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Rumänischer Kellner im Kulturhaus Flagey entpuppt sich als Top-Pianist und erhält Vertrag

Am Klavier sitzt der Rumäne Ionut Cibotariu seitdem er sieben Jahre alt ist. Klavierspielen ist seine Leidenschaft und eine Lebensnotwendigkeit. Als Cibotariu in Brüssel landet und als Caterer im Brüsseler Kulturhaus Flagey zu arbeiten beginnt, weiß das Konzerthaus zunächst nichts von einem Talent. Nur zufällig entdeckt die Direktion ein Video und das verborgene Talent seines Kellners. Flagey will ihm helfen, seinen Traum vom Klavierspielen zu verwirklichen.

Martina Luxen
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Zunächst soll Ionut Cibotariu nur beim Catering und im Backstage mithelfen, als ihm das Öffentliche Sozialhilfeamt einen Job im Kulturhaus am Flagey besorgt. Aber sobald er eine Pause hatte, setzte sich Cibotariu an eines der vielen Klaviere im Kulturhaus und spielte. Das Instrument war ihm nicht fremd; jahrelang hatte er Piano gelernt und gespielt, zuerst auf dem Kunstgymnasium und am Konservatorium.

Als Cibotariu eines Tages einem anderen Pianisten ein Video von seiner Übungsstunde - Rachmaninovs zweite Klaviersonate - zeigte, hörte auch der Jazz-Programmierer Maarten Van Rousselt zu. Er schickte das Video dann an einige Kollegen, denen es die Sprache verschlug.

Spielen wie ich immer spiele

Kurze Zeit später erhielt Cibotariu eine Einladung zu einem kleinen Konzert für die Geschäftsführung, sozusagen als Vorspiel: „Das war ein sehr aufregender, stressiger Tag“, erinnert er sich: „Diese Leute hörten sich die größten Pianisten der Welt an. Wie konnte ich mich von ihnen abheben? Sollte ich so perfekt wie möglich spielen oder wie ich selbst? Auf Anraten meiner Freunde entschied ich mich für Letzteres, und am Ende hat alles gut geklappt.”

Nach seinen Ambitionen gefragt, antwortete der Rumäne, dass er zuerst einen Lehrer brauche, um sich zu verbessern und belastbarer zu werden.

Aufstrebende Talente aufzuspüren und zu fördern, gehört zur DNA von Flagey. Sechs Monate lang wurde Cibotariu daher von keinem Geringeren als dem belgischen Pianisten Jean-Claude Vanden Eynden (Foto unten) betreut. Dieser gewann mit sechzehn Jahren den dritten Preis beim Königin-Elisabeth-Wettbewerb. Flagey unterstützt seinen ehemaligen Kellner auch mit einer Porträtsitzung, einer professionellen Aufnahme und bei der Zusammenstellung eines Repertoires.

Musik seit Generationen im Blut

Für Cibotariu ist ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. In seiner Familie wurde das musikalische Talent von Generation zu Generation weitergegeben. Sein Vater, ein begeisterter Klarinettist und Saxophonist, spielte manchmal sogar bis 3 Uhr morgens. „Der Klarinettenkasten meines Vaters war mein Spielzeug“, erzählt er. „Wenn er spielte, schlug ich immer den Rhythmus an, schon seit ich zwei Jahre alt war. Ich wollte auch Klarinette spielen, aber ich habe nie Unterricht genommen. Als Vierjähriger war das Blasinstrument viel zu schwierig für mich."

Andere Instrumente hatte der junge Cibotariu kaum wahrgenommen, bis er eine Aufzeichnung des Chopin-Wettbewerbs in Warschau sah. „Es war eine der ersten Ausgaben, die der russische Pianist Yakov Zak schließlich gewann“, erinnert er sich. „Er spielte so perfekt, fast übermenschlich. Dank ihm habe ich angefangen, Klavier zu spielen.“

Cibotariu übte jeden Tag, mehrere Stunden am Tag. „Als Kind fiel mir das schwer“, gesteht er: „Irgendwann wollte ich sogar aufhören, aber mein Vater hat mich überzeugt, durchzuhalten.“ Mit 14 Jahren wurde Cibotariu in das renommierte George-Enescu-Musikgymnasium in Bukarest aufgenommen: „Damals nahm ich auch an meinen ersten Wettbewerben teil. Ich hatte große Angst, Fehler zu machen. Aber das ist die beste Übung: unter stressigen Bedingungen auf der Bühne zu stehen. Das macht dich als Musiker jedes Mal widerstandsfähiger und stärker.“

Seele erforschen

Seit Flagey sein Talent entdeckt hat, erhält er auch professionelle Unterstützung. Nach der Vorbereitung findet Flagey es nun an der Zeit, ein Konzertprogramm zusammenzustellen und Cibotariu einem breiteren Publikum vorzustellen. Schließlich war der Ehrgeiz, professioneller Pianist zu werden, von Anfang an da.

„Für mich ist Musik viel mehr als eine Leidenschaft. Sie ist eine Lebensnotwendigkeit“, betont er: „Das Klavier ist meine aufrichtigste Form des Ausdrucks. Jede Note, die ich spiele, ist ein Teil von mir. Jedes Stück ist eine Erkundung meiner Seele. Aber ein professioneller Pianist zu werden, ist nicht nur ein Ziel, sondern es erfordert totale Hingabe, um meine künstlerischen Grenzen zu erweitern, das Instrument mit absoluter Präzision zu beherrschen und die emotionale Kraft der Musik zu vermitteln. Das ist eine große Verantwortung, die ich zu tragen habe."

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