In Trinkwasserspeichern in ganz Flandern wurde Trifluoressigsäure (TFA), die kleinste PFAS-Variante, gefunden. Das geht aus Messungen des Trinkwasserunternehmens De Watergroep hervor, die auf Anfrage von VRT NWS durchgeführt wurden. Die höchsten Werte wurden in der Provinz Westflandern verzeichnet. Welche gesundheitlichen Risiken durch TFA entstehen könnten, ist bislang unklar. Flanders Umweltminister Jo Brouns (christdemokratische CD&V) kündigte einen Grenzwert an, mit dem die Opposition und der Koalitionspartner N-VA nicht zufrieden sind.
Kleinste PFAS-Variante in flämischem Trinkwasser nachgewiesen - Kritik aus Regierung und Opposition an Umweltminister Brouns
De Watergroep, das größte Trinkwasserunternehmen Flanderns, sammelte in der ersten Jahreshälfte 2024 insgesamt 924 Proben. Sie verzeichnete die bei weitem höchsten Werte sowohl im Leitungswasser als auch in den Wasserspeichern in der Provinz Westflandern. Besonders betroffen sind Orte wie Zillebeke, Zedelgem, Poperinge und Ypern.
Bereits zuvor wurde TFA im Trinkwasser von Brüssel und Wallonien nachgewiesen. Die Substanz ist nahezu überall in Europa vorhanden.
TFA ist für seine schlechte Abbaubarkeit und mögliche gesundheitsschädliche Auswirkungen bekannt. Über Regen, Nebel, Wolken, Gewässer und Abwasser gelangt es in unser Trinkwasser. Noch ist unklar, welches genaue Gesundheitsrisiko von TFA ausgeht. Als Hauptquellen gelten der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft und die Industrie.
In Flandern gibt es noch keinen offiziellen Grenzwert für TFA. Flanderns Umweltminister Jo Brouns (Christdemokraten, CD&V) kündigte jedoch am Dienstag einen neuen gesundheitlichen Richtwert von 15,6 Mikrogramm pro Liter Trinkwasser an. Die relativ hohen Werte von De Watergroep in Westflandern bleiben unter dieser flämischen Vorsorgeschwelle. In Wallonien und den Niederlanden gilt ein niedrigerer Grenzwert von 2,2 Mikrogramm pro Liter, der also unter den gemessenen Werten liegt.
Kritik aus Opposition und Regierung
Mieke Schauvliege, Fraktionsvorsitzende der Grünen im flämischen Parlament, übt scharfe Kritik an dem neuen flämischen Richtwert. „Brouns spielt mit der Gesundheit der Flamen“, so Schauvliege. Sie wirft Brouns vor, „Normen an die Verschmutzung in Flandern 'anzupassen'. Das ist Politik im Interesse der Landwirtschaft, nicht im Interesse der Umwelt und der öffentlichen Gesundheit.“
Brouns verteidigt sich und betont, dass „bisher keine Studie gesundheitliche Schäden beim Menschen nachweisen konnte. Aber wir müssen alles daransetzen, die Quellen von TFA zu identifizieren. Wir müssen die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln und Stoffen in der Kühlung, der Landwirtschaft und der Industrie genauer untersuchen, um die Verschmutzung maximal zu reduzieren. Das ist selbstverständlich.“
Die Kritik an Brouns kommt nicht nur aus der Opposition, sondern auch aus der eigenen Regierungskoalition. Andy Pieters, flämischer Abgeordneter der Regierungspartei N-VA (Nationaldemokraten) und ehemaliger Sprecher der vorigen Umweltministerin Zuhal Demir (N-VA), weist darauf hin, dass unter der vorherigen Regierung ein Aktionsplan gegen den Einsatz von Pestiziden vorbereitet wurde. Dieser Plan wurde jedoch nie umgesetzt. Pieters fordert nun, dass der neue Umweltminister Brouns so schnell wie möglich handelt.
