb der Galerie in die Hände von Thierry Goor, dem Initiator des Lebensmittelmarktes Wolf im Stadtzentrum und des Fox in Watermael-Boitsfort, gelegt worden war. Letzterer kündigte an, dass er zwei Konzepte, das Buch und die Gastronomie, vereinen wolle.

Zunächst sah es so aus, als ob alle Buchhändler bleiben könnten, aber das war nicht der Fall. La Bouquinerie, die gerade dabei war, die riesige Sammlung der ehemaligen Buchhandlung Vanderelst zu verkaufen, musste gehen. Auch für den Verleger in der Buchhandlung La Crypte Tonique war dies das Ende. Auch der Vertrag für Nicolas Lambert, der gerade erst die auf alte Fotografien und Stiche spezialisierte Buchhandlung Schwilden übernommen hatte, wurde nicht verlängert.

Prekäre Verträge?

Seit September ist er mit seinem Geschäft in der Pinzengalerie. Dort vermisst er die Anwesenheit seiner Antiquariatskollegen. „Es funktioniert einfach viel besser, wenn man mit ähnlichen Geschäften zusammensitzt“, sagt er.

Er hat den Eindruck, dass die Stadt und die Brüsseler Regionalregierung schon lange nicht mehr an eine Büchergalerie glaubten: „Auf jeden Fall geschah sehr wenig, um die Buchhändler zu unterstützen. Sie wurden hauptsächlich mit Mieterhöhungen oder prekären Verträgen konfrontiert.“

Fanny Genicot betreibt eine der drei Buchhandlungen, die bleiben durften. „Nicht, dass ich einen so festen Vertrag hätte“, sagt sie. Sie hat das Antiquariat vor Jahren von ihrem Vater übernommen und hängt sehr an dem alten Galeriekonzept. Der Zukunft sieht sie daher mit gemischten Gefühlen entgegen: „Ursprünglich sollte es hauptsächlich ein Lebensmittelgeschäft werden. Jetzt stellt sich heraus, dass es sich auch um Gastgewerbe handelt.“

Atelier der Geigenbauerin

In der Galerie fühlt sie sich nicht mehr so zu Hause wie früher: „Ich fühle mich eher wie ein Gast in einer Galerie mit Catering und Musik.“ Sie ist auch neugierig, was ihre Kunden, die sowohl wegen der Bücher als auch wegen der Ruhe kommen, davon halten werden. „Bis hierher habe ich nicht viel begeisterte Resonanz bekommen“, so die Antiquariatin.

Genicot ist der Meinung, dass viele Gelegenheiten verpasst wurden, um den kulturellen Charakter der Galerie zu erhalten: „Es gab viele Leute aus dem Kulturbereich, die etwas mieten wollten, aber es ist nie etwas daraus geworden.“ Ihrer Meinung nach gab es auch nicht so viel Leerstand, wie es die Gebäudeverwaltung vermuten ließ: „Es ging um zwei Räume.“

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Vor einigen Monaten herrschte hier noch "Ruhe vor dem Sturm"

Für einen dieser Räume hatte der Geigenbauer Thomas Meeuwissen einen Plan. Er schlug der Verwaltung vor, dort sein Atelier einzurichten: „Am Ende stellte sich heraus, dass die Miete sehr hoch war, und es gab keine Möglichkeit, über einen Rabatt zu sprechen. Ich sah darin zwar auch eine Möglichkeit, die Galerie wiederzubeleben, denn ein solches Atelier hat Publikum.“ Meeuwissen hatte den deutlichen Eindruck, dass die Stadt bereits ein Projekt im Kopf hatte und daher jeden Vorschlag abblitzen ließ.

"Kulturelle Augenwischerei"

Der Geigenbauer  ist auch ein Bewohner der Galerie. Er wohnt in einer der zehn Wohnungen oberhalb der Passage: „Mit all diesen Gastronomiebetrieben ist die Galerie aus dem Gleichgewicht geraten. Für die Anwohner kann das eine Belästigung sein, Lärm, Abfall. Die Galerie ist nicht für Wohnung und Gastronomie ausgelegt. Außerdem werden die Gastronomiebetriebe als hochwertig dargestellt. Aber wie lange wird das so bleiben? In kürzester Zeit wird man hier auch Döner und Fast Food finden, wie im übrigen Stadtzentrum“.

In der Zwischenzeit hat die städtische Bewegung IEB eine Beschwerde bei der regionalen Aufsichtsbehörde und den Verwaltungen eingereicht. Nach Ansicht der IEB hätte eine Genehmigung eingeholt werden müssen: „Die Zoneneinteilung hat sich eindeutig geändert. Es gibt jetzt acht Gastronomiebetriebe und nur noch drei Buchläden, die nur noch als Kulturalibi dienen.“

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